Film

Für Martina Gedeck und Markus Imboden muss ein Geheimnis bleiben

Martina Gedeck und Markus Imboden haben sieben Filme zusammen gemacht. Seit acht Jahren sind die beiden auch liiert. Nun kommt ihr Film „Am Hang“ ins Kino. Der erste, den sie als Paar gedreht haben.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Die Berliner Schauspielerin Martina Gedeck und der Zürcher Regisseur Markus Imboden haben schon sieben Filme zusammen gedreht, unter anderem „Frau Rettich, die Czerni und ich“ (1998) oder zuletzt „Spiele der Macht – 11011 Berlin“ (2005). Dann hat es auch privat zwischen ihnen gefunkt. Seit acht Jahren sind sie ein Paar – haben seither aber nicht wieder zusammen gedreht. Bis jetzt. Ihr achter Film „Am Hang“ kommt heute in die Kinos. Die Verfilmung von Markus Werners Roman, in dem zwei Männer über eine Frau sprechen, bis sie feststellen müssen, dass sie dieselbe meinen. Eigentlich wollen Martina Gedeck und Markus Imboden keine Interviews zusammen machen. Sie haben es dann doch getan. Wir haben sie im Brandenburger Hof getroffen.

Berliner Morgenpost: Können Sie sich noch an ihren allerersten Drehtag, 1997 bei einer Folge von „Bella Block“, erinnern?

Markus Imboden: Und ob. Der erste Drehtag ist ja immer aufregend, mit jedem neuen Schauspieler, ob das geht oder nicht. Aber bei Martina war das von Anfang an eine gute Zusammenarbeit.

Gedeck: Ich weiß noch, mir hat der Kameramann was erklärt. Und dann kamst du von hinten angeschossen und hast gesagt: „Ich bin hier der Regisseur!“

Imboden: Echt?

Gedeck: Ja. „Nicht mit ihm reden. Ich bin der Regisseur.“ Das fand ich sehr lustig. Ich erinnere mich auch an eine kleine eher unbedeutende Szene, von der Markus meinte, die solle ich einfach spielen, da gäbe es nichts Besonderes. Ich habe mir dann etwas ausgedacht, das fand er beeindruckend. Da komme ich als Alkoholikerin ins Polizeidezernat und der Beamte sagt mir die Zimmernummer von Bella Block. Ich dachte, ich weiß dann ja gar nicht, wohin ich gehen soll, bin deshalb etwas orientierungslos und schaue mich hilflos nach dem Beamten um...

Imboden: Ich dachte, das sei meine Idee gewesen.

Gedeck: Nein, das ist mir eingefallen.

Imboden: Das war ein richtig gute Idee.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

Imboden: Es war eigentlich unsere beste Szene. (beide lachen)

Darf ich fragen, ab wann die Freundschaft aufhörte, nur beruflich zu sein? War das wie in diesem schlimmen Schlager „Tausend Mal berührt...“?

Imboden: Ich kenne dieses Lied gar nicht.

Gedeck: Nun, es ist ja altbekannt, dass wir seit acht Jahren ein Paar sind.

Näheres wollen Sie nicht verraten?

Imboden: Nein, ein Geheimnis muss bleiben.

Gedeck: Oder auch mehrere. Ich liebe Geheimnisse.

Sie haben dann lange nicht mehr zusammen gedreht. Absichtlich, um Privates und Berufliches zu trennen?

Gedeck: Nein, überhaupt nicht. Ich arbeite wahnsinnig gern mit ihm zusammen, und er auch mit mir.

Imboden: Unsere Zusammenarbeit hat nichts mit unserem persönlichen Verhältnis zu tun. Es gab halt nicht immer eine Rolle, wo sie gepasst hätte...

Gedeck: … und manchmal hat es sich auch überschnitten, dass ich schon für einen anderen Film zugesagt hatte.

Imboden: Natürlich wäre Martina für meinen letzten Film „Der Verdingbub“ in Frage gekommen, aber da hatte sie schon etwas anderes unterschrieben. Das ist ja in diesem Geschäft oft schwierig, der Drehstart wird verschoben, weil die Filmförderung abgesagt hat, dann stehen die Schauspieler nicht mehr zur Verfügung, es wird weiter geschoben ....

Wie darf man sich das vorstellen: Wenn man zusammen ist, spricht man da auch nach Feierabend unentwegt von dem gemeinsamen Projekt? Oder lässt man sich auch gezielt Freiräume?

Imboden: Natürlich erzählt man sich Berufliches, fragt, soll ich diesen Film machen oder jene Rolle spielen. Aber es ist nicht so, dass wir ständig nur über den Beruf reden. Das würde mich wahnsinnig machen. Man muss abschalten können. Zum Beispiel koche ich sehr gern.

Gedeck: Es ist noch mal etwas ganz Anderes, wenn man auch mitbekommt, was alles am Set passiert. Bei anderen Regisseuren kriegt man das nicht so mit. Wenn ich eine neue Rolle bekomme, erzähle ich ihm die Filmfigur. Und dabei fallen mir häufig Sachen ein. Und dann sagt er immer...

Imboden: „Wieso darf ich das nicht inszenieren? Das würde ich auch gern mal machen.“

Sie, Frau Gedeck, wohnen in Berlin, Sie, Herr Imboden, in Zürich. Werden Sie je zusammenziehen oder führen Sie absichtlich eine Fernbeziehung?

Gedeck: Wir sind ja ständig unterwegs. Wir arbeiten beide sehr viel und besuchen uns da, wo wir gerade drehen. Wir sind richtige Nomaden. Da ist es gut, mehrere Zelte aufgeschlagen zu haben.

Imboden: Man dreht mal in Zürich, mal in Hamburg, dann in München oder Berlin. Das ist ein ziemliches Durcheinander. Da ist es schön, mehrere Orte zu haben, wo man zuhause ist.

Wie war das bei den Dreharbeiten zu „Am Hang“? Schüchtern Sie die anderen Beteiligten ein, wenn Sie zusammen arbeiten?

Gedeck: Also, Markus ist generell kein einschüchternder Regisseur. Oder doch? (lacht)Als Regisseur ist er natürlich eine Autorität. Andererseits hat er mit fast allen Beteiligten schon gearbeitet. Ich bin da nur eine von vielen. Und ich halte mich da auch eher zurück.

Imboden: Der Kameramann Rainer Klaussmann war wieder derselbe wie bei „Bella Block“. Den kenne ich also genauso lange. Aber natürlich ist Martina privilegiert, natürlich gehe ich mit ihr abends essen und mit den anderen nicht. Das ist ja klar, das muss auch den anderen klar sein. Aber es hat keine Auswirkungen auf die Arbeit.

Streitet man sich auch mal am Dreh? Und wenn ja, tut man das offen am Set? Oder wartet man, bis man abends alleine ist?

Imboden: Wir hatten bislang noch keine Auseinandersetzung. Aber wenn, dann muss man das schon gleich vor Ort klären, während man dreht. Das kann man nicht erst abends diskutieren. Davon abgesehen finde ich das Filmemachen gar nicht so kompliziert. Künstlerische Auseinandersetzungen sind kleine Probleme, die sich meist schnell lösen lassen.

Gedeck: Bei dir! Aber es gibt natürlich schon Regisseure, bei denen das anders ist. Bei denen es Situationen gibt, wo man sich stark auseinandersetzen muss. Das ist wohl auch ein Grund, warum ich so gern mit dir zusammen arbeite. Das liegt auch daran, dass du dich sehr vorbereitest und wir auch schon lange vorher proben. Um diese Dinge vorab zu klären.

Imboden: Es ist ganz wichtig, dass es einen geschützten Raum gibt, wo man sich eben nicht in der Öffentlichkeit auseinandersetzt, wo man auch mal Fehler machen kann, ohne das Gesicht zu verlieren. Das hat aber nichts mit Martina zu tun, so arbeite ich mit allen Schauspielern. Sonst steht man von Beginn an unter Druck und muss sich ständig beweisen. Da verliert man viele Möglichkeiten.

Warum gibt es im Filmbereich eigentlich so viele künstlerische Ehen? Ist das eine Berufskrankheit?

Imboden: Ich kenne gar nicht so viele.

Gedeck: Ich glaube, das ist nicht häufiger als in anderen Berufen. Es ist normal, dass man den meisten Menschen im Berufsumfeld begegnet.

Haben Sie denn die Möglichkeit, bei Herrn Imboden an Ihrer Rolle mitzuschreiben?

Gedeck: Nein. Das mache ich grundsätzlich nicht. Das Buch, das ich bekam, war perfekt. Da hätte kein Wort geändert werden müssen. Wenn ich ein Drehbuch habe, mit dem ich ein paar Probleme habe, versuche ich das im Vorfeld zu klären. Aber normalerweise mische ich mich überhaupt nicht ein. Es gefällt mir sehr, mir fremde Texte zu eigen zu machen. Auch solche, die mir vielleicht anfangs merkwürdig vorkommen oder mir sogar widerstreben. Oft ist es gerade dann interessant, wenn einem die Dinge erst mal fremd erscheinen.

Wenn Sie, Frau Gedeck, Schwierigkeiten mit anderen Regisseuren haben oder Sie, Herr Imboden, mit Schauspielern, fragen Sie sich da gegenseitig um Rat?

Imboden: Ja, manchmal gibt es da ein anderes Verständnis. Wenn ich etwa über eine junge Schauspielerin klage und Martina sagt, das hätte sie auf der Schauspielschule auch noch nicht gekonnt.

Gedeck: Ich merke, dass ich auf die Position des Regisseurs noch einmal anders schaue. Weil ich jetzt eben auch die Problematiken mitbekomme, sich immer entscheiden zu müssen, die ganze Verantwortung zu tragen. Da gibt es vieles, was sich ein Regisseur nicht anmerken lassen darf, um die Schauspieler nicht zu beunruhigen. Mein Verständnis und meine Unterstützung für Regisseure ist dadurch größer geworden. Das war mir früher eher fremd.

Imboden: Das Einfachste am Filmemachen ist das Drehen. Das Schwierige sind all die Sachen drumherum, die Finanzierung, das Marketing. Da gibt es sehr harte Momente, wo man am Verstand der anderen zweifelt...

Gedeck: … und am eigenen.

Imboden: Echt?

Kritisieren Sie einander auch?

Gedeck: Markus findet immer gut, wie ich spiele. Auch in anderen Filmen. Es kann aber manchmal sein, dass ihm die Filme nicht gefallen. Das kommt schon vor. Aber ich habe noch nie gehört, dass er gesagt hätte, ich sei nicht gut gewesen. Vielleicht verkneift er sich das auch, um mich nicht zu ärgern. Und ich weiß nicht: Kritisiere ich dich? Ich mag deine Filme doch alle sehr gerne. Das ist ja auch ein Glück. Es wäre ja fürchterlich, wenn es anders wäre.

Imboden: Naja, du schaust natürlich auch wohlwollend drauf. Und nicht unbedingt kritisch.

Gedeck: Vielleicht. Ich schaue aber bei Filmen sowieso vor allem auf die Schauspieler, der Rest ist mir nicht so wichtig. Und Schauspieler sind bei Markus immer gut aufgehoben.

Herr Imboden, wenn Sie ein neues Filmprojekt haben und es gibt eine weibliche Rolle, denken Sie da automatisch an Frau Gedeck?

Imboden: Das hängt schon von der Figur ab. Aber Martina ist immer eine gute Adresse. Sie ist eine tolle Schauspielerin, die sehr viel, sehr gut spielen kann, und einem immer wieder mit Unerwartetem beschenk.

Spicken Sie schon mal in ein Drehbuch auf dem Nachttisch, ob da eine Rolle für Sie dabei sein könnte?

Gedeck: Nein, sowas mache ich nicht.

Beim Filmemachen sagt der Regisseur, wo es langgeht. Wie ist das bei Ihnen nach Feierabend?

Imboden: Es ist nicht so, dass ich beim Film Dompteurarbeit mit unmündigen Wesen leiste. Es ist eher eine Aufgabenteilung.

Gedeck: Und so ist das dann auch zuhause.

Ich sehe schon, Sie wollen auf private Fragen möglichst nicht antworten.

Gedeck: Es sind ja auch sehr viele. Und wir haben ja auch schon sehr viele beantwortet.

Aber lebt der Film nicht auch ein wenig von dem Umstand, dass Sie zusammen sind?

Gedeck: Nein, ein Film hat nichts mit dem Privaten zu tun. Wenn es danach ginge, dürfte ich ja gar nichts mehr spielen. Ich spiele doch Dinge, die ich nicht bin.

Imboden: Ich glaube auch nicht, dass der Schlüssel zum Verständnisses eines Werkes im Privaten liegt. Wenn ich inszeniere spiele ich mit den Möglichkeiten einer Geschichte. Ich erfinde, lote aus und bin ganz froh, wenn ich auch mal auf fremde Gedanken und Figuren treffe.

Wenn so ein Film abgedreht, aber noch nicht in der Welt ist, was fühlt man da? Angst? Selbstbewusstsein?

Imboden: Freudige Erwartung! Aber natürlich ist da auch immer die Angst, dass der Film nicht ankommt. Das würde bedeuten, dass die Wahrscheinlichkeit, einen nächsten Film machen zu können, kleiner wird. Nach ein, zwei Flops wird das immer schwieriger. Das ist etwas, was mich belastet. Aber das sind Dinge, die irgendwann auch gar nichts mehr mit dem Film zu tun haben. Da geht es um Plakate, in welchem Kino er läuft, ob im Frühling oder im Winter. Diese Aspekte scheinen oft viel wichtiger als der Film selbst.

Gedeck: Als Schauspielerin hat man noch viel weniger Einfluss darauf, was am Ende, im Schnitt aus dem Ganzen wird. Wenn ich den Film das erste Mal sehe, ist das ganz oft eine Überraschung für mich. Ich muss ihn oft zwei Mal sehen, um Abstand zu bekommen . Und meist ist es etwas ganz Anderes, als ich es beim Drehen erlebt habe.

Gibt es schon ein nächstes gemeinsames Filmprojekt?

Gedeck: Wir würden gern, aber es ist schwierig.

Imboden: Je nachdem, was du mir zu Weihnachten schenkst. (beide lachen)

„Am Hang“ startet am 28. November in den Kinos.

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