Musikalische Fusion

Avishai Cohen - Jazz aus Israel hat viele Gesichter

Seit er von Chick Corea entdeckt wurde, zählt Avishai Cohen zu den gefragtesten Kontrabassisten im Jazz. Der Israeli bietet spannende Projekte wie jetzt zum Abschluss der Jüdischen Kulturtage Berlin.

Foto: pa/Jazz Archiv/Markus Lubitz / picture alliance / Jazzarchiv

Vor zwei Jahren sorgte Avishai Cohen für einen fulminanten Auftakt der Jüdischen Kulturtage. Wer damals für das Konzert in der Synagoge Rykestraße Karten ergattert hatte, durfte sich glücklich schätzen, denn das Publikumsinteresse an dem weltberühmten Kontrabassisten war riesig. Einen ähnlichen Andrang wird man wohl auch dieses Jahr, wenn der Star aus Israel zum Abschlusskonzert des Festivals bittet.

Neues Projekt mit Streichern

Cohen begeistert eben nicht nur den harten Kern der Jazz-Liebhaber. Seine Musik hat viele Gesichter. Trat er beim letzten Mal mit einem Jazz-Trio (Piano, Bass, Schlagzeug) in der Rykestraße auf, so stellt er nun sein Projekt mit Streichern vor, mit dem er gerade die neue Platte „Almah“ veröffentlichte. Ein Streichquartett, bei dem jedoch statt der zweiten Violine eine weitere Bratsche spielt, plus Oboe, Klavier und Schlagzeug sowie natürlich Cohen am Bass führen anscheinend in klassische Gefilde. Doch wie bei der Jazz-Besetzung integriert Cohens Musik auch mit seinem Kammerorchester Einflüsse diverser Kulturen: vom „American Songbook“ über die europäische Kunstmusik zu den Klangfarben des Nahen Ostens. In „Arab Medley“ etwa erinnert der Streichbass an die arabische Laute, die Oud.

Betörend schöner Gesang

Wer bei „Almah“ den treibenden Beat früherer Projekte vermisst, sei daran erinnert, dass seit jeher ein lyrisches Element Cohens Kompositionen prägte. Betörend schön ist zudem sein Gesang beim letzten Stück des Albums, dem hebräischen Song „Kumi ve netzeh hasadeh“ (Stehe auf und gehe aufs Feld). Wichtig ist dem Musiker, was er in einem Interview über sein String-Projekt einmal „The Unknown Space“ nannte: dass der Hörer genug Raum erhält für seine eigenen Assoziationen. Doch natürlich ist „Almah“ auch so etwas wie die Quintessenz aus Cohens bisherigem Schaffen.

Muscheln auf den Klaviertasten

In Shoeva, einem kleinen Ort nahe Jerusalem, kam Avishai Cohen 1970 zur Welt. Die Mutter machte ihn mit Bach und Mozart ebenso vertraut wie mit Ladino-Gesängen, der Vater mit israelischen Volksliedern. Auf dem heimischen Klavier fing der Junge früh an zu klimpern, angeblich markierte er die Tasten mit Muscheln, um sich die Melodien zu merken. Seine ersten Klavierstunden erhielt er mit zehn. Nachdem die Familie vier Jahre später vorübergehend in die USA gezogen war, wechselte Cohen, fasziniert vom Jazz-Bassisten Jaco Pastorius, das Instrument. So zupfte er während des Militärdienstes in Israel die dicken Saiten für diverse Armee-Bands und studierte danach Kontrabass in Jerusalem.

Sideman für viele berühmte Musiker

Zu Beginn der 1990er Jahre zog es den Musiker nach New York. Den Großen der Jazzwelt wollte er möglich nahe sein. Seine eigene Karriere begann in der Band des Latin-Pianisten Danilo Pérez. Der eigentliche Durchbruch war zweifellos aber die Entdeckung durch Chick Corea, der den Bassisten in seine Formation holte. „Die beste Schule, die man als Bandmusiker erfahren kann“, so Cohen im Rückblick.

Zahllose Stars aus Jazz und Pop wie Bobby McFerrin, Herbie Hancock, Wynton Marsalis oder Alicia Keys setzten auf die Dienste des Bass-Virtuosen, doch daneben brachte er höchst erfolgreich eigene Platten heraus. Auf seinem Album „Aurora“ begeisterte er 2009 erstmals auch als Sänger. 2013 erhielt Cohen in Deutschland als „bester internationaler Bassist des Jahres“ den Echo Jazz Preis. Ein Würdigung für sein solistisches Können am Instrument, aber auch für den multikulturellen Aspekt seiner Tätigkeit als Komponist.

Das Streicher-Projekt, das er beim Festival präsentiert, ist laut Cohens Aussage nur eine Zwischenstufe. Spätestens in zwei Jahren will er Stücke für großes Orchester präsentieren.

Synagoge Rykestraße, 14. September, 20 Uhr

Foto: Jazz Archiv/Michi Reimers / picture alliance / Jazzarchiv