Ihr Humor ist speziell und subversiv. US-Filmemacher Wes Anderson und sein beeindruckendes Star-Ensemble eröffnen am heutigen Donnerstag die 64. Berlinale mit der schillernden Komödie „Grand Budapest Hotel“. Zum Auftakt des zehntägigen Bären-Rennens der Internationalen Filmfestspiele Berlin zeigen die Gäste aus Hollywood eine herrlich skurrile Geschichte rund um ein Luxushotel. An der Seite von Ralph Fiennes als Concierge Gustave spielen Jeff Goldblum, Saoirse Ronan, Tilda Swinton, Adrian Brody, Willem Dafoe, Bill Murray, Tony Revolori, Léa Seydoux und Edward Norton. Für die Berlinale ein Auftakt mit absurdem Witz – obwohl Andersons Story dieses Mal der emotionale Widerhaken fehlt. Zur Pressekonferenz kam Anderson samt Staraufgebot.

In „Grand Budapest Hotel“ geht es um die exzentrischen Angestellten und Gäste einer pastellig rosafarbenen Luxusherberge in einem fiktiven osteuropäischen Land. Die ganze Hotelwelt dreht sich um den leutseligen Concierge Monsieur Gustave (Fiennes), einen Mord und ein millionenschweres Renaissance-Gemälde – und das alles vor wechselnden politischen Hintergründen von der Machtübernahme durch Faschisten in den 30er Jahren bis zur Ausrufung des Kommunismus.

Die 64. Berlinale würdigt das Werk von Philip Seymour Hoffman und Maximilian Schell. In einer Sondervorführung am 11. Februar wird „Capote“ gezeigt, wie die Internationalen Filmfestspiele Berlin am Donnerstag ankündigten. Für diese Rolle bekam Hoffman, der kürzlich im Alter von 46 Jahren starb, einen Oscar. Der Film über den Schriftsteller Truman Capote lief 2006 im Berlinale-Wettbewerb. Zu Ehren von Maximilian Schell gibt es am 9. Februar „Meine Schwester Maria“, das Filmporträt über seine Schwester Maria Schell. Der Oscarpreisträger war am 1. Februar mit 83 Jahren gestorben.

Wie schafft es Regisseur Wes Anderson mit so vielen prominenten Schauspielern auch in den Nebenrollen zu arbeiten? Hollywoodstar Billy Murray hatte bei dem Thema eine launige Antwort: „Uns wurden Überstunden, niedrige Löhne und trockenes Brot versprochen.“ Ob er sich als Stammgast in Andersons Filmen wie ein Vater des Regisseurs fühlt, kommentierte der 63-Jährige, der eine schief sitzende Wollmütze trug, mit den Worten: „Meine Kinder sind nicht so wohl erzogen wie Wes.“

Tilda Swinton spielt im Film eine alte Witwe namens Madame D. So sehe sie ohne Makeup aus, scherzte die 53-Jährige, die schon oft bei den Filmfestspielen war. „Die Berlinale ist so ein kostbarer Ort für mich.“ Das Festival sei gut, um als Filmschaffende ihre Batterien aufzuladen.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Christoph Waltz geht planlos an die Jury-Arbeit

Schauspieler Christoph Waltz hat keinen festen Plan, wie er seine Arbeit als Mitglied der diesjährigen Berlinale-Jury angehen wird. „Bewertet und bewertet werden sind zwei verschiedene Stiefel, die nicht miteinander verglichen werden können“, sagte der 57 Jahre alte Oscar-Preisträger („Django Unchained“) am Donnerstag vor der Eröffnung der Filmfestspiele Berlin. „Die gehören nicht an dasselbe Paar Füße.“ Es gäbe da keine Prinzipien, nach denen man gehe.

Jury-Präsident James Schamus (54) verglich die Arbeit der Jury mit einer Familie. „Die Familie ist ein Raum, wo man mit allen Leuten tiefgehende Meinungsunterschiede austragen und sich dennoch wieder an einen Tisch setzen kann. Was uns zusammenbringt, sind Filme.“ Der US-Produzent und Drehbuchautor erinnerte auch an den kürzlich gestorbenen US-Schauspieler Philip Seymour Hoffman. „Er wird hier sein, er ist hier präsent.“

Waltz war im vergangenen Jahr bereits Jurymitglied beim Filmfestival im südfranzösischen Cannes. Auf die Unterschiede zwischen den beiden angesprochen sagte der Schauspieler: „Die Berlinale ist ein Festival, das sich möglicherweise weiter ins Unbekannte hinaus wagt als Cannes. Das Essen, glaube ich, ist in Cannes besser.“

Comeback für den Zoo-Palast als Berlinale-Kino

Der frisch renovierte Zoo Palast feiert nach jahrelanger Pause sein Comeback als Berlinale-Kino. Das Haus aus den 50er-Jahren war in seiner langen Geschichte Ort von Premieren mit vielen ganz großen Stars – darunter Romy Schneider, Errol Flynn, Gina Lollobrigida und Sophia Loren. An diesem Freitag läuft dort der mit Spannung erwartete Film über Modedesigner Yves Saint Laurent. Mit dem Kino und dem Festivaltrubel bekommt die Gegend um die Gedächtniskirche eine weitere Attraktion – es ist Rückenwind für den Berliner Westen. Bei der Berlinale werden im Zoo Palast beispielsweise Filme aus der Panorama-Reihe sowie aus der Kinder- und Jugendsektion gezeigt.

Neue Imbiss-Meile zur Berlinale

Barbecue-Sandwiches, Allgäuer Kässpatzen und koreanische Suppe: Bei der Berlinale werden zum ersten Mal aus „Food Trucks“ Snacks aufgetischt. Die Imbiss-Wagen stehen auf dem Festivalgelände am Potsdamer Platz und servieren Spezialitäten ähnlich wie in der angesagten Markthalle Neun in Kreuzberg.

Greta Gerwig und James Schamus geben Tipps für den Film-Nachwuchs

Wie erzähle ich spannende Geschichten? Wie finde ich als Produzent den richtigen Stoff? Das können junge Filmemacher bei der Berlinale lernen. Die Reihe für den Nachwuchs heißt jetzt nicht mehr „Talent Campus“, sondern „Berlinale Talents“ (8.-13. Februar). 300 Filmemacher der neuen Generation sind eingeladen. Sie bekommen Tipps von ausgewählten Profis. Im Theater Hebbel am Ufer treten zum Beispiel Drehbuchautoren auf, die in ihren Filmen auch als Produzent, Regisseur oder Schauspieler mitgewirkt haben: Berlinale-Jurypräsident James Schamus („Gefahr und Begierde“) und seine Kollegen Greta Gerwig („Frances Ha“) und Michel Gondry („Is the Man Who Is Tall Happy?“).

Wes Anderson mag München

Normalerweise verkünden amerikanische Filmleute gerne „I love Bööörlin“, wenn sie in der deutschen Hauptstadt sind. Von Berlinale-Eröffnungsstar Wes Anderson („Grand Budapest Hotel“) ist mal was anderes zu hören: Er hat ein Herz für München. Ihm gefalle, dass die Stadt ein wenig aus der Zeit gefallen sei. „München ist deutsch, aber hat sich einen bayerischen Charakter bewahrt“, sagte Anderson dem „Zeitmagazin“. „Man sieht noch Menschen in Tracht und Läden, in denen man Trachten kaufen kann.“ Zu den Orten, die er immer besuche, gehöre der Viktualienmarkt.

Berlinale-Shop verkauft Schnuller

Letztes Jahr war es ein Stoffbeutel für 5,90 Euro. Zur 64. Berlinale gibt es eine Festivaltasche aus recycelten Flaschen für 18,90 Euro. Neu im Sortiment des Berlinale-Shops sind ein Babyleibchen (14,90 Euro) und der Schnuller mit Bären-Logo (4,90). Das Festivalplakat ziert dieses Jahr nicht ein einzelner Bär, sondern ein ganzes Rudel. Die Optik erinnert an Tarn-Muster wie beim Militär.

dpa/seg