Seine Persönlichkeit füllt einen Raum. Sein Lächeln wirkt gewinnend. Seine Stimme klingt vielversprechend. Heinz Hoenig hat Charisma. Nicht nur auf der Bühne oder Leinwand. Dem Schauspieler gelingt es, die Leute in seinen Bann zu ziehen. In seiner Rolle als Ted Narracott in dem Theaterstück „Gefährten“ ist das nicht anders. Er brilliert als Bösewicht auf der Bühne des Theaters des Westens. Und lässt sich zur Not auch ausbuhen. „Ted hat eine Seite, die ist auffällig, ungerecht und hilflos“, so Hoenig, „jeder Zuschauer soll sich ein eigenes Urteil über diesen vermeintlichen ,Looser’ bilden. Das ist mein Auftrag. Ted so zu spielen, dass er einen dauerhaften Eindruck hinterlässt.“

Vielleicht hat Ted sogar einen Wiedererkennungswert? Hoenig selbst lässt im Gespräch keine Parallelen zum privaten Leben zu. „Ja, ich spiele den Vater von Albert, der um sein Pferd kämpft. Ja, auch ich habe einen Sohn. Aber was hat das mit dieser Rolle zu tun? Ted ist Ted. Schluss aus!“ Auch die nächste Frage, die sein „Haudrauf-Image“ betrifft, wischt er lautstark vom Tisch: „Ich weiß nicht, wo das ewige Haudrauf herkommt. Vielleicht von meiner Rolle als Ex-Boxer Sugar in Dieter Wedels Fernsehdrama ,Der König von St. Pauli’. Das war ein Film! Das war ein Charakter.“ Das sei geklärt!

Mallorca ist passé

Nehmen wir uns nun den sanften Hoenig vor, der sich um psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche kümmert. Für die Zukunft plant er, ein Kindercamp einzurichten, in dem sich Jungen und Mädchen auf Abenteuer einlassen und dabei spielerisch lernen können. Auf Mallorca? „Nein, nach Mallorca gehe ich nicht zurück. Ich werde zu den Wikingern stoßen“, lacht er verschmitzt. Hoenig braucht Tapetenwechsel. Er war lange genug auf der spanischen Insel. Nun zieht es ihn nach Norddeutschland. „Ich bin noch auf der Suche nach dem richtigen Platz“, verrät er und fügt mit leuchtenden Augen hinzu: „Besonders freue ich mich auf den Hering im Frühling. Den werde ich dann vor Rügen aus der Ostsee fischen!“

Wie heißt es doch so schön: Zurück zu den Wurzeln in die Provinz. Hoenig wuchs in Harlingerode im Harz auf. Von seiner Kindheit sagt er, sie sei interessant gewesen und sehr schön. Und genau das wolle er auch der heutigen Jugend vermitteln. Schluss mit der Brutalität der neuen Medien, die zur Orientierungslosigkeit führe. Schon als Gründer der Kinderhilfsinitiative „Heinz der Stier“ (2000) setzte er sich dafür ein, Kindern neue Horizonte zu eröffnen und sie auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten. Begeistert erzählt er von seiner Facharbeiterausbildung zum Betriebsschlosser. „Diese Lehre ist ein Teil von mir. Darauf bin ich stolz“, sagt Hoenig, „bis heute habe ich keine Angst vor Maschinen und ich konstruiere sehr gern.“ Nein, zwei linke Hände hat der Schauspieler nicht.

Von Berlin nach Afrika und Amerika

Nach der Ausbildung wurde ihm Harlingerode allerdings zu eng. Als junger Mann wollte er etwas erleben und machte sich auf nach Berlin. „Ich hatte 360 DM in der Tasche und die Welt stand mir offen!“ Das West-Berlin der 68er-Jahre nahm ihn brutal in die Arme und sorgte für eine Kettenreaktion. Hoenig ließ sich auf weitere Experimente ein, ging nach Afrika und Amerika, kehrte aber immer wieder nach Berlin zurück. In den siebziger Jahren begann hier auch seine Schauspielerkarriere. Er trat zuerst im Grips-Theater auf und war ab 1976 im Kino und im Fernsehen zu sehen. Berühmt wurde er 1981 durch den Film „Das Boot“, in dem er den Funker spielte. Vorher arbeitete er als Schlosser, Silberschmied, Tischler und Koch.

Kochen ist eine weitere Leidenschaft Hoenigs. Begeistert erzählt er, wie er gerade seinen Linseneintopf „kreiert“. Drei Tage muss diese Suppe kochen und kalten. „Erst wenn sich am Boden des Eisentopfes ein Rand gebildet hat, der sogenannte Linsentopfboden, dann ist die Suppe fertig.“ Der Kochkünstler nimmt übrigens grüne Linsen, die er über Nacht einweichen lässt. Mehr verrät er nicht! Überhaupt umgibt er sich gern mit kleinen Geheimnissen.

Kriege sind überflüssig

So viel sei verraten: Der mehrfach ausgezeichnete Theater- und Fernsehschauspieler lebt zurzeit in Charlottenburg und spaziert fast jeden Morgen um den Grunewaldsee. Das macht ihn fit für seinen Job. Sieben Mal in der Woche schlüpft er in seine Rolle als Ted. Kein leichtes Spiel für einen 62-Jährigen? Begleitet wird diese Frage von einem bösen Blick aus den stahlblauen Augen des Angesprochenen. Hoenig reagierte bereits bei früheren Pressekonferenzen auf entsprechende Nachfragen heftig. Seine Arbeit im Theater des Westens stehe zurzeit im Vordergrund, betont er. In dem Theaterstück „Gefährten“ geht es um eine tiefe Freundschaft zwischen dem englischen Farmerssohn Albert (Philipp Lind) und seinem Pferd Joey, das Ted (Heinz Hoenig) bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs an die britische Armee verkauft. Damit löst er ein Familiendrama aus. „Kriege sind überflüssig. Sie bringen Einsamkeit und den Verlust von Liebe und Zukunft“, resümiert der Charakterdarsteller.

Er will aber auch heutzutage nicht von Frieden sprechen. „Krieg gibt es immer wieder, und er ist überall. Ob in den Familien oder in der Politik.“ Eine Erkenntnis, die einen Heinz Hoenig nicht von seinen Zielen abbringt. Er bleibt ein Optimist: „Es liegt an uns, der Sache eine positive Wendung zu geben. Packen wir es an. Unsere Hoffnung und unsere Zukunft sind die Kinder!“