Konzert

Beethoven und Mozart sind Höhepunkte beim Classic Open Air

Das musikalische Niveau am dritten Abend des Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt wurde schlagartig gehoben, als das Orchester nicht mehr zu den ewigen Mozart-Evergreens zwangsverpflichtet war.

Foto: DAVIDS/Darmer / DAVIDS

Viele Klassik-Sommerveranstaltungen in Berlin zeigen regelmäßig, dass ein populäres Programm und dessen Vermittlung auf hohem Niveau sich keineswegs ausschließen müssen. Bei Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt gewinnt man am dritten Abend der diesjährigen Ausgabe einen anderen Eindruck. Damit ist gar nicht gemeint, dass die Anhaltinische Philharmonie Dessau Mozarts „Don-Giovanni“-Ouvertüre weitaus unter ihren spielerischen Möglichkeiten präsentiert.

Die anfänglichen langsamen, gegeneinander gesetzten Rhythmen der Streicher sind anfällig für Anfangsnervosität. Doch weshalb muss der Pianist Heinz Walter Florin zu Beginn gleich einmal sämtliche Klischees über den Komponisten bemühen – „Wunderkind“, „Leben auf der Überholspur“, „es floss ihm alles aus der Feder“? Gerade weil viele Menschen heute kein Instrument mehr gelernt haben, weil sie von Haus aus keinen Zugang zu klassischer Musik haben, kann man Musikvermittlung heute an Hochschulen studieren. Für einen Abend vor 4900 Besuchern sollte man sich unter solchen Profis vielleicht einmal umschauen.

Wie ein Mann im falschen Film wirkt der namhafte Klezmer-Klarinettist Giora Feidman, dessen brüchig näselnder Ton in dem Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert keineswegs als charismatisches Stilmerkmal, sondern als störende Marotte wirkt. Dass er das Publikum mitsingen lässt, hilft der Eindrücklichkeit der Musik nicht auf die Sprünge.

Das musikalische Niveau wird schlagartig gehoben, als das Orchester unter Generalmusikdirektor Antony Hermus nicht mehr zu den ewigen Mozart-Evergreens zwangsverpflichtet ist: In Mozarts kurze Konzertarie „Exsultate, jubilate“, gesungen von der jungen Sopranistin Guibee Yang, sitzen die Dessauer plötzlich hörbar auf der Stuhlkante. Aus Mozarts „Nozze di Figaro“, Haydns „Il mondo della luna“ und Beethovens „Fidelio” werden unverbunden Arien und Ensembles gespielt und von hervorragenden Solisten gesungen, so dass man sich den Kostüm-Mummenschanz, der die Handlung und die Affekte nicht im mindesten erklärt, eigentlich sparen könnte.

Musikalische Höhepunkte sind Mozarts Lodron-Konzert für drei Klaviere, gespielt von der Hanns-Eisler-Klavierprofessorin Birgitta Wollenweber und zwei ihrer Studentinnen sowie Leonores große Arie aus „Fidelio“, gesungen von Naja Stefanoff vom Theater Bremen, mit präzise fokussiertem Ton.