Filmstandort

Wie Berlin Clooney für Schöneweide begeistern kann

Berlin ist Deutschlands Filmstandort Nummer 1. Dafür sollte sich auch die regionale Wirtschaft mehr interessieren, meinen Experten. Eine Diskussionsrunde wollte hier den Anfang machen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

In Berlin wird immer mehr gedreht. Das merkt man nicht nur, wenn ein Tom Cruise die Innenstadt zum Erliegen bringt. Sondern auch, wenn man in der eigenen Nachbarschaft keine Parkplätze mehr kriegt oder ein Catering-Truck den Zugang versperrt. Längst ist die Hauptstadt auch Filmhauptstadt. Jeder geförderte Euro wird hier vierfach wieder ausgegeben. Muss man da noch für den Film als Wirtschaftsstandort werben?

Das Medienboard Berlin-Brandenburg hat am Montag gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu einem Podiumsgespräch geladen: „Filmstars in Berlin – so schön kann Wirtschaftskraft sein“. Und zwar nicht, um sich die eigene Branche schön zu reden. Sondern um sie anderen Wirtschaftszweigen, die nicht unmittelbar mit Film zu tun haben, schmackhaft zu machen.

Die Idee kam vom Regierenden Klaus Wowereit, der denn auch mit auch auf dem Podium sitzt. Um ihn herum lauter Männer und eine Frau, die alle auf ihre Art den Standort so attraktiv machen: Kirsten Niehuus vom Medienboard, dem zweitgrößten regionalen Fördertopf der Republik. Christoph Fisser vom Studio Babelsberg, wo internationale Filmschaffende Großprojekte realisieren. Stefan Arndt, mit X Filme der erfolgreichste Produzent Berlins. Und Martin Bachmann, Chef der deutschen Columbia, die Stars ihrer Hollywoodfilme zu Premieren nach Berlin bringt.

Das Ampelmännchen ins Drehbuch schreiben

Das Konferenzzentrum des Ludwig-Erhard-Hauses ist nur halb voll, so groß scheint das Interesse der Wirtschaft nicht zu sein. Vielleicht hat da noch ein echter Filmstar, ein Glamour-Faktor gefehlt. Aber die Fragen aus dem Publikum sind dafür ganz konkret. Wie man denn einen George Clooney dazu bringen könne, etwas Nettes über Schönweide zu sagen, fragt ein Regionalmanager von ebenda. Die Effekte seien doch auch da, wenn Clooney nicht jeden einzelnen Ort bewirbt, wehrt Fisser ab. Und Frau Niehuus assistiert: Vielleicht ginge es ja auch eine Nummer kleiner? Es wohne doch sicher jemand vom Film in Schöneweide.

Aus der IHK selbst kommt die Frage, wie man denn die Weltzeituhr oder das Ampelmännchen in einen Film bekäme. Das sei bei einem Deal nicht so entscheidend, wiegelt Arndt ab. Man könne aber schon versuchen, das ins Drehbuch zu schreiben, versucht Fisser eine Ehrenrettung. Und Bachmann meint, Product Placement sei durchaus eine wichtige Kategorie.

Da zeigt sich vor allem, wie unterschiedlich Produzenten, Verleiher und Studiobosse denken. Ihnen geht es darum, den Standort attraktiv zu halten. Etwas, wofür Wowereit seit langem kämpft und was er weiter propagieren will: dass man den Leuten auch signalisiert, dass sie hier willkommen sind. Der Zug, warnt Arndt, zieht ständig weiter, dahin, wo es billiger ist. Deshalb müsse man die Leute noch fester hierher binden.

Dann wird es hochpolitisch. „Wir wollen den Fremdenverkehrs-Etat haben“, meint Arndt. Und Wowereit stimmt insofern zu, dass man bei keinem Sportereignis den Werbeeffekt für den Standort erklären müsse, „diese Wertigkeit“ müsse man auch für den Film hinkriegen.

Die Schlümpfe und das blaue Dorf

Der Mehrwert für den kleinen Anleger aus der Region bleibt da eher gering. Bachmann erzählt, wie man für den Columbia-Film „Die Schlümpfe“ ein ganzes Dorf in Spanien blau angemalt habe. Das wurde vielfach belächelt, aber in dem Ort herrschte zuvor eine hohe Arbeitslosigkeit, jetzt würden dort die Touristenbusse durchfahren. Womit Bachmann nicht sagen will, dass man nun für den baldigen Filmstart von „Die Schlümpfe 2“ Berlin blau anmalen solle. Aber man müsse sich halt genau überlegen, wie man den Werbeeffekt von Filmen für sich selber nutzen könne.

Man kann ja auch kleine Brötchen backen, etwa Produkte für die Geschenketüte, die Besucher nach einem Filmempfang mit nach Hause nehmen können. Das ist ein Vorschlag von Frau Niehuus. Das ist jetzt vielleicht aber eine Nummer zu klein gedacht.