Kommt sie oder kommt sie nicht? Das war am Sonnabend die spannende Frage. Catherine Deneuve war in Berlin aus gleich dreifachem Anlass. Um ein wenig Promotion für ihren neuen Film „Madame empfiehlt sich“ zu machen, der Anfang nächsten Jahres in unsere Kinos kommt. Um die Werkschau „Hommage à Catherine Deneuve“ zu eröffnen, die das Arsenal-Kino am Potsdamer Platz ihr zu Ehren zeigt, zehn ausgewählte Filme aus über fünf Jahrzehnten ihres Filmschaffens. Und dann bekam sie am Abend schließlich im Haus der Berliner Festspiele, bei der Verleihung der 26. European Film Awards, den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk verliehen.
Ein Star unter Stars
Zu diesem Anlass strömten zahlreiche Stars in die Stadt, Nominierte wie Jude Law, Keira Knightley und Pedro Almodovar, aber auch Präsentatoren wie Penelope Cruz, Diane Kruger und Wim Wenders, Präsident der European Film Academy, deren 2900 Mitglieder über die Preise entscheiden. Aber keiner kann auf ein solches Oeuvre zurückblicken, 118 Film- und Fernsehauftritte in 57 Jahren wie Madame aus Paris, die vor sechs Wochen 70 Jahre alt wurde. Sie überstrahlte alle und alles. Nur – würde sie wirklich kommen?
Legendär sind die Geschichten, die man sich über La Deneuve erzählt. Etwa die, dass einmal eine Concorde eine Stunde warten musste, weil die Diva angeblich noch Fisch kaufen musste. Sie kam dann doch noch, ohne einen Hauch von schlechten Gewissen, bevor die Maschine abhob. Vermutlich ist die Geschichte frei erfunden, aber, das ist das Vertrackte, wer einmal mit ihr zu tun hatte, glaubt sie sofort.
Erst mal einen Kaffee
Unvergessen auch, als sich eine Pressekonferenz auf der Berlinale einmal um eine Stunde verzögerte, weil Madame erst noch „un café“ trinken wollte. Und auch die Mitstreiter ihres Films düpierte. Dafür wurde sie dann, als sie sich endlich doch noch die Ehre gab, von den Fotografen ausgebuht. Aber was die Leute von ihr halten, das ist der Dame schon lange egal. Was Katja Riemann im Kleinen für den deutschen Film ist, ist Catherine Deneuve für das Weltkino. Eine Diva, keine Frage, eine launenhafte obendrein. Aber eben eine 1-A-Schauspielerin, die sich solche Capricen leisten kann. Und geliebt wird, egal wie schwer sie es ihren Anhängern dabei macht.
Sturm Xaver konnte sie nicht abhalten. Im Gegensatz zu Naomi Watts, die für den Tsunamifilm „The Impossible“ als beste Schauspielerin nominiert war, aber ihre Berlin-Visite kurzfristig absagte, hat sie im Hotel Concorde eingecheckt. Die Nagelprobe gleich am Freitagabend war dann, ob sie auch zur Eröffnung der Deneuve-Werkschau ins Arsenal kam. Immerhin ein relativ kleines, intimes Kino, ohne großen Teppich, wie man das vom Berlinale-Palast oder anderen großen Kinos Berlins gewohnt ist.
Alle Handys gehen hoch
Aber mit nur einer viertelstündigen Verspätung trifft sie wirklich im Filmhaus ein, um die Fans zu erfreuen, die ihretwegen in einer langen Schlange gestanden haben. Den weißen Mantel aber legt sie gar nicht erst ab. Sie kommt gleich auf die Bühne. Bedankt sich artig für den Applaus. Und freut sich, dass mit „Un chant de noel“ (Ein Weihnachtsmärchen) nicht einer ihrer Klassiker gezeigt wurde, sondern ein relativ neues, hierzulande noch nie gespieltes Familiendrama, das ihr sehr am Herzen liegt. „Ich hoffe, man hat Ihnen gesagt, dass der Film sehr lang ist und sehr komisch, aber auch sehr komplex.“ Alle Handys gehen hoch, als sie das sagt, um ein Bild von Madame zu erhaschen. Die sagt dann „Bonne soirée“ und „Merci“ und ist schon wieder draußen. Keine drei Minuten hat das gedauert. Aber die Zuschauer sind selig. Sie haben ihre Catherine erlebt.
Übung bei Preisen fürs Lebenswerk
Am Sonnabend hat sie sich dann brav auch den Journalisten gestellt. In nur wenigen Interview-Runden. Pressearbeit ist nicht gerade ihre Leidenschaft. Aber die 70-Jährige zeigt sich von ihrer besten Seite. Und probt schon für die Verleihung am Abend. Ein Preis fürs Lebenswerk, das klingt ja immer so nach Abschluss, nach Nachruf, nach Sargdeckel. Aber keine Angst, ans Aufhören denkt der Star noch lange nicht. Zwei Filme hat sie gerade erst abgedreht, für einen dritten, „Trois coeurs“ (Drei Herzen), steht sie derzeit mit Charlotte Gainsbourg und ihrer leiblichen Tochter Chiara Mastroianni vor der Kamera. Und Preise fürs Lebenswerk hat sie bereits 2005 in Cannes und gar schon 1997 auf dem Filmfestival in Moskau erhalten. Darin hat sie also eine gewisse Übung.


