Berliner Konzert

Mando Diao machen Arena zur Pilgerstätte

In den Straßen rund um die Arena in Treptow herrschte am Freitagabend Chaos. Hunderte drehten ihre Runden um die Halle, um noch rechtzeitig vor Beginn von Mando Diao einen Parkplatz zu finden. Auf den Fußwegen hatte längst eine Pilgerwanderung eingesetzt. Die selbst ernannte beste Band der Welt war zu Gast in Berlin.

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Sie haben sich immer für die beste Band der Welt gehalten. Gerade zu Anfang ihrer Karriere betonten sie das in fast jedem Interview. Vor sechs Jahren überrumpelten sie uns geradezu, hielten sie mit den Alben „Bring `Em In“ und „Hurricane Bar“ als unbedarfte Schweden mal eben einen Crashkurs in Sachen Musikgeschichte ab. Man dachte, die seien nicht ganz bei Trost und bald wieder vergessen. Jetzt schreiben wir das Jahr 2009 und Mando Diao sind immer noch da – um es vorsichtig auszudrücken.

Hierzulande ist die von der Doppelspitze Gustaf Norén und Björn Dixgård angeführte Band inzwischen ein richtig dickes Ding. Musikmagazine rechnen sich bei Erscheinen eines neuen Albums gute Verkaufszahlen aus, ihre Live-Konzerte wie das in der gefühlt ausverkauften Arena Treptow werden zu Wallfahrtsveranstaltungen. In einigen anderen europäischen Ländern ist das ähnlich. Dort aber, wo man wirklich was wird im Rock, in Britannien oder den USA nämlich, kennt die Skandinavier kaum jemand. Die von der Insel stammende und für das Vorprogramm der „Give Me Fire“-Tour engagierte Band The Rumble Strips wird sich gedacht haben: Was geht denn hier ab?

Der Auftritt von Mando Diao beginnt mit Operngesang von CD, aber schnell wird klar, dass alles echt ist. Die Nordmänner transportieren den Geist der Pop- und Rockmusik der Vergangenheit in die Gegenwart. Ihr Bühnenbild, zu dem ein großes Treppenpodest gehört, erinnert an Fernsehauftritte von Beat-Bands aus den sechziger Jahren, die man sich heute zum Beispiel bei Youtube anschauen kann. The Who, The Small Faces, The Rolling Stones oder The Doors tönen immer mal wieder als Vorbilder durch, aber auch die Leidenschaft des Soul spielt eine große Rolle, nicht umsonst hieß die erste Single von Mando Diao „Motown Blood“.

In der Arena spürt man jederzeit, wie bedingungslos die Hingabe und grenzenlos die Überzeugung der Skandinavier sind. Kaum ein Song von ihnen wird nicht zur Hymne. Norén und Dixgård singen meistens zusammen, dadurch klingen ihre Melodien ungemein kraftvoll. Schlagzeuger Samuel Giers ist ein rastloser Antreiber, in seinen Rhythmen steckt die Drehzahl eines Turbomotors. Keyboarder und Pianist Mats Björke sorgt zum Beispiel in „Mean Street“ für raffinierte Zwischentöne. Mit diesem Song verabschieden sich die Schweden zum ersten Mal von ihren Fans. Natürlich gibt es noch die heftig geforderten Zugaben. Wer in der besten Band der Welt spielen will, darf sich für Überminuten nicht zu schade sein.