Theater

Uwe Ochsenknecht als Womanizer erstmals auf Berliner Bühne

Der Schauspieler lebt in Berlin und spielt jetzt zum ersten Mal in seiner neuen Heimatstadt Theater. Das Stück „Schlechter Rat“ feiert am Sonntag an den Kudamm-Bühnen Premiere.

Foto: Michael Petersohn / www.polarized.de

Diese Augen. So blau wie ein Sommerhimmel. Es sind die von Uwe Ochsenknecht. Aber an diesem Abend geht es nicht um Äußerlichkeiten, sondern um das erste Theater-Engagement des Schauspielers in seiner neuen Heimatstadt. Und weil er die Aufführung nicht allein bestreitet, sind auch Charlotte Schwab und Julia Malik gekommen, etwas später stößt noch Oscar Ortega Sánchez, der vierte im Bunde, dazu.

Das Gespräch findet in einem Restaurant ganz in der Nähe der Kudamm-Bühnen statt, wo am Sonntag „Schlechter Rat“ Premiere hat. Es ist die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks von Saul Rubinek, das 2011 in London uraufgeführt wurde.

„Jeder verarscht jeden“

Vielleicht gehört es zur Inszenierung, dass sich die drei Schauspieler über die Wahl der Getränke und des Essens – Ochsenknecht beschränkt sich auf ein Mineralwasser – schneller einig sind als über die Interpretation des Stücks. Die Wiedergabe der Handlung klingt etwas verwirrend. „,Schlechter Rat’ heißt es, weil ich meinem besten Freund etwas unkonventionelle Ratschläge gebe“, erläutert Ochsenknecht.

„Es geht um zwei Paare, eigentlich um drei verschiedene Paare“, sagt Julia Malik. Es ist „keine Boulevardkomödie“ (Schwab), zumindest „keine seichte“ (Malik), es fängt „comedymäßig an, wird dann immer komödiantischer und endet schließlich im Drama“ (Ochsenknecht). Das sei dann „schon traurig“, wobei Ochsenknecht einräumt, dass dies vielleicht nicht ganz das richtige Wort sei. „Tragisch, aber auch zynisch und bös“, ergänzt Schwab. „Jeder verarscht jeden und am Schluss sind sie alle „allein“ (Ochsenknecht), „aber auf eine sehr amüsante Art“ (Schwab).

Nachhilfe in weiblicher Anatomie

Ein Stück „über Männer, die nicht verstehen, wie Frauen ticken und die außerdem nicht ehrlich zueinander sind“, fasst das Theater den Inhalt zusammen. Ochsenknecht spielt den Womanizer Jake, der seinem Freund Stanley (Oscar Ortega Sánchez), obwohl beide schon in den Vierzigern sind, immer noch Nachhilfe in weiblicher Anatomie gibt. Stanley erzählt Jake, dass er sich mit drei verschiedenen Frauen trifft, aber Sex dabei so gut wie keine Rolle spielt. Undenkbar für Jake, dessen Ehe mit Hedda (Charlotte Schwab) auf Sex beruht. Jakes Rat: Stanley soll sich von allen drei Frauen verabschieden, unbedingt auch von seiner festen Freundin Delila (Julia Malik). Der Tipp ist alles andere als uneigennützig, denn Jake ist seit einem One-Night-Stand sehr an Delila interessiert.

Bis zum 27. April stehen die vier Schauspieler auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm. Was die Frage nach Erfahrungen im En-Suite-Spielen nahelegt. Für Ochsenknecht ist es nicht das erste Mal. Er hat drei Monate am Stück „Ein seltsames Paar“ mit Heiner Lauterbach gespielt, seinem Partner in Doris Dörries „Männer“-Film. Der markierte den Durchbruch für den Schauspieler Ochsenknecht, der eine richtig rebellische Vita hat: Die Schule hat er früh geschmissen und sich später auch noch gegen den Willen der Eltern an der Schauspielschule in Bochum beworben. Übrigens erfolgreich. Er spielte Theater in Mannheim, Bochum und Hamburg und startete eine beachtliche Filmkarriere.

Raus aus dem Promi-Ghetto

Charlotte Schwab kennt das En-Suite-Spielen aus eigener Erfahrung und verrät einen Trick, wie sie sich motiviert: „Wenn’s gar nicht mehr geht, stelle ich mir vor, dass George Clooney in der Vorstellung sitzt.“ Sie erzählt von ihrem Engagement an der Freien Volksbühne in Berlin unter dem legendären Intendanten Kurt Hübner. War das „in der Weimarer Republik?“, fragt Oscar Ortega Sánchez. Es war in den frühen 80er-Jahren und Schwab nutzt die freundliche Provokation, um erstens zu sagen, dass sie „hier die Älteste“ sei, und zweitens darauf hinzuweisen, dass sie auch mal in Berlin gewohnt habe: „Vis-à-vis der alten Schaubühne.“ Sánchez fragt: „Wo war die denn?“ und Julia Malik, die Jüngste in der Runde, antwortet: „Da wo jetzt das HAU 2 ist.“

Sánchez lebt noch in Hamburg, plant aber im Frühjahr den Umzug in die Hauptstadt. Als Charlotte Schwab erzählt, dass sie später mit der Familie nach Sandwerder rausgezogen sei, sagt Julia Malik wie aus der Pistole geschossen: „Da am Wannsee hab’ ich meinen Freischwimmer gemacht.“ Die gebürtige Berlinerin ist in Charlottenburg groß geworden, mittlerweile wohnt sie in Prenzlauer Berg. Schließlich „kann ich doch nicht da bleiben, wo die ganzen Freunde meiner Eltern leben.“

Mario Basler kommt, Ochsenknecht geht

Auch Uwe Ochsenknecht lebt dort, seit er München den Rücken gekehrt hat: „Ich wollte wieder mitten ins Leben rein, nicht im Promi-Ghetto bleiben.“ Gefühlt ist in diesem Berliner Stadtbezirk die Schauspieler-Dichte allerdings recht hoch. Erst später habe er erfahren, wer da noch alles wohnt, sagt Ochsenknecht und ergänzt: „Ich sehe die nie.“

In München hat Ochsenknecht im noblen Vorort Grünwald gewohnt, einer seiner Nachbarn war der Bayern-Profi-Fußballer Mario Basler, bekannt für seine lockere, lebensbejahende Berufsauffassung. „Wenn ich morgens um 7 zum Dreh gefahren bin, hab’ ich manchmal Basler, der grad nach Hause kam, am Gartenzaun getroffen. Basler meinte dann, zum Training schaffe er das schon“, erzählt Ochsenknecht, der in der Jugend beim SV Waldhof gekickt hat – und später mit Sánchez gemeinsam in der Film-Komödie „Fußball ist unser Leben“ gespielt hat.

So viel Text lernen

„Mit Fußball kenne ich mich aus“, sagt Charlotte Schwab und untermauert das mit den Worten, dass man „eher die Ehemänner wechselt als den Lieblingsverein.“ Dem SC Freiburg ist sie bis heute treu geblieben, aus ihrer ersten Ehe entstammt Sohn Maximilian Simonischek, der längst auch ein erfolgreicher Schauspieler ist. Er war ein paar Jahre am Maxim Gorki Theater engagiert, bevor er an die Münchner Kammerspiele wechselte. Als Max seinen Berufswunsch kundtat, war das „ganz schwierig“ für die Mutter. Sie weiß ja, wie es in diesem Beruf zugeht.

Oscar Ortega Sánchez hat den Nachwuchs vom Schauspielerberuf abbringen können, indem er zu Testzwecken eine private Schauspiellehrerin engagiert hat. Uwe Ochsenknecht hat damit keine Probleme. Seine Kinder hätten sich fürs Casting für den Film „Wilde Kerle“ selbst beworben, „wir haben da nichts getan“, beteuert er. Und äfft die Kinder nach mit den Worten „So viel Text lernen...“. Dabei sei das doch das kleinste Problem. Was das größte ist, verrät er aber nicht.