Nachruf

Der Mann, den die Vögel jagten - Rod Taylor mit 84 gestorben

Der Hollywoodstar wurde vor allem mit zwei Filmen berühmt: „Die Zeitmaschine“ und Hitchcocks „Vögel“. Seine letzte Rolle spielte er in Tarantinos „Inglourious Basterds“. Nun ist er gestorben.

Foto: Universal / picture-alliance / Mary Evans Pi

Seinen letzten großen Auftritt hatte er der Überredungskunst eines wahren Filmfans zu verdanken. Quentin Tarantino nahm 2008 Kontakt zu Rod Taylor auf und wollte, dass dieser für seinen Kriegsfilm „Inglourious Basterds“ Winston Churchill spielte. Taylor wollte nicht. Er hatte längst mit der Schauspielerei abgeschlossen und schlug seinen Kollegen Albert Finney vor: Der habe den britischen Premier doch schon sechs Mal gespielt. Aber Tarantino ließ nicht locker. Der Regisseur hatte schon gegen den Willen des US-Studios Christoph Waltz durchgesetzt. Er konnte schließlich auch Rod Taylor überreden.

Es war ein letztes, aber prägnantes Wiedersehen mit dem Star von einst. Nun ist der australische Schauspieler tot. Wie erst am Freitag bekannt wurde, starb Taylor bereits am 7. Januar, nur vier Tage vor seinem 85. Geburtstag, an einem Herzinfarkt in seinem Haus in Los Angeles.

Zwei Rollen machten ihn berühmt

Rod Taylor wird vor allem durch zwei Filme nicht nur Filmnerds wie Tarantino in Erinnerung bleiben. In der H.-G.-Wells-Verfilmung „Die Zeitmaschine“ (1960) spielte er jenen Erfinder, der ein seltsames, oldtimerartiges Gerät mit lustigen Hebeln bestieg und damit in die Zukunft fuhr. An das Remake von 2002 kann sich kaum jemand erinnern, da wurde nur alles in Spezialeffekte gesetzt. So niedlich aber heute die Tricks im alten Film wirken: An die fabelhafte Fabel erinnert sich jeder. Und an den Mann, der am Ende sein altes Leben aufgibt und sich für die ungewisse Zukunft entscheidet.

Drei Jahre später heuerte ihn Alfred Hitchcock für „Die Vögel“ an. Taylor war eine ungewöhnliche Wahl. Hitch hatte zuvor meist mit James Stewart oder Cary Grant gearbeitet. Aber „Die Vögel“ war ja auch sein ungewöhnlichstes Werk. Ein verstörendes Drama, bei denen die Schauspieler ständig mit Vogelfutter überschüttet wurden, damit sie möglichst effektiv von Vögeln „angegriffen“ wurden. Dabei sind diese Attacken nur vordergründig. Eigentlich erzählte der Master of Suspense eine seltsam ödipale Mutter-Sohn-Geschichte, in der ein längst erwachsener Mann (Taylor) noch immer unter der Fuchtel seiner herrischen Mutter (Jessica Tandy) steht. Bis er sich in eine Frau (Tippi Hedren) verliebt. Dafür brauchte es ein echtes Mannsbild. Wie Taylor.

Ein Mann für die 60er-Jahre

Rod Taylor war ein untypischer Hollywoodstar. Er war in Sidney geboren und feierte seine ersten Erfolge in Australien. „Der Schatz der Korsaren“ (1954) war einer der erfolgreichsten australischen Filmen jener Jahre. Danach nahm Hollywood ihn fast unbesehen unter Vertrag. Das hat er später oft schmunzelnd erzählt: „Sie erwarteten wohl eine Kreuzung aus Marlon Brando und Rock Hudson. Als ich aber aus dem Flugzeug stieg, sind den Vertretern des Filmstudios erst mal die Gesichtszüge entgleist.“ Die schiefe Nase, der australische Akzent, das war nicht eben star-like. Das schreckte Taylor aber nicht ab. Im Gegenteil: „Ich dachte: Toll, die mögen mich nicht. Also bleibe ich.“

Er musste sich durch etliche Romanzen und Abenteuerfilme schlagen. Doch erst „Die Zeitmaschine“ katapultierte ihn in die A-Liga. Die 60er-Jahre waren seine Hochphase. Er spielte Heldenrollen in Western, Kriegs- und Piratenfilmen, aber auch in Komödien mit Jane Fonda oder Doris Day. Als das Studiosystem zusammenbrach, traf das auch seine Karriere. „Planet der Affen“ ging 1968 nicht an ihn, sondern an Charlton Heston. Eine seiner letzten großen Filme war Michelangelo Antonionis Anarchofantasie „Zabriskie Point“ (1970), wo am Ende alles in die Luft geht.

Spätphase im Fernsehen

Damit war auch seine Karriere praktisch am Ende. In den 70ern waren im Kino andere Stars, war ein anderes Männerbild gefragt. Taylor wich aufs Fernsehen aus, etwa in der Serie „Falcon Crest“, und zog sich zunehmend zurück. Er tat dies ohne Verbitterung. „Irgendwann ist man halt auf dem absteigenden Ast“, meinte er 1987, „und es gibt jede Menge junger, gut aussehender Schauspieler, die deinen Platz einnehmen können.“ „Die Vögel“ und „Die Zeitmaschine“ werden bleiben. Seine wohl reifste Leistung aber, der Dichter Sean O’Casey im Biopic „Cassidy, der Rebell“, die kennen heute wirklich nur noch eingefleischte Cineasten wie Tarantino.