Für die Berliner Bühnen war 2013 ein guter Jahrgang, mehrere Häuser haben Erfolge vermeldet. Nun hat auch das Staatsballett Berlin seinen Rekord verkündet: Im letzten Jahr verzeichnete man die höchste Auslastung seit der Gründung. Die Rede ist von 86,4 Prozent, im Jahr davor waren es 81,5 Prozent. Zur Erinnerung: 2004, im Gründungsjahr des Staatsballetts, das als schwere Geburt aus den drei Compagnien der Opernhäuser hervorging, lag die Auslastung bei gerade mal 61,4 Prozent. Insofern klingt das Staatsballett nach einem Erfolgsmodell.
Von Krisen geschüttelt
Aber der neue Rekord ruft auch einige Verwunderung hervor. Gerade in den letzten Monaten und Jahren wurde das Staatsballett von Krisen geschüttelt. Mit einem Knall hatte man seine Primaballerina Polina Semionova verloren. Zeitweilig wirkte die Institution handlungsunfähig, auch, weil die eigentliche Ballettchefin Christiane Theobald schwer erkrankt war. Aber den Hauptgrund für Verstimmungen lieferte Gründungsintendant Vladimir Malakhov, der als Tanzlegende zunehmend unter Druck geriet, weil er längst das Alter erreicht hat, in welchem Tänzer sich würdig von der Bühne verabschieden.
Malakhov aber tanzt – trotz aller Wehwehchen, über die er offen spricht – bis zu seinem Abschied aus Berlin weiter. Das wird im Sommer sein. Inzwischen wurde mit Nacho Duato bereits sein Nachfolger als Intendant bestellt, was wiederum zu Widerspruch führte. Der Neue soll nicht das Format haben, behaupten Kritiker. Andere meinen, Berlin hätte sich finanziell besser um die Choreografin Sasha Waltz und ihre Compagnie kümmern sollen als um das Staatsballett.
Das Publikum geht unbeirrt ins Ballett
„Es gab zwei parallele Wahrnehmungen“, meint Wolfgang Kaldenhoff, Marketingchef des Staatsballetts. Während öffentlich über den Intendantenwechsel gestritten wurde, ging das Publikum unbeirrt in die Vorstellungen. Klassisches Ballett mit Spitzentanz ist quasi ein Selbstläufer. Modern läuft auch, sagt Kaldenhoff – etwas zögernd. Das Interesse an den Vorstellungen, in denen Malakhov tanzt, sei ungebrochen. Neben dem Dauerbrenner „Schwanensee“ (98,8 Prozent) kam Boris Eifmans „Tschaikowsky“ – mit und ohne Malakhov – in 17 Vorstellungen auf 88 Prozent.
Eine kleine und eine große Premiere
Zum Durchhänger des Staatsballetts gehörte auch, dass man in der Saison davor auf große Premieren verzichtete. 2013 gab es zumindest eine große und eine kleine Premiere: Die 11 Vorstellungen von „Masse“, einem medial viel beachteten Projekt im Berghain, war komplett ausverkauft. Es passten insgesamt auch nur 5533 Zuschauer in die kleine Halle.
Hingegen ist „Der Nussknacker“ seit Ende Oktober der Renner schlechthin: Die Auslastung liegt bei 99,7 Prozent. Am schwächsten besucht waren die Vorstellungen von Heinz Spoerlis Ballett „Peer Gynt“ (65 Prozent). Insgesamt kamen 2013 bei 104 Vorstellungen 110.209 Besucher. Daraus lässt sich lernen, dass im Spitzentanz nicht allein die großen Namen zählen, sondern vor allem lieb gewonnene Stücke. Vielleicht ist das die eigentlich gute Nachricht.





