Schlosspark Theater

Julia Stemberger steht als Queen Mum auf der Bühne

Die Charakterdarstellerin Julia Stemberger spielt die junge Queen Mum in dem Stück „The King’s Speech“, das an diesem Sonnabend Premiere feiert. Die Filmbiographie wurde mit vier Oscars ausgezeichnet.

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture/Buddy Bartelsen

Auf den ersten Blick wirkt sie sehr sanft. Aber dieser erste Eindruck täuscht. Julia Stemberger ist eine starke Persönlichkeit. Privat wie beruflich. Die Schauspielerin ist viel unterwegs. Am Wochenende hatte sie noch eine Lesung in Linz und am Montag steht sie schon wieder auf der Bühne in Berlin. Zurzeit spielt sie die junge Queen Mum in „The King’s Speech“ an der Seite von Oliver Mommsen (King George VI.). Das weltweit erfolgreiche Stück feiert am 25. Januar im Schlosspark Theater Premiere. Über Berufliches und Privates plauderte Julia Stemberger mit Yvonne Spanier.

Berliner Morgenpost: Als Lehrerin in der TV-Serie „Die Stein“ kommen Sie kameradschaftlich rüber. In „Der König von St. Pauli“ legen Sie einen erotischen Strip hin und in der Komödie „Hexenküsse“ sind Sie übersinnlich. Wie sind Sie wirklich?

Julia Stemberger: (lacht) Das Schöne an diesem Beruf ist, dass Schauspieler alle möglichen Arten der Existenz ausprobieren können. Dabei gehe ich nicht davon aus, dass ich zaubern könnte. Aber ich kann auf der Bühne oder Leinwand alle menschlichen Empfindungen ausleben. Wobei ich den Beruf nicht als Therapie sehe, wenngleich er einen manchmal therapiert. Man muss die Kräfte mobilisieren und auf ein bestimmtes Ziel richten. Das ist eine Art von Produktivität, die den Menschen befriedigt und erfüllt. So kann ich behaupten, dass es mir kaum geschadet hat zu arbeiten.

Spielten Sie jemals eine Königin? Was hat Sie an Ihrer neuen Rolle als junge Queen Elizabeth, Frau des stotternden King Georg VI., gereizt?

Oh, ich habe sogar schon einmal eine Kaiserin von Österreich gespielt. Ich sehe in der Rolle der jungen Queen Mum die spannende Aufgabe, das normal Menschliche einer zukünftigen Königin zu erspüren. Der Frage nachzugehen, wie sie dieser Aufgabe gerecht werden könnte. Das Könighaus ist – wie es ja im Stück heißt – eine Firma, die funktionieren muss.

Ein stotternder Ehemann ist nicht gerade der Traum einer Frau...

Die Geschichte zeigt, dass dies eine ganz bewusste Entscheidung der jungen Frau war. Sie nahm diese Tatsache in Kauf, weil sie nicht in der ersten Reihe stehen wollte.

Was glauben Sie, war King Georg VI. von England ein Held oder ein bedauernswerter Mann?

Beides. Ich glaube sogar, er war mehr ein Held. Es ist heldenhaft, ein solches Manko zu überwinden und in den Griff zu bekommen.

Bereits mit ihrem Kinodebüt „Herzklopfen“ (1984) wurden Sie einem breiten Publikum bekannt. Wollten Sie schon immer Schauspielerin werden oder hat Ihre Mutter, Christa Schwertsik, Sie beeinflusst?

Ich habe Querflöte studiert und wäre wahrscheinlich Musikerin geworden. Als ich 18 Jahre alt war, wusste ich, dass ich spielen möchte. Das ist mir geradezu zugeflogen.

Zuerst traten Sie im Theater auf, zum Beispiel am Wiener Volkstheater, später holte Sie Claus Peymann ans Wiener Burgtheater. Sie arbeiteten mit Peter Zadek, George Tabori, Peter Stein und Jürgen Flimm zusammen. Wer oder was führte Sie nun an das Schlosspark Theater?

Das war wohl Thomas Schendel, der bei „The King’s Speech“ Regie führt. Wir sind seit langem freundschaftlich miteinander verbunden, er spielte in der TV-Serie „Die Stein“ den Mathe-Lehrer. Zudem ist es mir eine Freude und ein Vergnügen, in dem schönen Schlosspark Theater spielen zu können.

Sie traten in Familienproduktionen wie „Der Mikado“, einer Operette mit kabarettistischer Note, mit Mutter Christa Schwertsik, Schwester Katharina Stemberger und Stiefvater Kurt Schwertsik auf. Was mögen Sie daran?

Familienproduktionen sind sehr besonders. Es ist wunderbar, wenn sich vier Kreative zusammentun. Ich hoffe, dass bald eine Fortsetzung folgt.

Was macht eigentlich Ihre Schwester Regina? Spielt sie nicht mit?

Regina ist Fachärztin für physikalische Medizin. Mein Vater, der Tropenmediziner Heinrich Stemberger, ist froh, dass nicht alle Töchter „Kasperln“ geworden sind, sondern er sich noch mit einer verständigen kann.

Welche Hobbys haben Sie? Bergsteigen ist nicht Ihr Ding, verrieten Sie einmal. Aber Sie hegten den Wunsch, einen Tangokurs zu belegen. Was ist daraus geworden?

Leider bisher nichts. Es ist schwierig, in diesem Beruf von Hobbys zu reden. Eine Sportskanone bin ich nicht, dafür lese und musiziere ich gern (lacht). Und es ist für mich ein Vergnügen, mit Musikern auf der Bühne zu stehen.

Sie leben in Wien und sind Mutter einer Tochter. Wie managen Sie das, wenn Sie in Berlin arbeiten?

Meine Tochter ist bei ihrem Vater, wenn ich in Berlin bin. Wir sehen uns so oft wie möglich. Berlin und Wien ist doch keine Entfernung!

Ihr Ex-Mann und Vater Ihrer Tochter, Christian Altenburger, ist Geiger. Ihr Lebensgefährte Helmut Jasbar ist Komponist und Gitarrist. Bevorzugen Sie musische Typen, mit denen Sie Klavier spielen können?

Lustigerweise ja. Es ist sehr schön für mich, wenn ich mich mit meinem Partner auch über Musik unterhalten kann.

Was ist für Sie Familienleben?

Vertrautheit, Verlässlichkeit, Sicherheit und miteinander lachen können.

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrer Tochter Fanny?

Ich bin eine bestimmte Mutter. Nein bedeutet bei mir auch Nein. Allerdings erkläre ich meiner Tochter, die bald 14 Jahre alt wird, warum ich dagegen bin und hoffe, dass sie mich versteht. An Vereinbarungen halte ich mich strikt. Wir sind immer füreinander da, das ist ganz wichtig. Kinder brauchen viel Liebe, Zeit und einen Zufluchtsort.

Hatten Sie eine schöne Kindheit?

Sehr durchmischt. Als ich fünf Jahre alt war, haben sich meine Eltern getrennt. Das war nicht einfach, aber ich hatte das Glück, dass ich einen wunderbaren Stiefvater bekommen habe. Je älter ich werde, desto besser weiß ich das zu schätzen. Wir sind eine große Patchworkfamilie und pflegen einen guten Kontakt. Auch mit meinem leiblichen Vater verstehe ich mich wieder sehr gut. Es hat eine Weile gedauert, aber nun ist alles ok.

Haben Sie Humor?

Ganz ehrlich, ich bin auf der Suche nach dem nächsten Lacher. Humor ist ab einem gewissen Alter eine Entscheidung, quasi eine Art, das Leben zu betrachten. Humor ist eine gute Waffe.

2014 werden Sie 50 Jahre alt. Wie fühlt sich das an?

Ach was? (lacht) Jede Lebensphase hat mich ein Stück weitergebracht, und ich bin dankbar für jede Erfahrung, die ich machen durfte. Ich bereue nichts!

Sie sind davon überzeugt, dass jeder selbst für sein Wohlbefinden verantwortlich sei. Was tun Sie dafür?

Ich achte darauf, dass ich mich fit halte. Ich pflege die Gedankenhygiene, das heißt, ich sorge für positive Gedanken. Aus unserem Denken formt sich unser Leben, und wir sind dafür verantwortlich.

Wie kleiden Sie sich am liebsten? Sportlich oder elegant?

Labels sind mir völlig egal. Ich möchte mich in meiner Kleidung wohlfühlen – ohne mir zu viele Gedanken darüber machen zu müssen. Eins kann ich sagen, ich kleide mich gern weiblich und genieße es, eine Frau zu sein.

Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Ich sehe einem intensiven Theaterjahr entgegen und werde wieder mehr auf der Bühne stehen, zum Beispiel im Theater in der Josefstadt in dem Stück „Schüsse in Sarajewo“ und bei den Festspielen Reichenau als Genia in „Das weite Land“ unter der Regie von Hermann Beil. Das ist sehr schön, denn da komme ich her.

Was wünschen Sie Ihrer Tochter?

Dass sie mit Freude und Mut dem Leben begegnet.

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