Festival

Intimes Gespräch zwischen Filmemachern und Publikum

Ein Best of der wichtigsten Festivals: „Around the World in 14 Films“ feiert Zehnjähriges. Und expandiert in die Kulturbrauerei.

Am 2. Dezember läuft „Louder than Bombs“ mit Isabelle Huppert und Gabriel Byrne.

Am 2. Dezember läuft „Louder than Bombs“ mit Isabelle Huppert und Gabriel Byrne.

Foto: Festival / BM

Um die Welt zu erkunden, muss man nicht unbedingt in ein Flugzeug steigen. Man kann es sich auch in einem Kinosessel bequem machen, um in fremde Länder und Kulturen zu reisen. Vorausgesetzt, das Programm stimmt und die Perspektive besteht nicht nur aus den eskapistischen Universen der Fantasy-Blockbuster.

Einer, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Berlinern jedes Jahr eine Weltreise durch das Kinoschaffen des Jahres zu bieten, ist Bernhard Karl. Sein Festival „Around the World in 14 Films“ feiert mit der am Freitag beginnenden Ausgabe sein 10-Jähriges. Und man muss es neidlos anerkennen: Eine solche Konzentration an Filmkunst und Kinogrößen gibt es in Berlin sonst allenfalls zur Berlinale.

Lauter Berlin-Premieren

Es ist eine Art Best Of, auf dem Programm stehen die Highlights der wichtigsten Festivals in Cannes, Venedig, Locarno und Toronto. Filme aus allen Erdteilen, von Norwegen über Israel bis Taiwan. Und es liest sich wirklich wie die Essenz des Jahres, was hier in zehn Tagen zu sehen ist, wobei „Around the World“ ausschließlich Berlin-Premieren zeigt, Wochen, ja Monate, bevor sie regulär ins Kino kommen.

Das Festival unterscheidet sich aber noch durch eine Besonderheit von den großen Geschwistern: Jeder Film hat einen Paten aus der deutschen Filmbranche, um ihn zu präsentieren. Und sie tun das offensichtlich gern. So kommt Schauspielerin Nicolette Krebitz zum morgigen Eröffnungsfilm „Der Wert des Menschen“ und wird sich auf der Bühne mit Hauptdarsteller und Cannes-Gewinner . gera

Nina Hoss wird das grandiose Liebesdrama „Carol“ mit Cate Blanchett und Rooney Mara als Frauenpaar im New York der 50er-Jahre vorstellen, die Berliner „Tatort“-Kommissarin Meret Becker begrüßt zur Premiere des Dramas „Sand Dollars“ aus der Dominikanischen Republik am Sonnabend die Hauptdarstellerin Geraldine Chaplin.

Am Sonntag stellt „Heil“-Regisseur Dieter Brüggemann den kolumbianischen Schamanenfilm „Die Umarmung der Schlange“ vor. Zahlreiche international gefeierte Regisseure konnten gewonnen werden, vom Goldenen-Palmen-Gewinner Apichatpong Weerasethakul („Cemetary of Splendour“) aus Thailand bis zu Miguel Gomes aus Portugal, der sein sechsstündiges Triptychon „Arabian Nights“ persönlich vorstellen wird.

So soll wie in den vergangenen Jahren ein intimes Gespräch entstehen zwischen Filmemachern, Paten und dem Publikum, das herzlich eingeladen ist, selbst Fragen zu stellen. „Und wenn das länger als 20 Minuten dauert, setzen wir es einfach im Foyer fort“, erklärt Karl.

Ihm geht es um den ungezwungenen Austausch, der ihm bei den großen Vorbildern fehlt. Er hat „Around the World“ vor neun Jahren gegründet und versteht es als Festival mit Eventcharakter, „den Begriff Filmreihe empfinde ich als Beleidigung.“ Wobei es „ohne Übertreibung jedes Jahr ein Überlebenskampf“ sei, es auf die Beine zu stellen, wie er zugibt.

„Wir wollen wachsen“

Das Budget ist erschreckend gering, seine „Privatinitiative von Cineasten“ erhält bis heute nur vom Auswärtigen Amt einen Zuschuss, um Filmemacher einladen zu können. Trotzdem entwickeln er und sein Team das Festival Jahr für Jahr weiter. Zum Jubiläum gibt es einen neuen Veranstaltungsort.

Bislang residierte das Filmfest im Babylon Mitte, mit dem Wechsel in die Kulturbrauerei erhofft man sich, neben den Cineasten auch stärker ein bildungsbürgerliches Publikum anzusprechen, das er in der alten Spielstätte oft vermisst hat. Der Festivalleiter ist zuversichtlich: „Wir wollen wachsen.“

10. Festival Around the World in 14 Films. Kino in der Kulturbrauerei, 27.11. – 6.12. www.14films.de