Kommentar

Mit dem Museum der Moderne ist Berlin der Gewinner

Der Bund will in Berlin für 200 Millionen Euro das „Museum der Moderne“ bauen. Das zeigt auch: Ja, Berlin hat eine herausragende Stellung im föderalen Deutschland, meint Matthias Wulff.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Nach den Tagen um den 9. November, in denen so viel über Geschichte gesagt und geschrieben wurde, ist in Berlin eine historische Entscheidung gefallen. Dass der Haushaltsausschuss den Bau eines Museums der Moderne kurz nach dem Mauerfall-Jubiläum beschließt, ist nur eine Koinzidenz. Aber sie belegt den Stellenwert, den Berlin im Bund heute hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Nicht vergessen sind die Debatten, ob und wie weit Berlin eine herausragende Stellung im föderalen Deutschland haben sollte. Der Bund hat sich entschieden, und die Stadt ist der Gewinner.

Die 200 Millionen Euro, die der Bund nun für den Neubau bereitstellt, lösen mehrere Probleme. Berlin bekommt endlich einen Platz für die Kunst des 20. Jahrhunderts und füllt eine seltsame Leerstelle in der Museumslandschaft, die ansonsten genügend Platz für antarktische Knochen, flämische Blumenmalerei und performative Interventionen bereitstellt. Zweitens gehen die Gemälde der Sammler Pietzsch, Marx und Marzona der Stadt nicht wie befürchtet verloren. Und der neue Bau löst – hoffentlich – den städtebaulichen Missstand an der Potsdamer Straße. Hier ist der Bund eingesprungen, nachdem alle Berliner Verantwortlichen über Jahrzehnte nicht in der Lage waren, aus dem Kulturforum einen freundlichen Platz zum Verweilen zu machen. Nur schnell weg hier, das ist bislang der erste Gedanke, wenn man Philharmonie oder Nationalgalerie verlässt.

Grütters tollkühnes Projekt wird plötzlich Realität

Monika Grütters kennt ihre Berliner Pappenheimer und weiß, dass diese noch ein weiteres Jahrzehnt ergebnislos diskutiert hätten. Sie hat sich, seitdem sie seit knapp einem Jahr Staatsministerin für Kultur ist, für eine Umgestaltung des Kulturforums ausgesprochen. Von außen betrachtet machte das eher einen tollkühnen Eindruck, weil jeder, der dort tatendurstig Änderungen versprach, als Verlierer endete. Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, deren Verantwortliche doch Feuer und Flamme hätten sein sollen, beäugte den Vorstoß Grütters mit einiger Skepsis.

Doch innerhalb kurzer Frist hat sie für die Finanzierung für den Neubau gesorgt. Sie beweist, dass der oberste Kulturverantwortliche – der Seitenhieb auf Vorgänger Bernd Neumann muss jetzt sein – mehr leisten sollte, als Jahr für Jahr mehr Mittel für die Kultur zu besorgen. Allein aus diesem Grund konnte man sich auf eine Kulturstaatsministerin mit Visionen freuen. Dass sie ihre Visionen auch noch zu realisieren vermag, ist mehr als man zu träumen wagte.