Der Dirigent läuft vorne weg, dicht gefolgt von der Sopranistin, dann schlendert der Altmeister hinterher, am Ende der neue Tenor. In der Reihenfolge nehmen sie auch für das Foto Aufstellung. So also sehen Debütanten aus!
Dass die Superstars Anna Netrebko und Placido Domingo mit ihren Partien in Verdis „Il trovatore“ in Berlin debütieren würden, war bekannt, aber während der Proben im Schiller-Theater stellte sich heraus, dass auch Daniel Barenboim zum ersten Mal die populäre Verdi-Oper einstudiert.
Am 29. November 2013 ist die große Premiere. Die sieben angekündigten Vorstellungen bis zum 22. Dezember 2013 sind bereits ausverkauft.
Der Stardirigent Daniel Barenboim hält die ganze Produktion für eine „komplexe wundervolle Fügung“. Mit Placido Domingo arbeitet er bereits seit 50 Jahren zusammen. Und die Netrebko bezeichnet er als seine „mit Abstand Lieblingssängerin“. Und dann schwärmt er gleich noch für den jungen Tenor Gaston Rivero, der jetzt den Manrico singt und in Buenos Aires aufgewachsen ist. Die Stadt ist das entscheidende. Von dorther stammt auch Barenboim.
Ein wichtiges Rollendebüt
„Die Proben laufen sehr gut, überwältigend, ein sehr gutes Tempo“, sagt Anna Netrebko beim Treffen im Foyer des Opernhauses. Sie kommt übrigens deutlich zu spät, Barenboim und Domingo scherzen derweil miteinander. Die Netrebko wirkt ziemlich entspannt, dabei ist die Leonore ein wichtiges Rollendebüt für sie. „Nichts ist einfach“, sagt sie: „Es ist wahrscheinlich eine der anspruchsvollsten Rollen für Soprane. Wunderschön, aber es fordert ein breites Spektrum ab, von ganz hohen bis ganz tiefen Tönen, Koloraturen, Dramatik. Aber es ist eine fantastische tolle Rolle.“
Alice im Wunderland
Ob ihr die Comic-Inszenierung von Philipp Stölzl, die bereits bei den Wiener Festwochen Premiere hatte, gefiele? „Ich liebe sie“, sagte sie damals: „Das Kostüm ist in Ordnung und erinnert mich an Alice im Wunderland.“ Jetzt steckt sie selber in dem Kostüm und hat offenbar viel Spaß. „Ich mag seine Ästhetik“, lobt die russische Sängerin den Berliner Regisseur: „Seine Produktionen sind so farbenfroh und visuell spannend. Mir ist das sogar manchmal lieber, denn in letzter Zeit wurde das Schwarz-Weiß-Rot, nur drei Farben in der Oper, schon so häufig gemacht. Dessen bin ich ein bisschen überdrüssig, ich möchte auch mal etwas anderes, selbst wenn es völlig verrückt ist. Aber das passt auch, denn das Libretto ist wirklich kompliziert und die Handlung nicht so glaubwürdig. Jeder stirbt am Ende. Philipp Stölzl hat einen sehr guten Job gemacht.“
Placido Domingo sagt lapidar: „Talent ist Talent!“ Stölzls Bilder seien großartig. Wenn man das Talent habe, so der frühere Startenor, dann könne man einen Film, eine Oper oder ein Theaterstück inszenieren. Da muss Barenboim doch einhaken. „Der Unterschied ist“, sagt Barenboim, „dass man im Theater Tempo und Lautstärke steuern kann, während das in der Oper von der Partitur vorgegeben wird. Die große Kunst beim Film ist der Schnitt. Den Unterschied muss ein Regisseur verstehen.“
Ziemlich komische Proben
Anna Netrebko hatte bereits einige schnelle Probenschnappschüsse auf Facebook gestellt. So gaukelt sie im Nonnenkostüm herum. Na so was. Bei den Proben muss es ziemlich komisch zugehen. Dabei ist Verdis „Il trovatore“ ein tragisches Stück durch und durch. Anna Netrebko singt die Leonore. Die Hofdame liebt Manrico, der so wunderschöne Liebeslieder singen kann und deswegen der Troubadour heißt. Begehrt wird sie auch vom Grafen Luna. Alles geht schief. Netrebko geht ins Kloster, verspricht sich dem Luna, um Manrico zu retten, vergiftet sich. Luna lässt Manrico ermorden. Am Ende stellt sich heraus, es sind zwei Brüder. Den Bösewicht singt Placido Domingo. Früher hat er immer die Helden gesungen. Aber das kommt davon, wenn man als Tenor im Alter ins Baritonfach wechselt. Im Hinausgehen reden Barenboim und Domingo darüber, warum er viele Baritonpartien nicht singen möchte. Er brauche etwas Positives in den Figuren, meint Domingo. Und er wäre doch auch kein Falstaff, sagt der 72-Jährige kokett.
Keine Beziehung mehr mit Erwin Schrott
Wenn Sie morgens in Berlin aufwache, beginnt eine Frage. Anna Netrebko sofort: „Ich mag dieses Wetter überhaupt nicht. Bitte ändern!“ Domingo plaudert ausgiebig darüber, dass ihm nicht so schnell kalt werde, obwohl er in einem heißen Land aufgewachsen ist.
Auf ihrer Facebook-Seite gibt es reichlich Fotos zu sehen: Anna Netrebko in Pose, mit Schwester, mit Kollegen und mit Sohn Tiago. Nur dessen Vater, der Bassbariton Erwin Schrott, fehlt. Anna Netrebkos Antwort auf die Frage nach ihrer Beziehung fällt deutlich aus. „Ich glaube, im Moment gibt es keine Beziehung. Aber ich bin sehr glücklich.“





