26. Lange Nacht der Museen

Besuchen Sie George Grosz und Helmut Newton

Natürlich ist es wieder frostig kalt, wenn am Sonnabend um 18 Uhr die 26. Lange Nacht der Museen beginnt. 60 Häuser präsentieren dann Ausstellungen zu Themen aus Kunst, Wissenschaft und Forschung. Morgenpost Online empfiehlt Ihnen beispielsweise Route 3.

Wissenschaft ist das große Thema der Langen Nacht der Museen, die am Sonnabend um 18 Uhr beginnt. Forscher und Restauratoren gewähren Einblicke in ihre Arbeit mit wertvollen Kunstobjekten. Streng sachlich und fachlich wird der Abend jedoch nicht: In guter Tradition empfangen die teilnehmenden Häuser ihre späten Gäste mit Konzerten, Lesungen und kulinarischen Angeboten. Die berühmten Häuser auf der Museumsinsel und die Bauten des Kulturforums am Potsdamer Platz beteiligen sich, Kirchen, Galerien und Planetarien öffnen. Die Veranstalter rechnen mit etwa 30.000 Besuchern.

Erstmals beteiligen sich Schloss Schönhausen in Pankow, die East Side Gallery in Friedrichshain und das Rathgen-Forschungslabor in Charlottenburg, das das älteste Museumslabor der Welt ist. Es ist Teil der Route 3, die die Besucher außerdem zu handwerklichem Tun und zu einer abendlichen Vogelexkursion einlädt. Der Shuttle-Bus fährt alle zehn Minuten vom Roten Rathaus bis zum Schloss Charlottenburg. Einige Highlights der Tour:

Akademie der Künste. Fotografien, Briefe, 200 kleine Skizzenbücher, außerdem große Blätter des Künstlers George Grosz zeigt die Ausstellung in der Akademie der Künste am Pariser Platz. Von 19 bis 22 Uhr gibt es Führungen. Schlager der 20er- und 30er-Jahre spielt das Premier Swingtett. Das Bistro Sarah Wiener und die Buchhandlung Fürst&Iven sind geöffnet.

Informations- und Dokumentationszentrum für die Stasiunterlagen. Das Archiv mit Materialien des Ministeriums für Staatssicherheit zeigt, wie in der DDR Briefe kontrolliert und Telefonate überwacht wurden. In der szenischen Lesung „Die Akte ‚Romeo’“ geht es um den britischen Historiker Timothy Garton Ash und seine Reise nach Ost-Berlin 1980.

Königliche Porzellanmanufaktur Berlin. Wie Porzellan geformt und bemalt wird, zeigt die Schauwerkstatt. Spielerisches Formen ist möglich. Künstler modellieren Porzellanblüten. Die Live Jazz Band spielt, es gibt Kulinarien.

Museum für Fotografie. Die Bilder von Helmut Newtons spektakulärem Fotobuch „Sumo“ sind ausgestellt. Zu sehen sind auch Arbeiten von Newtons Assistenten Mark Arbeit, George Holz und Just Loomis. „Three Boys from Pasadena“ heißt diese Ausstellung. Fotografische Methoden und Genres werden in einem Vortrag vorgestellt.

Schloss Charlottenburg. Beim nächtlichen Besuch im Sommersitz von Königin Sophie Charlotte kann man sich an den Kostbarkeiten im Porzellankabinett, an den Wohnräumen und an der Schlosskapelle erfreuen. In der Großen Orangerie erklingt Kammermusik. Höhepunkt des Abends ist das Konzert des Berliner Residenzorchesters um 20.30 Uhr mit Werken von Bach, Händel und mit Kompositionen von Friedrich II.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik. Sie zeigt etwa 2000 Abgüsse griechischer und römischer Skulpturen aus der Zeit vom 3. Jahrhundert vor Christus bis etwa um 500 nach Christus. Experten führen durch die Sammlung und zeigen, wie Abgüsse restauriert werden. In einem Vortrag geht es um die Erforschung der Porträts von Kaisern, Feldherren und Philosophen.

Bröhan-Museum. Glas ist das große Thema bei dieser Langen Nacht, mit Führungen durch die Sonderausstellung „Glas – eine Wissenschaft für sich“ und einem Vortrag zum Glas-Bestandskatalog sowie mit einem Glasharmonika-Konzert. Ein Stummfilm von 1935 über die anstrengende Arbeit der Glasmacher am Ofen ist zu sehen.

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Geschichte des Hotels Bogota an der Schlüterstraße ist in einer Ausstellung nachzuvollziehen, die um 19 Uhr eröffnet wird. Das Haus war Stätte jüdischen Kunstlebens, Werkstatt der Fotografen Yva und Helmut Newton, es wurde 1942 Sitz der Reichskulturkammer und nach 1945 Schauplatz für den künstlerischen Neubeginn. Das Andreas Hofschneider Quartett spielt Swingmusik.

Naturwissenschaftliche Sammlung. Die Sonderausstellung „Berliner – nie allein zu Haus“ zeigt, welche Tiere uns täglich in Wohnung, Gärten, auf Straßen und in Parks begegnen: Insekten, Ratten, Marder, Füchse und Wildschweine. Eine Exkursion, für die man eine Taschenlampe und festes Schuhwerk braucht, führt die Besucher in den nächtlichen Schlosspark, ins Revier der Waldkäuze.

Rathgen-Forschungslabor. Das Museumslabor stellt seine Arbeit an Kunstobjekten vor. Die Forscher untersuchen, wie Kunstwerke durch Licht und Schall, bei Transporten und durch ihre Umgebung verändert werden. Besucher werden gebeten, alte Fotografien, Tonbänder, Kassetten oder auch Plastikgegenstände wie Eierbecher und Wäscheklammern mitzubringen und für Untersuchungen zur Verfügung zu stellen.

Sammlung Scharf-Gerstenberg. In einem Vortrag erfahren die Besucher, wie die Sammlung „Surreale Welten“ mit mehr als 250 Meisterwerken entstanden ist und anschließend zum Museum wurde. Grafische Techniken werden erläutert. Welche Geschichten sich hinter einzelnen Bildern zum Beispiel von Max Klinger und Paul Klee verbergen, das erzählen zwei Kunsthistorikerinnen. Wer will, kann bis Mitternacht selbst künstlerisch tätig werden und einzelne Techniken im Atelier ausprobieren.