Einmal muss Schluss sein. Aber wie Abschied nehmen? Das ist die Schlüsselfrage aller Serientäter im Fernsehen. Soll man sich in der letzten Folge totschießen lassen wie weiland Michael Douglas in „Die Straßen von San Francisco“? Mit einem letzten „Scheiße“-Ruf per Gleitschirm davonsegeln wie Götz George im „Tatort“? Oder einfach für eine letzte Folge nicht mehr zur Verfügung stehen wie Dominic Raacke?

Iris Berben ging schon seit einiger Zeit mit der Idee schwanger, als Kommissarin Rosa Roth den Dienst zu quittieren. Die Tatsache, dass ihr Leib- Und Magenregisseur Carlo Rola nach einem unschönen Schleichwerbungsskandal ausschied, mag den Entschluss bekräftigt haben. Am heutigen Sonnabend läuft im ZDF (20.15 Uhr) die letzte Folge.

Die 63-Jährige hat jetzt einen bewusst krummen Termin gewählt. Nicht die 30. Folge, die lief schon im vergangenen Jahr. Aber auch nicht das 20. Dienstjubiläum, das wäre erst nächstes Jahr.

Die Folge 31, die einzige der Reihe, die Rola nicht inszeniert hat, trägt den Titel „Der Schuss“. Und das ließ das Schlimmste befürchten. Das Michael-Douglas-Ende. Das aber wäre der Schauspielerin zu billig gewesen, so wollte sie ihre Figur, die sie ja kräftig mitentwickelt hat, nicht gehen lassen.

„Und wenn es das Letzte ist, was ich tue“

Sie ist es, die den titelgebenden Schuss abgibt. Und damit trifft sie versehentlich ein kleines Mädchen. Das treibt Rosa Roth in die Sinnkrise. Ist sie schon zu alt, reagiert sie nicht mehr schnell genug? Und in der Krise steckt sie sowieso. Weil sie gerade vor Gericht öffentlich vorgeführt wird. Deshalb sagt sie oft „Scheiße“ in dieser Folge. Das hat sie immer schon getan, aber diesmal tut sie es besonders oft. Das kulminiert in dem Ausbruch: „Leckt mich doch am Arsch. Macht Eure Scheiße doch alleine.“ Das ist eher ein George-Ende. Überhaupt war diese Frau Roth Herrn Schimanski ja immer schon nicht ganz unähnlich, was Ruppigkeit und Einzelgängertum anging.

Die Serien-Macher haben gründlich über ein geeignetes Finale nachgedacht. Und fanden dies – in der allerersten „Rosa Roth“-Folge, „In Liebe und Tod“, ausgestrahlt am 5.11.1994. Da wurde der Geliebte von Rosa Roth, gespielt von Sebastian Koch, erschossen, der Strippenzieher (Hans Michael Rehberg) kam aber ungeschoren davon. Und sie rief ihm ins Gesicht: „Ich krieg Sie. Ich krieg Sie. Und wenn es das Letzte ist, was ich in diesem Verein tue.“ Man muss sich an diese Szene nicht erinnern. Iris Berben war sie auch nicht mehr geläufig. Aber ganz fein wird die Dramaturgie von damals variiert und gespiegelt. Da schließt sich ein Kreis.

Damals jung, heute unverkrampft

Man sieht Rückblenden aus dieser ersten Folge. Sieht, wie jung Iris Berben einmal war in der Rolle, aber auch wie steif und ein wenig verkrampft sie anfangs noch agiert. Sie hat sich in diese Rolle hinein-, hat sich freigespielt. Auch Rehberg, heute 75, spielt in Folge 31 wieder mit. Noch einmal will sie ihn dingfest machen. Scheitert aber erneut. Scheitern statt Sterben: Ein würdiger Abgang für die kämpferische Kommissarin. Am Ende packt sie einen Karton mit dem Nötigsten vom Schreibtisch. Und geht. Ihre Kollegen bleiben zurück. Wir Zuschauer auch. Sie wird uns fehlen.

Rosa Roth: „Der Schuss“, ZDF, 12. Oktober 2013, 20.15 Uhr