Arena Treptow

30 Seconds To Mars triumphieren in Berlin

Für zwei Stunden Euphorie haben 30 Seconds To Mars in der Arena Treptow gesorgt. Zu bestem Sound dirigierten sie die textsicheren Fans. Es wurde ein geradezu rauschhafter Abend mit Lichtblitzen, Suchscheinwerfern, donnerndem Rock - und einem kleinen Durchhänger.

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Der Mann tanzt auf vielen Hochzeiten. Und macht dabei stets gute Figur. Egal, ob als Schauspieler in Hollywoodfilmen wie „Fight Club“, „Panic Room“ oder „Alexander“, ob in Klatschspalten an der Seite von Cameron Diaz und Scarlett Johansson, oder auf der Rockbühne mit seiner Band 30 Seconds To Mars. Wobei es vor allem seine Musik ist, die den inzwischen 38-jährigen Jared Leto antreibt. Schon als er 1992 in Los Angeles ankam, hatte er vor allem ein Ziel: eine Band zu gründen. Gelandet ist er in einer erfolgreichen TV-Serie („Willkommen im Leben“) und etlichen Kinoproduktionen.

1998 klappte es dann doch mit der Band, die er gemeinsam mit seinem Schlagzeug spielenden Bruder Shannon ins Leben rief, und inzwischen, nach dem dritten Album „This Is War“, sind 30 Seconds To Mars vielfach ausgezeichnet, platinveredelt und eine der gefragtesten Rockformationen diesseits und jenseits des Atlantiks. Die für das Berlin-Konzert ursprünglich geplante C-Halle wurde mit ihren 3000 Plätzen schnell zu klein, so zog man kurzerhand in die mehr als doppelt so große Arena Treptow um, in der die vielseitige Alternative-Band am Mittwochabend vor vollem Haus auf geradezu beängstigend rauschhafte Weise gefeiert wurde.

Es ist schon nach 21 Uhr, zwei Vorgruppen haben sich bereits abgearbeitet, als düster-elektronisches Soundgewaber und martialisches Trommelstampfen durch die historische Industriehalle schnaubt. Als der schwarze Vorhang fällt, will die Euphorie für die nächsten knapp zwei Stunden kein Ende nehmen. Mit „Escape“ vom aktuellen Album eröffnen 30 Seconds To Mars zwischen Lichtblitzen und flatternden weißen Fahnen eine von Bombast und Pathos getränkte Show mit Höhen und Tiefen. Jared Leto singt, ja schreit sich unruhig die Seele aus dem Leib. Er posiert mit messianischer Geste, er hastet im Dauerlauf über die Bühne. Auf hohem Podest an der Bühnenseite thront der machtvoll exakt berserkernde Schlagwerker Shannon Leto. Ein Gitarrist und ein Keyboarder komplettieren die Live-Besetzung. Dazu kommen immer wieder einige Trommler, mit Suchscheinwerfern hantierende Tänzer und Fahnenschwenker.

Der Sound ist bestens und das Tempo vorerst enorm. Stilistisch irgendwo zwischen Who, U2 und Muse angesiedelt und mit einer Prise Nine Inch Nails gewürzt, arbeiten sich die Musiker an neuen und älteren Songs ab, die sich durch stilistisch vielfältige Arrangements und knackige Weltverbesserer-Parolen auszeichnen. Und bei nahezu jedem Stück singt das Publikum mit, Leto kann es sich erlauben, an x-beliebigen Stellen das Mikrofon einfach in den Saal zu halten. Die Fans sind textsicher. Und Leto redet gern. Er kann sich gar nicht einkriegen über seine Vernarrtheit in Berlin. In der Mitte der Show singt er allein zur Akustikgitarre und etwas fahrig „Hurricane“ und erzählt, dass er dieses Stück vor zwei Jahren in Berlin geschrieben hat. Damals war der Bühnen-Beau zu Dreharbeiten für den Film „Mr. Nobody“ in der Stadt, in dem er im Sommer an der Seite von Diane Kruger zu sehen sein wird.

„Kommt alle noch näher an die Bühne“, ruft er. „Macht einfach alle drei Schritte nach vorn“. Er gibt die Kommandos und das Fanvolk folgt. „Hebt die Hände!“, „Singt mit!!“, „Shout Out Loud!!!” Dann donnert mitunter dumpfer Stadionrock mit gewiefter Underground-Attitüde auf die Masse. Und das Publikum freut sich heiser. Dabei beginnt der Abend musikalisch nach furiosem Start etwas durchzuhängen. Irgendwann bleibt der Spot auf dem leeren Mikrofon haften und elektronische Halbheiten verkleben das Restdunkel. Stücke scheinen abrupt ins Leere zu laufen, Gitarrenriffs enden im Nirgendwo, die Dramaturgie gerät ins stolpern.

Doch zum Finale starten 30 Seconds To Mars noch einmal richtig durch mit dem pulsierenden „Closer To The Edge“ und - als Zugabe - „Kings And Queens“, für das Leto Fans gleich dutzendweise zum Choreinsatz auf die Bühne lotst. Da sage noch mal einer, die Jugend habe die Lust am Gesang verloren. Für Jared Leto jedenfalls wurde dieses Berlin-Gastspiel ein einziger Triumph.

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