Es hat immer etwas Makabres, wenn beliebte Schauspieler gestorben sind und dann noch Monate später die letzten Filme mit ihnen starten. Besonders makaber wird es, wenn es in diesen letzten Filmen, die an sich ja schon so etwas wie ein unterschwelliges Vermächtnis bilden, dann auch noch um den Tod selbst geht. Und wie der Zufall – oder aber ein ausgefuchster Marketingstratege – das so will, gibt es diese Woche nun gleich die letzten beiden Filme mit Robin Williams zu sehen.

Der dritte „Nachts im Museum“-Ableger mit dem Untertitel „Das geheimnisvolle Grabmal“ kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos. „The Angriest Man in Brooklyn“, sein vorletzter Film, hat es nicht auf die große Leinwand geschafft, ist aber bereits am 12. Dezember auf DVD erschienen. Ein zweimaliges Wiedersehen also mit dem großen Komiker, der sich im August das Leben genommen hat.

Die letzte Rolle ist nur eine Nebenrolle

Dass „Nachts im Museum“ sein allerletzter Film ist, hat etwas Tragisches. Die irrwitzigen Museenabenteuer gehören zwar kommerziell zu seinen erfolgreichsten Titeln, aber Williams spielt darin nur eine Nebenrolle. Die drei Teile sind alle Star-Vehikel für Ben Stiller, der in einem New Yorker Museum für Nationalgeschichte angestellt ist, in der Nacht für Nacht sämtliche Exponate, vom Dinosaurierskelett bis zur Wachsfigur von Theodore Roosevelt, zum Leben erwachen. Im zweiten Teil wanderten die Exponate ins Nationalarchiv von Washington, im dritten geht die Reise noch weiter nach London ins British Museum. Wieder sind auch die Stars Owen Wilson, Steve Coogan und Mickey Rooney dabei, außerdem gibt es noch Gastauftritte von Ben Kingsley und Hugh Jackman.

Aber Williams, der wieder den wachsweichen Roosevelt gibt, hat in diesem Nonsensspaß ein paar berührende Szenen, die sich im Wissen um seinen Tod kurz nach den Dreharbeiten ganz anders anschauen. Die magische Tafel, die die Ausstellungsstücke zum nächtlichen Leben erweckt, soll am Ende nämlich in London bleiben. Das heißt aber für alle Exponate, die zurück in die Staaten kehren, das sichere Ende.

Ein berührender letzter Satz

Bedeutungsschwanger klingt denn auch Williams’ Vers aus Shakespeares „Heinrich V.“, den er schon einmal im „Club der toten Dichter“ rezitiert hat: „Noch einmal stürmt, noch einmal, Freunde“? Sein Roosevelt stellt zwischendurch immer mehr fest, wie ihm die Arme starr werden, wie das Leben langsam aus ihm schwindet. Die größte Gänsehaut bereitet der Moment, wenn der Präsident beim ersten Morgenstrahl zum letzten Mal sein Pferd besteigt, um mit diesem zum Monument zu versteinern. In sicherem Wissen um sein Aus blickt er noch einmal zu Ben Stiller und muntert ihn auf: „Lächeln, mein Freund! Die Sonne geht auf!“ Dabei versteinert sein berühmtes Lächeln, das viele schon zu Lebzeiten immer auch als Schutzmaske gesehen haben, gänzlich. Es ist seine allerletzte Dialogzeile, einen treffenderen Abschied ins Pantheon des ewigen Ruhms hätte sich kein Filmstar ausdenken können.

Noch viel mehr freilich muss man in „The Angriest Man in Brooklyn“ schlucken, ein kleiner Independent-Film, der keinen deutschen Verleih gefunden hat, aber doch durch und durch ein Williams-Film ist. Der Komiker spielt darin einen Mann, der nach dem Verlust eines Sohnes zum ewigen Grantler wurde und von keinem gelitten wird. „Du bist tot!“, beschimpft ihn gleich zu Beginn ein Taxifahrer. Und weil er in einem Krankenhaus auch die diensthabende Ärztin (Mila Kunis) tyrannisiert, stellt die nicht nur die richtige Diagnose eines Hirnaneurysmas, sondern erfindet eine böse Frist: Er habe nur noch 90 Minuten zu leben. Auf die absurde Zahl kommt sie durch ein Truthahnrezept.

Selbstmordversuch auch im Film

Williams’ Figur Henry Altman aber, das funktioniert so nur in Komödien oder doch Tragikomödien, glaubt ihr aufs Wort. Irrt durch New York, um sich noch von seiner Frau, seinem Sohn zu verabschieden, auch wenn die längst mit ihm abgeschlossen haben, hinterlässt Videobotschaften („Wenn du das siehst, bin ich tot“), und unternimmt, da schaudert es einen wirklich, sogar einen Selbstmordversuch. Zuletzt klärt sich natürlich alles auf. Aber es folgt kein klebrigsüßes Happy End: Williams’ Altman stirbt wirklich, hat aber noch ein paar Tage, um sich von allen zu verabschieden, bevor seine Asche im East River verstreut wird.

Im wahren Leben hat Robin Williams nur einen Abschiedsbrief hinterlassen. Und sich, nach jahrelanger Depression und einer Parkinson-Diagnose, nur wenige Tage nach seinem 63. Geburtstag, in seinem Haus erhängt. Seine Asche wurde im Pazifischen Ozean verstreut. Wenn du das siehst, bin ich tot: Die beiden Filme bieten nun eine seltsame Möglichkeit, sich in vollem Bewusstsein von ihm zu verabschieden.