Schlosspark Theater

„The King's Speech“ – Oliver Mommsen mit königlicher Leistung

Der Film „The King's Speech“ wurde 2011 zum Oscar-gekrönten Welterfolg. Nun kam das Drama auf die Bühne des Berliner Schlosspark Theaters. Mit Oliver Mommsen als König und Jürgen Tarrach als Therapeut.

Foto: DERDEHMEL/Urbschat.

Der Zweite Weltkrieg steht vor der Tür, doch Herzog Albert, der später als König George VI. das britische Empire regieren wird, hat vorerst noch eine ganz andere Schlacht zu schlagen: Konsonanten außer Kontrolle und widerspenstige Vokale, das sind seine ärgsten Feinde. Er stottert so sehr, dass er, wie man im Hofstaat lästert, nicht mal fehlerfrei „Fish and Chips“ bestellen könnte.

Abhilfe schafft ein schräger Sprachtherapeut, der dem angehenden König mit Hüpfen, Fluchen und Singen am Ende nicht nur das fehlerfreie Sprechen, sondern auch eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein beigebracht haben wird.

Was zunächst nach Potenzial für einen Schenkelklopfer-Plot klingt, beruht auf wahren Begebenheiten, die der Autor David Seidler im Umfeld des echten King George VI. und seines Sprachtherapeuten Lionel Logue recherchiert hat. Als Film war „The King’s Speech“ international ein Riesenerfolg. Konzipiert hatte Seidler das Ganze ursprünglich als Bühnenstück. Als solches ist es jetzt in Star-Besetzung unter der Regie von Thomas Schendel im Steglitzer Schlosspark Theater zu sehen. Am Sonnabend feierte das Stück Premiere.

Perfekt dosiert verkanten sich bei ihm die Konsonanten

Die anspruchsvollste Rolle ist dabei mit Abstand die des Stotterers Albert, boshaft verspottet als B-B-Bertie. Colin Firth sahnte in der Filmfassung dafür einen Oscar ab. Im Schlosspark Theater übernimmt Oliver Mommsen diesen Part und macht das großartig. Perfekt dosiert verkanten sich bei ihm die Konsonanten im Kehlkopf, es ruckelt und rumpelt die Sprache, ohne dass seine Figur dabei jemals die Würde verliert.

Ja, es ist auch ein komischer Abend, aber gelacht wird an keiner Stelle übers Stottern selbst. Im Gegenteil, der angehende König erweist sich als im Denken so viel schneller als mancher ohne Sprachstörung im Sprechen, dass die Intrigen spinnenden Klerikal- und Staatsmächtigen hier als die eigentlich Deformierten da stehen. Mal ganz abgesehen von Alberts Schürzenjäger-Bruder David (Johann Fohl), der nach dem Tod des Vaters (Dieter Hallervorden, alternierend mit Philipp Sonntag) kurzzeitig den Thron übernimmt, dann aber Bruder Albert das Feld überlassen muss.

Ein angenehm unpompöses Bühnenbild

Vorbereitet wird Albert darauf vom kauzigen Sprachtherapeuten Lionel Logue, den Alberts Gattin Elisabeth (Julia Stemberger) aufgetan hat und der in Wahrheit verkrachter Schauspieler ist. Jürgen Tarrach spielt ihn wunderbar schrullig. Sein Logue ist selbstbewusst, schnoddrig und herrlich despektierlich, er weigert sich, den König standesgemäß anzureden, nennt ihn nur kumpelhaft Bernie und bei der Probe zur Krönungszeremonie fläzt er sich ungeniert in den Thron. Mommsen und Tarrach, sie sind ein formidables Duo, auch wenn ihre Figuren länger als nötig brauchen, um zueinander zu finden.

Dabei gibt ihnen das funktionale, angenehm unpompöse Bühnenbild eigentlich ausreichend Raum dafür, nicht jedoch die anfangs noch sehr schnelle Szenenfolge, die viele Situationen nur anreißt statt sie in Ruhe auszuspielen. Im Laufe des Abends legt sich das und es stellt sich ein, was diese Geschichte so besonders macht: Die warmherzige, unkonventionelle Komplizenschaft zweier sehr unterschiedlicher Männer.

Die schönste aller Szenen ist jene, als der König ganz am Schluss seine Rede an die Nation halten muss und dabei das große Mikrofon wie einen Widersacher umkreist. Bei jeder Silbe fiebert man mit. Schwer zu sagen, ob der aus dem Parkett daraufhin aufbrandende Applaus eher Oliver Mommsen oder seinem King George VI. galt. Eine königliche Leistung haben sie beide hingelegt.

Schlosspark-Theater, Schloßstr. 48, Berlin-Steglitz. Tel. (030) 7895667100 Termine: 27./28.1., 9.-18.2. und 14.-19.3.2014 jeweils um 20 Uhr

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.