Comedypreis 2012

Cindy aus Marzahn ist die beste Komikerin des Landes

Die Berlinerin erhielt zum vierten Mal in Folge den Deutschen Comedypreis. Der Humor auf der Gala war mitunter grenzwertig.

Foto: Hermann J. Knippertz / dapd

An ihr scheiden sich die Geister. Entweder man mag Cindy aus Marzahn oder aber, man lehnt sie total ab. Auf jeden Fall hat die Berlinerin so etwas wie ein Dauerabo auf den Deutschen Comedypreis: Zum vierten Mal in Folge darf sie sich beste Komikerin nennen. Zur Preisverleihung kam sie übrigens mal nicht in Pink und Schlabberanzug, sondern im Abendkleid.

Erneut wurden auch Oliver Welke, Bülent Ceylan und Martina Hill in einer von 15 Kategorien prämiert. Beim Deutschen Comedypreis 2012 machten wie gewohnt altbekannte Humorgrößen das Rennen. Neue Gesichter bildeten bei der TV-Gala nur die Ausnahme. Die Show wurde bereits am Dienstagabend aufgezeichnet, aber von RTL erst am Freitagabend gesendet. In diesem Jahr gab es Preise in 15 Kategorien. Durch die mehrstündige Show im Kölner Coloneum hatte Dieter Nuhr geführt.

Die Nominierungen sind so gewählt, dass viele Kandidaten gleich mehrmals in den Genuss kommen können. Klappt es in der einen Kategorie nicht, dann vielleicht in der nächsten.

Das scheint die Humor-Elite zu ermüden. Darauf deutete zumindest das Gesicht von Elton hin. „Es ist großartig“, sagte er mit der Trophäe für das beste Comedy-Event in der Hand. Und schob schnell nach: „Ich freue mich, echt.“ Sein Ausdruck versprühte exakt das Gegenteil. Denn er hat auch schon einen Comedypreis im Regal.

Unter den bekannten Gesichtern gilt Bjarne Mädel noch als Frischling. Er gewann erstmals als bester Schauspieler und setzte sich gleichzeitig mit der NDR-Sendung „Der Tatortreiniger“ als beste Comedyserie durch. Mädel, auch bekannt als gemobbter Ernie in „Stromberg“, spielt in der NDR-Reihe den Gebäudereiniger Schotty, der am Tatort die Spuren wegwischt und sich mit Angehörigen und Hinterbliebenen in skurrile Situationen verstrickt.

So witzig viele der prämierten Akteure, Shows und Filme auch sind, die glamouröse TV-Gala driftete zu oft ab in langweilige Brüller, Beleidigungen und sexistisches Vokabular. Beliebte Opfer waren Ex-Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau. Moderator Dieter Nuhr gab vor: „Bettina Wulff hat ein Buch geschrieben. Wir wollten sie einladen. Aber sie hat gesagt, sie habe es ernst gemeint.“

Das ging noch. Dann wurden die bekannten Gerüchte noch mal aufgewärmt, ehe Nuhr das Kapitel abschloss: „Das ist Demokratie, wenn auch ein Looser Präsident werden kann.“ Manche halten sich jetzt die Hand vor den Mund.

Worte, die weder druck- noch sendefähig waren

Und dann kam noch Prollcomedian Tom Gerhardt auf die Bühne. Der „Ballermann 6“-Mime fabrizierte im tief ausgeschnittenen Weihnachtskostüm kombiniert mit Goldkettchen reihenweise Fäkalhumor. „Ich mache jetzt auf Harmonie“, sagte er noch und ließ nur wenige Sätze später Worte fallen, die weder druck- noch sendefähig sind. Sein Bericht über ein „Weihnachts-Gangbang“ mit „Popoleuchten“ ist da noch harmlos.

Die Sendung plätscherte Richtung Ende, da keimte plötzlich Hoffnung auf: Ausgerechnet Atze Schröder, bekannt für derben Machohumor, fand rührende Worte für seine Kollegin Gaby Köster. Die 50-Jährige ist noch immer von einem Schlaganfall gezeichnet und erhielt den Ehrenpreis. „Gaby Köster hat sich nicht unterkriegen lassen“, sagte Schröder. Sie habe viel Pein und Qual erlebt. Die Zuschauer erhoben sich, applaudierten.

Die Rheinländerin – mit blauem Kostüm und Rastazöpfen – hielt sich am Rednerpult fest und sagte: „Ich bin durch einen langen Tunnel gegangen und zeitweise gerollt.“ Aber wichtige Freunde hätten sie nicht im Stich gelassen. Sie rief: „Ich komme wieder. Ich gehe nämlich nächstes Jahr auf Lesereise.“ Die Trophäe sei nicht geeignet für Schlaganfallpatienten, da zu schwer. Nach einem langen Abend sei jetzt „endlich mal ein Bierchen fällig“. Das Publikum lachte.

Alle Gewinner des Deutschen Comedypreises 2012

Bester Komiker: Oliver Welke

Beste Komikerin: Cindy aus Marzahn

Bester Schauspieler: Bjarne Mädel

Beste Schauspielerin: Martina Hill

Beste Comedyshow: „heute-show“ (ZDF)

Beste Comedyserie: „Der Tatortreiniger“ (NDR)

Beste Sketchcomedy: „Knallerfrauen“ (Sat.1)

Bestes Comedyevent: „Elton vs. Simon – Die Live-Show“ (ProSieben)

Bestes TV-Soloprogramm: „Olaf Schubert live! Meine Kämpfe“ (RTL)

Beste TV-Komödie: „Stankowskis Millionen“ (ZDF)

Erfolgreichster Live-Act: Bülent Ceylan

Erfolgreichste Kino-Komödie: Türkisch für Anfänger

Sonderpreis: Thomas Hermanns

Ehrenpreis: Gaby Köster

Bester Newcomer: David Werker

Der Comedypreis wird seit 1997 von einer unabhängigen Jury verliehen. Juryvorsitzender ist Thomas Hermanns. Die Premiere fand noch ohne TV-Übertragung statt. Seit 1998 präsentiert RTL die Verleihung. Und seit mehr als zehn Jahren werden die Trophäen innerhalb einer glamourösen TV-Gala übergeben.