Regisseur ist ein sehr kindischer Job. So sieht das zumindest der Filmemacher Tom Tykwer: „Immer wieder sagt man zu Menschen: Ich will, ich will…“ Es war einer der letzten offiziellen Termine für die 350 Teilnehmer des Talent Campus und wieder war der große Saal im Hebbel am Ufer (HAU) ausverkauft. Der deutsche Filmregisseur ist spätestens seit „Lola rennt“ ein internationaler Star. Danach drehte er unter anderem „Heaven“ mit Cate Blanchett und „Das Parfüm“ mit Dustin Hofmann. Sein neuester Film „The International“ hat die Berlinale in diesem Jahr eröffnet und zugleich neue Maßstäbe im Thriller-Genre gesetzt – so äußerten sich zumindest viele Kritiker.

„Das Tolle war, dass bei meiner bisherigen Arbeit immer auch, dass die Menschen so nett waren, mir meine Wünsche zu erfüllen.“ Vielleicht spricht Tom Tykwer deswegen lieber von einem „wir“ und „uns“, wenn er von seinen bisherigen Projekten redet.

Der 43-jährige gebürtige Wuppertaler ist trotz aller Erfolge bescheiden geblieben. In Jeans und Pullover sitzt er auf dem Stuhl der Bühne im HAU und spricht am liebsten über sein Team, seine „Familie“, seine „Armee“. Als er erstmals den bekannten US-Filmproduzenten Harvey Weinstein getroffen hatte – er nennt ihn den „Miramax-Typen“ – da habe Tykwer ihm gesagt, dass er nicht ohne sein Team arbeiten könne. Formuliert hat er es so: „Ich bin die Hauptmahlzeit, kein Gewürz, dass man mit anderen Dingen mischen kann.“ Auch die Musik zu seinen Filmen hat er meist mit zwei Freunden zusammen komponiert. „’Die blassen Drei’ haben wir unsere Gruppe scherzhaft genannt“, sagte er. Und etwas blass ist er noch immer – trotz der Filmaufnahmen in Istanbul und Italien für „The International“.

Inzwischen, auch das ein Zeichen für seine Bescheidenheit, könne er auch von dem Geld leben, dass seine Filme erwirtschaften. Den ersten Großerfolg hatte er mit der „Lola“, wie er den Film mit Franka Potente kurz nennt. Passend zum Motto des diesjährigen Talent Campus „Wendepunkte“ kam dann die Frage auf, ob er denn „Lola rennt“ als seinen persönlichen Wendepunkt bezeichnen würde? „Nein“, sagt er. „Der Moment, in dem ich meinen ersten Film gemacht habe, das war ein Wendepunkt.“

Den internationalen Erfolg von „Lola“ erklärt er sich mit einer einfachen Theorie: „Die Menschen waren einfach erstaunt, dass ein Film mit deutschen Schauspielern in einer deutschen Stadt spielen kann – und nicht deprimierend ist.“ Für Tom Tykwer soll Film eben auch Spaß machen können. Und wenn er so etwas sagt, dann kann man sich gut vorstellen, dass er als 14-jähriger Kartenabreißer in einem Wuppertaler Kino ähnlich gedacht hat. Vielleicht reifte in den Momenten, wenn alle Zuschauer im Saal waren und das Licht ausging, erstmals der Gedanke: „Ich will, ich will…“