Lustgarten, Berliner Dom, Altes Museum – die Abendsonne an einem tiefblauen Spätsommerhimmel verzauberte am Sonnabend bereits vor 18 Uhr tausende Besucher. Gebannt von der Schönheit und Ausstrahlung der Gebäude warteten sie auf den offiziellen Start in die „Lange Nacht der Museen“. Bei Musik, Wein und kleinen Snacks stimmten sich Besucher aus der ganzen Welt auf die vor ihnen liegenden Stunden ein. Mit aufgeschlagenen Reiseführern und den Zeigefingern in Stadtplänen wurden die Stunden bis zwei Uhr nachts verplant.
92 kulturelle Einrichtungen beteiligten sich an der 27. Veranstaltung dieser Art. Und die meisten Besucher wählten den Lustgarten zum Ausgangspunkt ihrer kulturellen Reise durch die Nacht. Auf Leihfahrrädern, zu Fuß oder mit Bussen auf einer der sieben Routen ging es durch die Stadt.
„Wir lassen uns durch die Nacht treiben“, sagte Heiner Böing. An seiner Seite Ehefrau Christa. Das Ehepaar aus Bocholt in Westfalen wartete geduldig in einer Reihe auf Einlass in das Alte Museum. „Hier waren wir noch nie, aber schon das Gebäude selber ist ein Traum.“ Begonnen hatten sie ihren Abend mit der Vesper im Berliner Dom. Bereits der Klang der Orgel sei etwas ganz besonders Schönes gewesen.
Auch Laura aus Italien war fasziniert von der Vielfalt und der Stimmung rund um den Lustgarten. Seit fünf Tagen in Berlin zu Gast hatte sie nur durch Zufall von der „Langen Nacht“ gehört. „Ich war gerade im Pergamonmuseum“, sagte sie. „Wie es jetzt weiter geht, weiß ich noch nicht. Ich lasse mich überraschen.“
Aus Anlass des „Bicentenario“, des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit von zehn lateinamerikanischen Staaten, widmeten sich viele Museen speziell dieser Region. Staaten wie Bolivien, Ecuador, Argentinien und Chile feierten und feiern von 2009 bis 2011 den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit von Spanien. Viele Museen widmeten sich aus diesem Anlass mit besonderen Ausstellungen, Musik- und Tanzdarbietungen sowie Filmvorführungen.
Angekündigt und pünktlich auf die Minute um 20 Uhr näherte sich ein Hubschrauber am nächtlichen Himmel. Über dem Lustgarten und der Museumsinsel warf er in mehreren Intervallen seine poetische Fracht ab. Der „Regen der Gedichte über Berlin“ war ein Programmpunkt der tausende von Besuchern verzauberte. 100.000 Lesezeichen bedruckt mit Gedichten regneten auf die Menschenmassen nieder. Kinder und Erwachsene sprangen und rannten den flatternden Kartonstreifen hinterher. Nur wenig später war der Platz gefüllt mit rezitierenden Menschen. Jeder las das Gedicht auf seinem Streifen seinen Angehörigen vor.
Der „Regen der Gedichte" über Berlin ist nicht der erste seiner Art. Auch in Santiago de Chile, Dubrovnik/Kroatien, Gernika im Baskenland und der polnischen Hauptstadt Warschau regnete es bereits Gedichte. Allen Orten gemein sit, dass sie in der Vergangenheit Ziel schwerer Luftangriffe waren.
Knapp eine halbe Stunde später ging es für die Besucher weiter in eine der mehr als 90 Museen in der ganzen Stadt. Allerdings war es für manchen gar nicht so einfach weiterzukommen, denn gerade am Lustgarten wurde es sehr eng. Aber die Nacht ist ja lang. Bis zwei Uhr früh sind die kulturellen Nachtschwärmer unterwegs.
ag












