Beleidigung

Woran Bushido verdient, dafür muss Anis F. löhnen

Weil sich der Berliner Musiker Bushido mal wieder wegen Beleidigung vor Gericht verantworten muss, standen am Montag Fans und Schaulustige im Amtsgericht Tiergarten Spalier. Doch den Auftritt vor Gericht ließ der Rapper sausen.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die Ankündigung der Berliner Justiz, dass sich ein gewisser Anis F. wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten muss, ist nicht gerade geeignet, besonderes Interesse zu erwecken. Es sei denn, Anis F. ist der bürgerliche Name des Rappers Bushido. Wenn er auftritt, strömen die Massen, ganz gleich ob er auf einer Bühne steht oder – wie eigentlich für diesen Montag geplant – vor Gericht.

Der 32-Jährige ist dafür bekannt, dass er seine Musik mit Texten versieht, die seine Fans lieben, andere hingegen als üble Beschimpfungen betrachten. Bushido verdient damit sein Geld, Anis F. hingegen darf öfter mal bezahlen. Denn was auf der Bühne als Freiheit der Kunst durchgeht, erfüllt im Alltag mitunter den Tatbestand der Beleidigung.

Der bislang letzte Auftritt, für den Anis/Bushido zur Kasse gebeten werden soll, fand im Oktober 2010 statt, als der 32-Jährige in Steglitz 15 Euro für eine Ordnungswidrigkeit bezahlen sollte. „Wenn du schon kein Bulle bist, du Vollidiot, dann tu nicht so, als wenn du was zu sagen hast“, soll der Rapper einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes beschimpft haben.

Vollidiot stellt in jedem Fall eine Beleidigung dar, doch auch das Duzen eines Staatsbediensteten ist strafbar. Ob das auch gilt, wenn ein Nichtpolizist als „Bulle“ tituliert wird, ist einer der ganz wenigen rechtlichen Bereiche, die Juristen noch nicht abschließend geklärt haben.

Der Mann vom Ordnungsamt erstattete nach dem Vorfall vom Herbst 2010 Anzeige, ein Gericht verhängte einen Strafbefehl über 21.000 Euro. Der Musiker legte Widerspruch ein, am Montag sollte darüber verhandelt werden. Schon eine halbe Stunde vorher ist auf dem Flur vor dem Sitzungssaal kein Durchkommen mehr, neben zahlreichen Pressevertretern und ebenso vielen Fans des Angeklagten hat sich auch eine Gruppe von Polizeischülern eingefunden.

Allen einen Platz im Sitzungssaal zu ermöglichen, ist eine logistische Herausforderung, die die Richterin tatsächlich irgendwie bewältigt. Pünktlich zum festgesetzten Verhandlungsbeginn erscheint auch der Verteidiger von Anis/Bushido. Und macht die erfolgreichen Bemühungen um Plätze für alle Interessierten gleich wieder zunichte. Weil er dringend etwas Vertrauliches mit Richterin und Staatsanwalt zu besprechen wünscht, müssen alle Anwesenden den Sitzungssaal und ihre mühsam ergatterten Plätze wieder verlassen. Was der Anwalt des Rappers unbedingt vertraulicht mitzuteilen hatte, gibt die Richterin kurze Zeit später weiter: Der Angeklagte ist plötzlich erkrankt, ein Attest gibt es später. Einen neuen Termin auch.