Trauerfeier

Freunde und Kollegen nehmen Abschied von Sven Lehmann

Im Deutschen Theater in Berlin erinnerten Freunde und Kollegen in einer berührenden Trauerfeier an Schauspieler Sven Lehmann. Er war mit nur 47 Jahren gestorben.

Foto: Arno Declair

Wer auf den letzten Drücker kam, hatte Probleme, einen Platz zu finden: Bis hinauf in den 2. Rang des Deutschen Theaters in Berlin-Mitte saßen Freunde, Kollegen, Angehörige; Menschen, die ihn geschätzt, die ihn verehrt haben: seine warmherzige Art, seinen Humor, sein wunderbares Spiel auf der Bühne.

Die Sonne hat für Sven Lehmann am Sonntag noch einmal geschienen; an dem Tag der Trauerfeier, wo so viele gekommen waren, um von ihm Abschied zu nehmen und ihn in Erinnerung zu behalten.

Das Gesicht dick geschminkt, wie als Bassa Selim in der „Entführung aus dem Serail“ an der Staatsoper, erkannte man Sven Lehmann sofort, nachdem er das erste Wort gesprochen hatte. Diese Stimme! Es war ein Ausflug ins Musiktheater, Regisseur Michael Thalheimer hatte inszeniert, die beiden verband nicht nur eine künstlerische Freundschaft. Ich traf den Schauspieler zufällig im Vorfeld der Premiere an der Staatsoper, da gab es irgendeine Pressekonferenz zur anstehenden Sanierung, Sven hatte seine Angel dabei, erzählte, dass er nach der Probe noch ans Wasser wollte.

Mit dem Fisch in den Händen

Es war eine bewegende, berührende Trauerfeier, das sagt man immer schnell, aber in diesem Fall stimmte es auch. Es gab bei der Veranstaltung im Deutschen Theater (DT) neben Szenen- auch Privatfotos zu sehen, eines zeigte ihn mit einem Fisch in den Händen. Nicht so groß wie der auf dem legendären Foto von Ernest Hemingway, aber dafür sicher selbst gefangen.

Hiddensee war einer der Sehnsuchtsorte für ihn und seine Julia, daran erinnerte Kollegin Barbara Schnitzler, die erzählte, dass Sven Lehmann immer im Mai nach den Fahrplänen der Weißen Flotte fragte. In diesem Jahr nicht. Der Schauspieler starb am 3. April 2013 im Alter von nur 47 Jahren. Lehmann, der in seiner Jugend Fechter im DDR-Dress war, litt an einer Krankheit, die nie genau diagnostiziert werden konnte. Man konnte ihm beim Wenigerwerden zusehen.

Der ungeliebte NVA-Schlabberpulli

Ulrich Khuon, der Intendant des DT, sprach davon, wie Lehmann ihm am Telefon von neuen Therapien berichtete und auch davon, dass er mal wieder Appetit auf eine Torte hatte. Für Sven Lehmann war das Deutsche Theater ein „Lebenszentrum“, es war die Bühne, die er immer bewundert hatte. Nach seiner Ausbildung an der Ernst-Busch-Hochschule folgen Engagements in Bremen und München, 2001 kam er schließlich an sein Traumhaus.

Gemeinsam mit Ingo Hülsmann, die beiden waren das, was man ein Schauspielerduo nennt. Legendär ihr Zusammenspiel in „Emilia Galotti“ und natürlich als Faust/Mephisto – Lehmann im ungeliebten NVA-Schlabberpulli, auf dem Regisseur Thalheimer bestand, was zu einem heftigen Disput bei einer Probe führte, wie der langjährige DT-Dramaturg Oliver Reese sagte. Für Hülsmanns Kinder war sein Bühnenpartner der Onkel Sven.

Frust in der Theaterkantine

Hülsmann erinnerte an den Beginn der Freundschaft. Es war in der Kantine des Münchner Residenztheaters. Der Pächter wollte schließen, nur ein Mann saß noch an einem Tisch. Hülsmann sprach ihn an. „Ich hab‘ ein Problem“, sagte Lehmann, „ich habe hier einen Vertrag unterschrieben“. „Was ist daran das Problem?“ „Ich habe die Premiere gesehen: ,Der Glöckner von Notre Dame’ war schlecht. Und du warst auch schlecht.“ Es war eine „Scheiß-Zeit“ in München, aber bald folgte die „beste Zeit“ am DT Berlin.

Ich wollte immer ein Porträt über Sven Lehman schreiben, den ich außerordentlich geschätzt habe. Ich habe es immer aufgeschoben, aus Angst, ihm nicht gerecht zu werden. Banale Formulierungen zu benutzen, wo erhabene angebracht gewesen wären. Ich wollte es schließlich anlässlich der für Ende März angesetzten Premiere der „Geschichten aus dem Wiener Wald“ nachholen. Ich bekam eine Absage vom Theater, es sei unsicher, ob Sven Lehmann wegen einer Erkrankung überhaupt mitspielen könne. Jetzt ist es zu spät.

Die Sonne, die schien heute nur für Dich, Sven.