Ridley Scott hatte noch nie etwas von H.R. Giger gesehen, geschweige denn seinen Namen gehört. Aber als er 1979 in Hollwyood mit dem Studio über den Film „Alien“ brütete und darüber, wer wohl das Monster dort kreieren sollte, legte irgendwann Drehbuchautor Dan O’Bannon Gigers Buch „Necronomicon“ auf den Tisch. „Und ich fiel fast vom Stuhl“, wie Scott damals erzählte. „Ich sagte: ‚Das ist es. Wozu weiter suchen?‘ Noch nie in meinem Leben war ich mir über etwas so sicher.“

Der Rest ist Filmgeschichte. „Alien“ war 1979 einer der größten Kinohits. Das lag schon auch daran, dass Ridley Scott auf eine Frau in der Hauptrolle setzte. Die Gleichberechtigung war auch der Science-Fiction geschuldet. Es lag aber vor allem an dem Schockmoment, wenn aus dem Bauch eines Astronauten plötzlich ein bluttriefender Wurm herausspritzt. Und zu einem riesenhaften Ungetüm mutiert. 1980 bekam H.R. Giger dafür den Oscar für die besten Spezial Effekte. Und sein „Brustzertrümmer“ wurde nicht nur eine der beliebtesten Figuren auf Halloween-Partys, seine Monster wurden stilbildend im Bereich der Art Direction. Giger wirkte selbst an späteren „Alien“-Fortsetzungen und Horrorfilmen wie „Poltergeist II“ und „Spheres“ mit, wurde aber auch munter von anderen Filmemachern kopiert.

Den Brotberuf gab er nie auf

Das war dem Schweizer Apothekersohn, der 1940 in Chur geboren wurde, sicher nicht an der Wiege gesungen wurden. Hansruedie Giger, der später den Vornamen auf zwei Initialen reduzierte, studierte Architektur und Industriedesign in Zürich und etablierte sich als Designer, auch für eine Möbelfirma. Doch Giger litt unter Alpträumen. Und hatte immer einen Block neben dem Bett liegen, um sie aufzumalen. So bekam er sie aus seinem Kopf. Und wurden zu seinem eigenen Metier. Auch wenn er seinen „Brotberuf“ nie ganz aufgab und bis zuletzt auch Möbel entwarf.

Aber berühmt wurde er eben für seine surreal-phantastischen Skulpturen und Bilder, eine Verschmelzung von Mechanisch-Technischem mit Kreatürlichen, für die er selbst die Bezeichnung „Biomechanoiden“ schuf. Fantasy-Künstler, so Ridley Scott, habe es viele gegeben, aber niemand sei so überzeugend gewesen wie Giger. Nicht weil sie so phantastisch, sondern im Gegenteil: weil sie so real wirken würden.

Ein eigenes Museum in einem Schloss

So kann man sich erfolgreich Ängste abgewöhnen. Und damit berühmt werden. Giger war der Mann zum Fürchten. Sein Ruf ging weit über das Kino und die Kunstszene hinaus. 1988 entstand in Tokio die erste Giger-Bar, 1992 in seiner Geburtsstadt die zweite. Und der New Yorker Club „The Limelight“ offerierte bis zu seiner Schließung den „HR Giger Room“. Nur in den ganz großen Museen wurde er gern übersehen. Weswegen er kurzerhand ein Schloss im freiburgischen Greyerz kaufte und zum H.R. Giger Museum umbauen ließ.

Nun ist der stilbildende Künstler mit 74 Jahren völlig überraschend in Zürich gestorben. Giger erlag im Krankenhaus den Verletzungen nach einem Sturz.