Sie galten nahezu 30 Jahre lang als unzertrennlich, haben bis heute an die 70 Millionen Platten verkauft. Sie haben den Ruf, den jamaikanischen Reggae in der westlichen Welt so populär gemacht zu haben wie sonst nur Bob Marley. Doch vor zwei Jahren brach die musikalische Kumpanei namens UB40 entzwei, Sänger Ali Campbell, der den Sound der Reggae-Band aus Birmingham so nachhaltig geprägt hatte, verließ die Band im Streit.
UB40 machten mit Campbells Bruder Duncan als Sänger weiter, Ali Campbell startete mit neuer Band in die Solokarriere. Und machte nun am Dienstagabend im Rahmen der Privatkonzert-Reihe, die der Berliner Rundfunksender Spreeradio 105’5 in schöner Regelmäßigkeit veranstaltet, im nicht ganz ausverkauften Admiralspalast Station.
Ein bisschen seltsam ist es schon. Alles klingt fast wie immer. Alles klingt, als sei UB40 immer noch intakt. Als wären wir hier immer noch in den Achtzigern im Metropol am Nollendorfplatz. Und der wohlig ratternde Gleichklang wogt unbeschwert wie die Palmen am weißen Karibikstrand.
Mit „Here I Am (Come And Take Me)“ vom 89er-UB40-Album „Labour of Love II“ eröffnet Ali Campbell den Abend und der vertraut groovende Sound schmiegt sich sofort um die Hüften. Die Temptations-Coverversion „The Way You Do The Things You Do“ vom selben Album folgt.
Wer will bei solch einer Musik auch schon sitzen
Die wenigsten hält es noch in den Klappstühlen – aber wer will bei solch einer Musik auch schon sitzen. Zwei Keyboarder, drei Mann in der Bläsersektion, Bass, Gitarre, Schlagzeug und ein zweiter Sänger sorgen für den pulsierenden Reggae-Beat mit dezenten Ausflügen in Dub und Dancehall, auf dem Ali Campbells mild-warme Stimme schweben und vibrieren kann.
UB40 haben es über Jahrzehnte geschafft, ihren einmal gefundenen, poppig polierten Mainstream-Klang zu kultivieren. Was ihnen irgendwann den Ruf der Status Quo des Reggae eingebracht hat. Ali Campbell führt diese Tradition mit der über die Jahre gewonnenen Routine fort, wie auch den Kniff, neben eigenen, politisch engagierten Songs fürs Album chartkompatible Coverversionen für die Singles aufzunehmen. Die wurden dann auch die größten Nummer-1-Hits für UB40, ob Elvis Presleys „Cant Help Falling In Love“ oder Neil Diamonds „Red Red Wine“. Ali Campbell hat es nun für sein Soloprojekt mit Tom Jones’ „She’s A Lady“ getan. Und die Reggae-Rüschen stehen der alten Lady ziemlich gut.
Nach einer guten Stunde ist die runde Show wieder vorbei
Mit „Flying High“ hat Campbell im vergangenen Jahr sein drittes Soloalbum aufgenommen und das stellt er derzeit auf einer exzessiven Tournee vor, die ihn im März als „die Stimme von UB40“ nach Hawaii, im April in die Karibik und im weiteren Verlauf nach Russland und Marokko führt. Neue Songs wechseln mit alten Hits, alles wirkt wie aus einem Guss. Kräftig mitgesungen wird freilich bei Klassiken wie „Cherry Oh Baby“, dem Jamaika-Hit von Eric Donaldson, den schon die Rolling Stones 1976 coverten und der 1983 einer der großen Erfolge von UB40 wurde. „Es ist gut, wieder in Berlin zu sein“, freut sich Ali Campbell und der Jubel im Admiralspalast ist von beglückter Lautstärke.
Nach einer guten Stunde ist die runde, kompakte Show schon wieder vorbei. Es ist aber auch alles gesagt. Doch Halt: Im Zugabenblock gibt es neben „Kingston Town“ und „I’ll Be On My Way“ natürlich noch den Song, der auf immer mit UB40 verbunden bleiben wird, und wenn er zehnmal von Neil Diamond stammt: „Red Red Wine“, die ultimative Medizin gegen Liebeskummer, steigt noch einmal nostalgie-selig zu Kopf, bevor sich Ali Campbell und seine Band unter langanhaltendem Applaus endgültig verabschieden. Am Freitag stehen sie schon wieder auf der Bühne. Im King Kamehameha Hotel in Kailua-Kona auf Hawaii.




