Neu im Kino

Trap, Trap, ich schock’ Dich jetzt ganz doll

Diesmal ohne Ethan Hawke und diesmal ohne jeden Grusel: Der Horrorfilm „Sinister 2“ kommt nicht an seinen Vorgänger heran.

Gruselort Keller: Sohn Dylan flieht vor einem unsichtbaren Verfolger

Gruselort Keller: Sohn Dylan flieht vor einem unsichtbaren Verfolger

Foto: Elizabeth Morris / dpa

Eberhard von Elterlein

Pardautz, da lag Ethan Hawke auf dem Boden. Niedergestreckt vom vergifteten Kaffee seiner Tochter, die den taumelnden Vater mit Super-8-Kamera filmte und anschließend den Tod ihrer ganzen Familie per Axt beschleunigte.

Dann nahm Bughuul, der Dämon mit der weißen Maske, die kleine Ashley auf die Arme und trug sie ins Totenreich zu den anderen Geisterkindern, die ebenso zuvor ihre Familien brutal ausgelöscht und diese Gräueltaten mit zappeligen Super-8-Filmen dokumentiert hatten.

„Sinister“ ließ uns 2012 gehörig schaudern. Auch wenn wir nie verstanden haben, warum Ethan Hawke als Schriftsteller Ellison Oswalt seine Familie ausgerechnet in einem einsamen Haus, in dem einst ein Mord stattgefunden hatte, in Gefahr brachte, war es doch ein gruseliger Spaß, wie das Böse nach und nach Besitz von dieser unschuldigen Familie nahm:

Mit nachtwandelndem Sohn und Filmprojektoren, die nachts von alleine ansprangen, mit Zappelbildern an Bäumen aufgeknüpfter Familienmitglieder und einem unerträglich lauten Techno-Beat, der im Ohr wühlte und bohrte.

Flucht vor dem bösen Ehemann

„Sinister 2“ gruselt uns leider nicht. Denn das Böse ist in der Fortsetzung des Überraschungserfolgs (80 Millionen Dollar Einspielergebnis) mittlerweile auch in die Zivilwelt eingekehrt. Es ist der böse Ehemann Clint (Lea Coco), der Courtney (Shannyn Sossamon) mit ihren Zwillingssöhnen Dylan und Zach in ein einsames, natürlich verfluchtes Haus in Illinois als Versteck treibt.

Es sind furchteinflößende Polizisten, mit deren Hilfe sich Clint das Sorgerecht für seine Söhne erstreiten will. Und es ist der ältere Zwilling Zach, der den zarten Dylan zunehmend terrorisiert, weil nur der die Geisterkinder sehen kann, die ihn des nachts in den Keller locken, böse zappelige Filme zu gucken: Von Familien, die von Alligatoren gefressen oder lebendig im Schnee eingegraben werden.

Störende Perspektivwechsel

Richtig beängstigend ist da nur das dramaturgische Loch, in dem irgendwo die Motivation für die plötzliche Wandlung des bösen Bruders verloren gegangen ist. Oder die Idee, dass „Ltd. So & So“ („Wire“-Star James Ransone), der als wissbegieriger Deputy durch den ersten Teil taperte, nun als Privatdetektiv Courtney und Söhne retten will, aber immer dann verschwinden muss, wenn das irdische (der Kinderklauer Clint) und das jenseitige Böse (der Kinderseelenfresser Bughuul) auftauchen.

So taumelt der Film unentschlossen zwischen diversen Perspektiven (hier die Kinder, dort der Detektiv) hin und her. Lebte „Sinister“ noch von seiner klaren Struktur (das Gute wird langsam vom Bösen zerstört) und atmosphärischer Dichte, verheddert sich die Fortsetzung in Verweisen, Vorgeschichten und kurzen Schockmomenten, die aber mit derart lautem Trapsen durch den Keller kommen, dass sie keinen mehr überraschen.