Cinema for Peace

Pussy Riot sind die Stars der Friedensgala in Berlin

Die russischen Aktivistinnen haben bei der Filmpreis-Gala ihre neue politische Organisation vorgestellt. Ihr Film wurde als „Wertvollste Dokumentation des Jahres“ ausgezeichnet.

Bereits am Vormittag hatten sie bei der Pressekonferenz alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen – und so sollte es auch am Abend sein: Zur großen Gala im Konzerthaus am Gendarmenmarkt hatte die „Cinema for Peace Foundation“ am Montagabend Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina, Mitglieder der Band „Pussy Riot“, geladen. Der Film „Pussy Riot: A Punk Prayer“ war bei der politischen Filmpreis-Gala für die Kategorie „Wertvollste Dokumentation des Jahres“ nominiert worden - am Ende wurde er ausgezeichnet.

Internationale Gäste, glamouröse Gala

Er erzählt die Geschichte der jungen Frauen, die 2012 weltweite bekannt wurden, als sie in der Erlöser-Kathedrale in Moskau auf der Bühne gegen die russische Staatsmacht demonstrierten. Kurz darauf wurden sie zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, im Dezember 2013 im Zuge einer Generalamnestie von Staatspräsident Putin wieder freigelassen. Nach einem Kurzbesuch in New York bei Amnesty International war der Berlin-Besuch der beiden jungen Frauen der zweite große öffentlichkeitswirksame Termin nach ihrer Haftentlassung.

Und so lernten die internationalen Gäste der glamourösen Gala, unter anderen der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, die Goodwill-Botschafterin der Europäischen Union Bianca Jagger, der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing und Ornella Muti, sowie deutsche Stars wie Franziska Knuppe, Ursula Karven und Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder und Sabine Christiansen die weltweit bekannten Menschenrechtsaktivistinnen kennen. Als weitere Ehrengäste des Abends im Konzerthaus waren Schauspielerin Uma Thurman, die französische Filmdiva Catharine Deneuve und Sir Christopher Lee anwesend. Der 92 Jahre alte Brite wurde für sein jahrzehntelanges Engagement für Unicef und Cinema for Peace ausgezeichnet.

Aktivistinnen gründen Menschenrechtsorganisation

Ihnen allen dankten die beiden Russinnen an diesem Abend - und bestärkten sie darin, sich noch stärker für Menschenrechte einzusetzen. „Wir sind sehr stolz hier sprechen zu dürfen - und wir sprechen für all jene, die in Russland zu Unrecht eingesperrt sind", sagte Aljochina. „Sie alle wollen lediglich in einem freien Land mit fairen Wahlen leben.“ Bereits am Vormittag hatten beide betont, dass jeder Bürger ein Teil von "Pussy Riot" werden könne, man benötige lediglich eine starke politische Überzeugung.

Mit der Hoffnung auf Unterstützung stellten die beiden Russinnen ihre neu gegründete Menschenrechtsorganisation „Zona Priva“ vor, die sich vor allen Dingen mit der Verbesserung der Bedingungen in russischen Gefängnissen auseinandersetzt. „Das Schlimmste, das ein Mensch im Gefängnis erfährt, ist dieses Gefühl, in einer Sackgasse zu sein und keine Wahl mehr zu haben“, sagten sie aus eigener Erfahrung. Bislang hätten sie in Russland jedoch keine Chance gehabt, die Organisation anzumelden. „Und alle, die daran beteiligt sind, werden gerade massiv unter Druck gesetzt“, sagte Marija Aljochina. Deshalb haben sie ein weiteres großes Ziel: in die Politik zu gehen.

Mandela-Enkel nimmt Preis entgegen

Ein mögliches Vorbild sei dafür womöglich der ehemalige, kürzlich verstorbene südafrikanische Staatspräsident Nelson Mandela, der an diesem Abend ebenso eine große Rolle spielte. Der Film „Mandela: Long Walk to Freedom“ war in der Kategorie „Wertvollster Film des Jahres“ nominiert worden. Unter den Gästen war deshalb auch Kweku Mandela, der Enkel des ehemaligen Staatspräsidenten.

„Nelson Mandela ist einer der größten Helden unserer Zeit“, betonte Jaka Bizilj, Gründer von Cinema for Peace. „Er hat sein Leben dafür eingesetzt, um sich gegen Ungerechtigkeit, Apartheid und Rassismus zu stellen. Dafür wird er von Filmemachern gewürdigt.“ Nelson Mandelas Enkel nahm unter Standing-Ovations den „Special Honorary Award“ entgegen, war sichtlich gerührt und bedankte sich im Namen seines berühmten Großvaters.