Schwulenfeindlicher Reggae-Star

Sizzla-Konzert gleich doppelt geplatzt

Der wegen seiner schwulenfeindlichen Texte berüchtigte Reggae-Star Sizzla konnte am Donnerstagabend nicht in Berlin spielen. Nach einer Absage des Kesselhauses im Prenzlauer Berg ist später auch das Ausweichkonzert in Huxley’s Neuer Welt geplatzt.

Nach Angaben der Konzertagentur Trinity Concerts hat sich der Club in der Hasenheide geweigert, den umstrittenen Reggae-Sänger auftreten zu lassen. Sizzla sollte eigentlich am Donnerstagabend im Kesselhaus in Prenzlauer Berg auftreten. Nach massiven Protesten hatte das Kesselhaus das Konzert des jamaikanischen Reggae-Stars Sizzla in letzter Minute abgesagt, wie Anne Katrin Hülsmann vom Kesselhaus Morgenpost Online bestätigte. Doch dann meldete Trinity Concerts, dass der Sänger auf einen anderen Veranstaltungsort ausgewichen sei. Der jamaikanische Künstler sollte am Abend im Huxley’s auftreten, hieß es zunächst.

Die Agentur habe am Donnerstag den Auftrag bekommen, eine Location für ein Geheimkonzert zu organisieren, sagte ein Sprecher von Trinity Concerts. Der Name des Künstlers sei darin nicht aufgeführt worden. Erst später habe man erfahren, dass es sich um Sizzla handelt, sagte der Sprecher. Der Vertrag sei aber rechtskräftig und könne nicht mehr gekündigt werden. Der Club entschied aber anders.

Gegen den Auftritt hatte sich im Vorfeld heftiger Widerstand formiert. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, das Schwulenzentrum Berlin (SchwuZ) sowie die Linken-Politikerin Evrim Baba hatte zu einer Demonstration gegen das Konzert aufgerufen. Auch andere Berliner Clubs sprachen sich gegen den Auftritt aus. So rief die Clubcommission - ein Verband Berliner Clubs und Partyveranstalter - dazu auf, die Demonstration zu unterstützen. Rund 250 Menschen demonstrierten am Donnerstagabend gegen das geplante Konzert.

Der Grünen-Politiker Volker Beck hatte zudem am Mittwoch ein Einreiseverbot für den Reggae-Musiker gefordert. Der Sänger habe in seinen Songtexten mehrfach zum Mord an Schwulen aufgerufen. Sizzla gehöre zu den „geistigen Brandstiftern der Pogrome gegen Schwule in Jamaika“, sagte Beck im Deutschlandradio Kultur. „Diese Leute haben keinen Anspruch darauf, hierher einzureisen.“

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien verwies auf zwei in diesem Jahr indizierte CD des Sängers. Auf beiden werde zur Tötung von Schwulen aufgerufen, sagte eine Sprecherin in Bonn. Homosexuelle würden zudem diskriminiert und in ihrer Würde verletzt.

Der verhinderte Sizzla-Auftritt ist das nicht erste Konzert eines Reggaestars in Berlin, das wegen Schwulenfeindlichkeit scheiterte. Im vergangenen Jahr war ein Konzert des jamaikanischen Musikers Bounty Killer in der Berliner Kulturbrauerei nach Protesten gegen dessen schwulenfeindliche Texte abgesagt worden.

Das sagen die Twitter-Nutzer zu den geplatzten Sizzla-Auftritten:

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