Barbara Hendricks

Ministerin befürchtet zu wenig Spenden für Berliner Stadtschloss

Bundesbauministerin Hendricks hat vor einem möglichen Spendenloch bei der Finanzierung des Berliner Schlosses gewarnt. Stiftung, Förderverein und Architekt bleiben hingegen gelassen.

Foto: www.sbs-humboldtforum.de

Die Gründungsarbeiten sind abgeschlossen, die Rohbauarbeiten weit fortgeschritten – der Wiederaufbau des Berliner Schlosses liegt laut offizieller Einschätzung von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) „voll im gesetzlichen Kosten- und Terminrahmen“. So steht es zumindest in einer Mitteilung der Ministerin an den Bauausschuss im Bundestag, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Und wer dieser Tage an der Baustelle entlang läuft, kann sehen, wie das lange umstrittene Projekt in die Höhe wächst. Doch eine Randbemerkung der Ministerin im Kontext ihrer Ausführungen zu Deutschlands größtem Kulturprojekt sorgt jetzt für Irritationen.

In ihrem Schreiben betont die SPD-Politikerin: „Risiken bestehen hinsichtlich der rechtzeitigen Verfügbarkeit von Spenden.“ Von den zugesagten 80 Millionen Euro Spendengeldern für die historischen Fassaden seien bisher erst etwa 20 Millionen Euro eingegangen, heißt es weiter in dem Schreiben an die Vorsitzende des Bauausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), die das Problem im Bundestagsausschuss thematisieren will.

„Es gib keinen Anlass zur Sorge“, sagt hingegen Wilhelm von Boddien. Der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss zeigte sich am Montag erstaunt über den Wirbel, den die Bemerkung der Bauministerin verursacht hat: „Frau Hendricks ist schon seit neun Monaten im Amt und hat nicht einmal bei uns nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist“, so Boddien spürbar verärgert.

Die Stiftung verzeichne mittlerweile bei den Spenden Steigerungsraten, „angesichts derer wir nur in die Hände klatschen können“, gibt sich der Schloss-Unterstützer erwartungsgemäß optimistisch. So seien im ersten Halbjahr 2014 bereits 8,1 Millionen Euro Spenden eingegangen. Zum Vergleich verweist Boddien auf das Jahr 2011. „Da erhielten wir insgesamt an die 2,5 Millionen Euro.“

„Was soll ich dazu sagen?“

Die Spendensumme betrage zudem nicht wie behauptet 20 Millionen Euro, sondern mittlerweile fast 24 Millionen Euro. Zudem habe der Verein für weitere zehn Millionen Euro Sachleistungen erbracht, etwa Baupläne und Schmuckelemente. „Wir sind deutlich weiter, als die Unterstützer der Dresdner Frauenkirche zu diesem Bauzeitpunkt waren.“

Auch bei der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum verfolgt man die aktuelle Debatte um die Spenden eher gelassen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die erforderlichen Spenden bekommen“, sagt Sprecher Bernhard Wolter. Die Aufregung um das erwähnte Risiko könne er nicht nachvollziehen. Denn, so der Sprecher, ein solches Risiko bestand und bestehe letztlich immer. „Das ist doch nichts Neues. Aber wir sind guter Dinge. Wenn wir ein Jahr nach der Grundsteinlegung schon fast 24 Millionen Euro an Spenden erhalten haben, werden wir jetzt, wo das Bauwerk sichtbar in die Höhe geht, sicher weiter vorankommen.“ Optimistisch gibt sich auch Schloss-Architekt Franco Stella: „Es läuft alles gut und nach Plan“, sagt der Italiener der Berliner Morgenpost. Auf die Spendenproblematik angesprochen, weicht Stella allerdings aus: „Was soll ich dazu sagen?“ Er sehe das natürlich genauso wie die Stiftung und Wilhelm von Boddien.

Die Kosten für das Schloss sind mit 590 Millionen Euro veranschlagt, von denen der Bund 478 Millionen Euro und das Land 32 Millionen Euro übernehmen sollen. Der Förderverein Berliner Stadtschloss hat zugesagt, 80 Millionen Euro Spenden für die barocke Fassadengestaltung einzuwerben. „Bis 2019 haben wir das Geld zusammen“, so Boddien.

Bärbel Höhn glaubt jedoch nicht, dass die Finanzierungslücke beim Stadtschloss geschlossen wird. „Es spendet doch niemand, wenn bekannt ist, dass der Bund ohnehin am Ende einspringt“, sagte die Grünen-Politikerin am Montag. „Die Bundesregierung wird im Ausschuss Farbe bekennen müssen, wo ihre Ausgabenprioritäten liegen: bei teuren Fassaden für einzelne Prachtbauten oder bei einer Politik des bezahlbaren, klimafreundlichen Wohnens für alle.“