Gerade wurde Jan Delay in der Kategorie bester HipHop-Künstler mit dem Echo-Musikpreis ausgezeichnet. Die Entscheidung war nicht unumstritten. Denn Delay ist längst nicht mehr nur der näselnd rappende HipHopper, der einst mit den Absolute Beginners Erfolge feierte.
Schon 2006 hat er mit „Mercedes-Dance“ den Kurs gewechselt. Und auch das jüngste Album des 33jährigen Hamburgers, „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“, schaffte den Sprung an die Spitze der Charts. Jan Delay ist dem HipHop längst entwachsen.
Mit hellblauem Anzug, weinrotem Hemd, weißem Schlips und Hut hätte er beim Saturday-Night-Fever-Gedächtniswettbewerb alle Chancen. Man fühlt sich auch an Kid Creole erinnert, der in den frühen Achtzigern als tropischer Gangster einen unterhaltsamen Tanzsound kreierte und immer sehr adrett in Erscheinung trat. Fragt man Delay persönlich nach den Motiven für sein Tun, erwidert er immer wieder, dass er die deutsche Seele entkrampfen möchte.
Live tut er das, indem er sein Publikum dazu auffordert, kuriose Turnübungen nachzumachen. Besonders komisch ist eine Tanzfigur mit Schritten zur Seite und abschließender Backpfeifenbewegung, die sich nach dem gleichnamigen Boxer „Axel Schulz“ nennt. Der Sport hat es Delay ohnehin angetan. „Wir versuchen immer, bei jedem Konzert die Gegebenheiten in der jeweiligen Stadt zu berücksichtigen, in der wir gerade spielen“, sagt er. Und kündigt beispielsweise in der C-Halle (vorher Columbiahalle) seinen Song „Im Arsch“ an, den er dem Fußballklub Hertha BSC widmet. Er spielt das Stück dann doch nicht, hat aber die Lacher auf seiner Seite.
Auffällig sind an diesem Abend mit Delay und seiner großartigen Band Disco No.1 Anleihen beim schwarzen Clubsound der achtziger Jahre. Der „Superfreak“ von Rick James wird ausgegraben und an vielen Stellen muss man in den frühen Prince denken.
Am liebsten feiert das Publikum aber doch Jan Delays eigene Stücke. Bei den jüngsten Hits „Oh Jonny“ und „Disko“ werden auch die letzten reservierten Besucher wach. Nach 90 treibenden Minuten herrscht Zufriedenheit im vollen Saal. Die Operation Entkrampfung macht Fortschritte.




