Und er kam doch. Nachdem „Twilight“-Star Robert Pattinson die Premiere von Werner Herzogs „Queen of the Dessert“ noch schwänzte, stellte er nun mit Dane deHaan und Regisseur Anton Corbijn zumindest im Berlinale Special den Film „Life“ vor. Ein Film über James Dean. Pattinson spielt aber nicht seinen berühmten Kollegen, sondern den Fotografen Dennis Stock, der in den 50er-Jahren eine Aufnahme von ihm machte, die noch heute ikonographischen Charakter hat. Zum Interview im Hotel de Rome kam Pattinson in Jeans, Boots, Karo-Hemd und Vollbart – der für eine neue Rolle notwendig ist und unglaublich kratzt, wie er lachend erzählt.

Berliner Morgenpost: Mr. Pattinson, ist James Dean für Ihre Generation eigentlich noch immer eine Ikone?

Robert Pattinson: Definitiv. Vor allem als ich jung war. Ich kannte James Dean, bevor ich überhaupt wusste, dass ich Schauspieler werden will. Er war stilprägend und hat Einfluss auf jeden Schauspieler. Allein durch seine Körperlichkeit. Jeder, der sich nach vorne lehnt und dabei cool aussehen will, kopiert doch James Dean. (lacht)

Es ist nicht ohne Ironie, dass Sie jetzt einen Fotografen spielen. Sie sind oft mit Fotografen aneinandergeraten, die Ihr Leben zur Hölle gemacht haben. Wie war das?

Sie machen es ja noch immer. Um ehrlich zu sein: Ich hatte eine sehr eigene, vorgefertigte Meinung über Fotografen. Genauso wie Anton Corbjin. Unsere Vorstellungen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Für Anton ging es beim ganzen Film um das Wesen der Fotografen. Ich habe Dennis Stock gar nicht als solchen wahrgenommen, sondern als jemand, der unbedingt Künstler sein wollte, wie James Dean. Es ging mir um diese beruflichen Eifersüchteleien. Wieso wird er als Künstler gesehen und ich nicht? Das mochte ich daran.

Haben Sie darüber nachgedacht, wie ihre eigene Karriere in einer anderen Zeit verlaufen wäre? Ohne Internet, ohne Twitter, ohne Instagram?

Das wäre wunderbar gewesen. Wobei ich eigentlich schon zu alt für diesen ganzen neumodischen Kram bin. Ich bin ohne Instagram aufgewachsen, ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert. Zum Glück. Heute gehört das zur Karriere eines Schauspielers mit dazu. Aber dieses Feld überlasse ich gern der Generation nach mir.

Sie geben als Schauspieler viel von sich preis, haben auf den fertigen Film aber nur indirekt Einfluss. Wie gehen Sie damit um?

Es ist immer eine Art Glückspiel, ist aber einfach Teil des Jobs. Ich hatte mit Anton Corbijn ein Jahr vor Drehbeginn nur eine Stunde gesprochen und die Rolle dennoch sofort angenommen. Er hätte mit allem kommen können. Erst bei den Dreharbeiten bekam ich ein Gefühl für die Geschichte. Wie so oft beim Film war es eine Vertrauenssache.

Haben Sie sich selbst in der Rolle wiedergefunden?

Ja. Denn wenn du als Künstler vor etwas Angst hast, dir selbst im Weg stehst, dich blockierst, dein Potenzial nicht ausnutzt, dann hast du ein Problem. Dennis Stock, meine Figur in „Life“, verkörpert das in jeder Sekunde. Damit konnte ich, ehrlich gesagt, ziemlich viel anfangen.

Sie stehen sich oft selbst im Weg?

Viele Schauspieler haben oft das Gefühl, dass sie Dinge nur faken und es eines Tages irgendwem auffällt, dass sie überhaupt nicht spielen können. Diese Angst hält mich von vielen Dingen ab, die ich eigentlich tun will. In unserem Film hat Dennis Stock – anstatt an sich zu glauben – ständig Ausreden dafür, warum er nicht der richtige Mann für den Job ist und nicht dazu steht, der zu sein, der er eigentlich sein will. Damit konnte ich mich identifizieren.

Bei all den Selbstzweifeln: Woher ziehen Sie als Schauspieler ihr Selbstvertrauen?

Ich habe aufgehört, darüber nachzudenken, und tue Dinge einfach. Oft mache ich mir erst hinterher Sorgen. Aber da ist es zu spät und fast schon egal. Ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich eigentlich ja auch unglaublichen Spaß an der Sache habe.

Ihre Karriere begann vor über zehn Jahren. Zeit für eine Art Zwischenresümee: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Entwicklung?

Eigentlich bin ich genau da, wo ich sein wollte. Nach „Twilight“ wusste ich, dass es eine Weile dauern wird, bis die nächste Karrierestufe kommen wird. Langsam komme ich da aber an. Ich versuche natürlich immer, ein besserer Schauspieler zu werden, aber es hängt so viel davon ab, was ich angeboten bekomme. .

Vermeiden Sie jetzt eine gewisse Art von Filmen, wie Franchise-Projekte?

Ich ziehe komische Sachen magisch an. Was mir bei Franchise- und Großprojekten die größte Angst macht, ist die Schlichtheit der Charaktere. Damit am Ende auch jeder Depp ihn versteht und sich mit ihm identifizieren kann. Aber mein Blick auf die Welt ist einfach zu anders, als dass ich mich damit zufrieden geben kann. Ich kann einfach keine normale Person spielen, weil ich selbst nicht weiß, wie man normal sein soll. Je bizarrer eine Sache ist, desto mehr kann ich damit anfangen und fühle mich sicherer.

Wie sind sie mit dem Ende von „Twilight“ umgegangen?

Ich hatte keine Ahnung, was ich mit mir anfangen soll. Und dann kam das Angebot von „Cosmopolis“. Aus dem Nichts – drei Wochen, bevor wir „Twilight“ abgedreht haben. Das hat alles geändert. Denn auf einmal waren die Filme, die ich persönlich mag, für mich als Schauspieler in Reichweite.