Ballett

Tanzstar Malakhov - „Mein Körper sagt mir, es ist genug“

Vladimir Malakhov ist seit zehn Jahren Intendant des Staatsballetts Berlin. Nun läuft seine letzte Saison. Der 45-Jährige spricht über den Abschied vom Tänzer-Dasein und den Wechsel nach Tokio.

Foto: Amin Akhtar

Ein bisschen wehmütig, fast einsam wirkt Vladimir Malakhov schon, wenn er über seine letzte Saison beim Staatsballett Berlin spricht.

Für den 45-Jährigen ist es nicht nur der Abschied als Intendant, sondern auch als Tänzer von der Bühne. In den nächsten Monaten wird er zugleich in einer Reihe von Rollen zum letzten Mal zu erleben sein.

Die Berliner Morgenpost sprach mit dem russischen Tanzstar.

Berliner Morgenpost: Herr Malakhov, wie fühlen Sie sich in Ihrer letzten Berliner Spielzeit?

Vladimir Malakhov: Natürlich bin ich traurig, zugleich aber auch voller Neugierde auf mein neues Engagement. Das ist doch normal. Dazu gehört auch, dass viele Tänzer jetzt ein bisschen beunruhigt und traurig sind, weil sie noch nicht wissen, was mit dem neuen Ballettchef auf sie zukommt. Zeiten des Übergangs sind für Compagnien immer schwierig und von Verlusten begleitet. Shoko Nakamura hat das Staatsballett bereits in Richtung Budapest verlassen. Ich sorge mich mehr um die Tänzer als um mich. Meine Karriere geht sowieso weiter.

Auf jeden Fall haben Sie in Ihren zehn Jahren Staatsballett die russische Ballettschule in Berlin hochgehalten.

Ja, aber um die russische Schule allein geht es nicht. Das Entscheidende ist die Qualität einer Compagnie, ihr internationaler Standard. Nur wenn die Qualität stimmt, haben große Choreografen auch Lust, etwas für die Compagnie zu machen. Aber das ist alles so gelaufen wie ich es mir vorgenommen hatte. Meine Hände sind rein.

Sie haben sich nicht nur Freunde gemacht.

Das stimmt. Der Anfang, als die drei Berliner Compagnien 2004 im Staatsballett zusammen geführt wurden, war hart. Das war meine schwierigste Zeit in Berlin. Es war auch rein praktisch eine Herausforderung. Ich musste zum Beispiel von der Staatsoper Unter den Linden aus organisieren, dass große Ballette wieder in die Deutsche Oper zurück kommen, wo es ein treues Publikum gibt.

Was hat Ihnen an Berlin nicht gefallen?

Das will ich lieber nicht sagen. Ich bin ein positiver Mensch. Das lernt man im Ballettsaal, wo man die Dinge immer auf gute Weise entwickeln muss.

Haben Sie mit Ihrem Nachfolger Nacho Duarto in der Zwischenzeit gesprochen?

Nein. Ich erinnere mich gut an die unangenehme Situation im Januar. Es war direkt vor der Pressekonferenz, auf der Duato als neuer Intendant vorgestellt wurde. Duato und Kulturstaatssekretär André Schmitz kamen zum Staatsballett, um die Compagnie zu informieren, bevor die Nachricht veröffentlicht wurde. Die Beiden waren überrascht und fragten mich, warum ich denn da sei? Ich sagte, ich bin der Ballettchef und muss für die Vorstellungen trainieren. Das ist mein Job.

In der nächsten Saison werden Sie zum Tokyo Ballet wechseln. Was genau werden Sie dort machen?

Eigentlich dasselbe, was ich auch in Berlin mache. Ich werde das Repertoire betreuen, mit den Tänzern arbeiten, auf die Qualität schauen und die Proben leiten. Dazu gehört auch die Besetzungspolitik. Ich werde auch mit dem Tokyo Ballet auf Tournee gehen.

Werden Sie selbst tanzen?

(holt tief Luft) Ich weiß es nicht. In der Tokyoter Compagnie auf keinen Fall, höchstens zu besonderen Anlässen. Im nächsten Jahr feiert die Compagnie beispielsweise ihr 50-jähriges Bestehen, für die Gala bin ich natürlich eingeladen worden. Aber generell werde ich nicht mehr tanzen. Ich habe so viel getanzt in meinem Leben, mit so vielen Compagnien, mit so vielen Choreografen gearbeitet, mein Körper sagt mir, es ist genug.

Was genau sagt der Körper?

Der Körper ist schon ok. Aber ich bin kein 20-Jähriger mehr. Ich muss jeden Tag immer früher damit beginnen, meinen Körper auf die Proben vorzubereiten, damit ich ein gutes Gefühl habe. Ansonsten verspüre ich die Verkrampfung in den Beinen, Armen oder im Rücken. Ich denke immer häufiger, hoffentlich geht es heute gut. Beim Tanzen ist das anders, dabei vergisst man jeden Schmerz. Aber nach der Vorstellung kehrt die Schwere langsam in den Körper zurück und man fühlt sich wie ein Stein. Nach ein, zwei Tagen ist wieder alles normal.

Verlegen Sie Ihren Wohnsitz nach Tokyo?

Ja, ich habe eine Wohnung in Tokyo, aber ich behalte auch meine Wohnung in Berlin. Ich habe einen Jahresvertrag vom 1. August 2014 an. Dann werden wir sehen, ob wir ihn verlängern. Aber das Engagement in Tokyo ist ein Fulltime-Job.

Asien ist weit weg.

Natürlich ist es schwer für mich. Ich habe nie in meinem Leben in Japan gewohnt, ich war aber immer mal wieder für ein paar Wochen für Auftritte dort. Ich denke, ich werde alle ein, zwei Monate zurück kommen für zehn Tage. Ich muss auch nach meinen Hunden sehen. Ich habe zwei australische Schäferhunde. Ich kann doch meine Babys nicht ein Jahr lang alleine bei Freunden lassen. Außerdem habe ich auch andere Projekte, um die ich mich kümmern möchte.

Ziehen Sie ganz alleine hinüber?

Ja, aber ich habe dort einige Freunde und viele Fans.

Nehmen Sie Tänzer aus Berlin mit nach Japan?

Nein, das ist nicht möglich. So wie in der Pariser Oper zum größten Teil Franzosen tanzen, sind es in Tokio fast nur Japaner. Die Internationalität des Berliner Staatsballetts ist im Vergleich dazu schon eine besondere Qualität.

Ihre letzte Saison ist auch ein Abschiednehmen vom Tänzer-Dasein und Ihren verschiedenen Rollen. Was ist Ihre Herzensrolle beim Staatsballett gewesen?

Tschaikowsky, ja und Caravaggio. Und wenn ich weg bin, werden diese Stücke auch nicht mehr im Repertoire sein. Sie sind sehr eng mit mir verbunden.

Beim Staatsballett Berlin tanzt Vladimir Malakhov in seiner letzten Saison folgende Termine:

Tschaikowsky am 30. November 2013 und die große Abschiedsvorstellung am 14. Juni 2014 im Schiller-Theater

Oz – The wonderful wizard am 12. Januar 2014 in der Komischen Oper

Malakhov & friends am 21., 23./24./25., 27.1.; 27./28., 31.3.2014 in der Deutschen Oper

Ratmansky/Welch am 22., 26., 30.3.2014 im Schiller-Theater

Duato/Forsythe/Goecke am 11., 18./19.4.2014 im Schiller-Theater

Caravaggio 29.5. und 13.6.2014 im Schiller-Theater Tel. 206092630

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