So ein Wohnungstausch hat seine Tücken. Besonders dann, wenn nicht alle von der Sinnhaltigkeit dieser Maßnahme überzeugt sind. So wie Sebastian. Ein freischaffender Autor, der eigentlich überall arbeiten könnte, aber am liebsten in seinem „Bewusstseinszimmer“. Denn der letzte Ortswechsel, dem er nur seiner Freundin Hannah zuliebe zugestimmt hat, hat die beiden nach Frankfurt geführt.
Und die Hessen an sich, die sind ganz fürchterliche Möbelrücker und üble Lärmproduzenten, wie Sebastian in einer kleinen Hasstirade, die ein bisschen an Stücke von Thomas Bernhard erinnert, seiner Freundin vorwirft. Die aber will davon nichts hören, schließlich steht das Austauschpaar aus Zürich gleich vor der Tür. Und überhaupt ist sie ja diejenige, die hier die Kohle verdient mit ihren gut bezahlten Atemkursen für gestresste Bankmanager.
In Moritz Rinkes neuem Stück „Wir lieben und wissen nichts“, der Berliner Autor hat ein Händchen für ausgefallene, vielversprechende Titel, prallen gleich mehrere Welten aufeinander: Roman (Tonio Arango), ein technikgläubiger, gehetzter und vernetzter Mensch, trifft auf den Intellektuellen Sebastian, der Benutzerkennwörter am liebsten in seine Bücher schreibt und Typen wie Roman zutiefst verachtet. Hans-Werner Meyer spielt Sebastian als charmanten Plauderer mit Potenzial zu Wutausbrüchen.
Dazu kommen Hannah, bei Gesine Cukrowski eine mittelverständnisvoll-dominante Erfolgsfrau, die ihr Leben mit Hilfe einer Fruchtbarkeits-App durchplant, und die Tier-Therapeutin Magdalena, sexgeil und scheinbar recht naiv. Judith Rosmair gibt dieser Figur eine Doppelbödigkeit und Tiefe, die man nach Lektüre der Komödie nicht erwartet hätte.
Regisseur Torsten Fischer vertraut dem gut gebauten Boulevardstück, das die Ausstatter Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos mit Film-Einspieler auf Staatstheater-Niveau aufgebrezelt haben. Die knapp zweistündige Inszenierung ist flott und unterhaltsam, die Pointendichte hoch, auch wenn manche Gags nicht ganz taufrisch sind und der Plot einschließlich Beziehungskrise und Fremdpartner-Begehren nicht wirklich überraschend ist.
Renaissance-Theater, Knesebeckstr. 100, Berlin-Charlottenburg. Tel: (030) 3124202.




