Einen schönen Menschen entstellt nichts? Nun, ja vielleicht entstellt es nicht, aber soll Mode nicht schöner machen, Vorzüge betonen? Während der Berlinale versuchten wieder zahllose Prominente sich auf dem roten Teppich, bei Feiern und Pressekonferenzen ins schönste Licht zu rücken – doch was nützte es, wenn so nur ein merkwürdiger Fummel zur Geltung kam? Manch einer und eine schien einfach keine Lust zu haben, sich etwas wirklich Schönes anzuziehen.Manch eine fand sich vielleicht tatsächlich in einem modischen Ungetüm schön, oder zumindest originell. Wieder andere sahen aus, als hätte ein Designer sie inständig gebeten, doch unbedingt sein Modell zu tragen – ganz gleich wie schlimm es aussah. Wer noch nicht allzu prominent ist, fühlt sich da wohl geschmeichelt und nimmt an.
Berlinale Jury-Präsidentin Tilda Swinton ist berühmt und bekannt dafür, dass sie kein Kleid für den roten Teppich kaufen muss, weil sie ihre Mode von befreundeten Designern geschenkt bekommt. Beim Anblick der Modelle lässt sich aber an der Freundschaft – oder am Geschmack der Schauspielerin - zweifeln: Zur Berlinaleeröffnung erschien sie in einem zart rosafarbenes Tüllkleid ohne jede Form am Oberkörper, zu Swintons roten Haaren und heller Haut schon farblich ein Albtraum. Es blieb nicht der einzige Missgriff, genau genommen sah Tilda Swinton nur einmal richtig gut aus, als sie in schwarzer Hose und Rollkragenpullover erschien.
Kurz nach Swinton lief Iris Berben über den Berlinale-Eröffnungsteppich in glänzendem Gold. So mancher zog den Vergleich mit einer Rettungsfolie. Warum zieht eine schöne Frau nur so etwas Merkwürdiges an – nur weil es von Prada ist?
Selbst die sonst immer ach so schicke Katarina Witt griff zur Berlinale daneben. Gut, soll sie in Hose, Jacke und mit Schal kommen, es war ja kalt und schließlich stand sie ja auch nicht so richtig im Rampenlicht. Filme dreht die einstige Eisprinzessin derzeit nicht. Doch was sollte dann auch noch diese riesige Handtasche? So schreitet eine Dame doch nicht über den roten Teppich. Kati Witt sah eher aus, als sei sie gerade vom Einkaufen am Potsdamer Platz gekommen und zufällig bei der Premiere von „Der Vorleser“ gelandet.
Klar, die Herren haben es letztlich leichter, die ziehen einfach einen dunklen Anzug an und fertig. Doch zur Pressekonferenz kam dann Schauspieler Ulrich Thomsen im Strickpulli und sein – zugegeben mit 18 Jahren noch sehr junger - Kollege David Kross in trendigen aber unpassenden Turnschuhen und Holzfällerhemd. Zu viel des Guten. Auch die Präsentation vor Journalisten samt Fotografen ist schließlich Teil des Festivals. Perfekt hingegen zu diesem Anlass: Kate Winslet. So sportlich und zugleich elegant soll man erst einmal in Hose und Blazer aussehen.
Damit kommen wir zum Positiven – denn es gab auch wirklich Schönes zu sehen auf der Berlinale. Herrliche Roben zu eleganten Frisuren, sportliche, dem Wetter angemessene Hosen, die mit den wehenden Kleidern der Kolleginnen durchaus mithalten konnten. Berlinale, das heißt zum Glück auch immer Augenweide. Perfekt gestylt war Schauspielerin Hannah Herzsprung. Ob im langen Schwarzen oder im kurzen Glitzernden – es stimmte alles. Da kann sich so manche ältere Kollegin ein Beispiel nehmen.
Schließlich gab es dann noch die Damen, die gut gekleidet waren – aber vergaßen, dass der Teppich nun einmal ROT ist. In einem pinkfarbenen Kleid kommt man da auf dem Foto einfach nicht zur Geltung. Bitte nächstes Mal beachten.
sh/cor




























