Das Porträt

Vlad Chiriac zeigt auf der Bühne viele Gesichter

Der Schauspieler hat täglich zwei Vorstellungen im Amphitheater im Monbijoupark. Er spielt in „Volpone oder Der Fuchs“ den Sohn des Raben und in „Amphitryon“ den Diener des Feldherrn.

Foto: JakobHoff / Jakob Hoff

Als Sosias in Molières griechischer Komödie „Amphitryon“ begeistert er allabendlich das Publikum im Theater Hexenkessel. In dem unterhaltsamen Verwirrspiel zwischen Ohnmacht und Identitätskrise stolpert Sosias, der Diener von Amphitryon, unbeholfen auf die Bühne, rutscht demütig auf den Knien herum und schaut hilflos und anrührend aus seinen sanft-braunen Augen drein. Eine „Paraderolle“ für Vlad Chiriac, in der er sein komödiantisches Talent ausleben kann. „Allein die Zungenbrecher sorgen für Lacher“, so der Schauspieler. Seit 2007 ist Chiriac schon Mitglied des Ensembles, zeigte sich unter anderem als Hänsel oder als Romeo und stellte in jeder Hinsicht seine Vielseitigkeit unter Beweis. „In diesen Rollen musste ich mich rasieren“, gesteht der 34-jährige, was ihn als überzeugter Träger eines Dreitagebarts nicht glücklich machte. Deshalb blieben ihm diese beiden Darstellungen wohl besonders im Gedächtnis haften.

Mit Herz und Humor

Chiriac, 1979 in Bukarest geboren und in Stuttgart aufgewachsen, fühlt sich wohl im Amphitheater und in den Märchenhütten, die im Winter als Bühne dienen. „Die familiäre Atmosphäre im Ensemble ist einzigartig“, erzählt der junge Vater und schaut dabei auf seinen vierjährigen Sohn, der ihn zum Interviewtermin auf das Bunkerdach im Monbijoupark begleitet hat. „Emile ist mein ganzes Glück“, sagt er und seine Augen blicken wieder sehr sanft. Emile streckt die Zunge raus, will provozieren. Aber Papa spielt nicht mit. Er grinst nur.

Da erübrigt sich wohl die Frage nach dem Humor. Chiriac ist nach eigener Aussage ein „lustiger Zeitgenosse“, der leider auch in ernsten Situationen mal einen Scherz machen kann. „Das kommt leider bei Frauen nicht gut an“, stellt er fest. Wahrlich nicht! Zurzeit lebt Chiriac in einer Wohngemeinschaft, getrennt von der Mutter seines Sohnes, die aus Kasachstan stammt. Sein Kind sieht er so oft es möglich ist. Zusammen unternehmen die beiden „Männer“ viel und haben Spaß miteinander. Manchmal ist auch die Mutter mit von der Partie. An den heißen Sommertagen paddelten sie im eigenen Boot auf dem Tonsee bei Groß Köris herum.

Mehr als nur ein Standbein

Vlad Chiriac würde gern mehr Sport treiben, aber leider bleibt ihm in der Saison wenig Zeit. Bewegung war ihm immer wichtig. Seit seinem sechsten Lebensjahr hat er Leichtathletik betrieben, danach spielte er Handball, Fußball und Tennis. Beim Handball – „Ich stand im Tor!“ – blieb der sportliche Mittdreißiger dann hängen. Auch als Schauspieler ist er sehr vielseitig: Tanz, Gesang, Akrobatik, alles kein Problem. Sieht er im Theater Hexenkessel seine Zukunft? Kurze Antwort: „Ja.“ Auf den Bühnen im Monbijoupark will Chiriac weiter spielen, „weil das mehr als nur ein Standbein ist“. Weitere Begründung: Die Rollen sind toll und auch die Inszenierungen – alles wird immer professioneller.

Mit den Aufgaben wächst man. Das findet auch Kollegin Carsta Zimmermann, die in der Theaterkomödie „Amphitryon“ seine Gattin Clea spielt. „Es ist eine Freude, wie sich Vlad in den letzten Jahren entwickelt hat. Er passt wunderbar in diese Truppe.“ Die Schauspielerin und Mitbegründerin des Hexenkessel Hoftheaters bezeichnet ihren Spielpartner als verlässlich, intensiv und fantasievoll. Im Hexenkessel braut das Ensemble sein eigenes Süppchen. „Beim gemeinsamen Mittagessen plaudern wir nicht nur über das Theater“, so Chiriac, „nein, hier nimmt jeder Anteil am Schicksal des anderen und nicht selten entstehen feste Freundschaften – vielleicht sogar fürs Leben.“ Geplant ist demnächst eine gemeinsame Urlaubsreise nach La Gomera. Mit dem Mountainbike durch die Landschaft radeln, wandern und Fisch essen, darauf freut sich nicht nur Chiriac.

Online-Voting über Serien-Piloten

Der südländische Schwabe ist ein Lebenskünstler. Früh lernte er, dass es wichtig ist, den Augenblick zu genießen und das Kommende so zu nehmen, wie es ist. „Mit 18 Jahren verlor ich meinen Vater, den ich sehr bewundert habe. Er verließ sein Heimatland Rumänien, um in Deutschland sein Glück zu suchen und fand es in Stuttgart, wo er bei Daimler Benz als Maschinenbau-Ingenieur arbeitete. Er hat seinen Traum verwirklicht!“ Auch seine Mutter prägte ihn. Sie wuchs zwar in Rumänien auf, ist aber deutschstämmig (die Oma heißt Ilse Müller) und beherrscht die deutsche Sprache perfekt. „Sie ist Deutschlehrerin geworden“, sagt Chiriac, der akzentfrei spricht. Wohl ein Verdienst der Mutter, die immer großen Wert auf seine Ausbildung legte. Nach dem Abitur studierte der junge Mann Germanistik/Anglistik/Amerikanistik an der Uni Bonn. Wie er zur Schauspielerei kam? „Na, weil ich das eigentlich schon immer machen wollte, schon seit ich in der dritten Klasse den ,Kartoffelkönig’ in der Kirche gespielt habe“, lautet die Erklärung. So besuchte Chiriac von 2002 bis 2005 die Schauspielschule Charlottenburg und blieb in Berlin. Es folgten Film- und Fernsehrollen, zum Beispiel im Tatort, bei Notruf Hafenkante und Soko Leipzig.

Am heutigen Freitag ist Vlad als Gerdy in dem Serien-Piloten „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnent!“ auf ZDF-neo zu sehen. Per Online-Voting können die Zuschauer darüber entscheiden, ob damit in Serie gegangen wird. Zudem arbeitet der Künstler als Synchronsprecher.

Chiriac sieht gelassen in die Zukunft. Alles fügt sich von ganz alleine, davon ist er überzeugt und schaut dabei liebevoll auf seinen kleinen Sohn Emile, der übrigens seine ausdrucksstarken, braunen Augen geerbt hat.

„Amphitryon“ wird gezeigt dienstags bis sonnabends, 19.30 Uhr, „Volpone oder Der Fuchs“, ebenfalls dienstags bis sonnabends, 21.30 Uhr. Die Vorstellungen laufen noch bis 7. September im Theater Hexenkessel.

www.amphitheater-berlin.de

Foto: Bernd Schoenberger

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