Schlosspark Theater

Ingrid van Bergen überzeugt als blinde Witwe

"Die Nadel der Kleopatra" von Philipp Moog und Frank Röth geschrieben hat unter der Regie von Cordula Trantow im Berliner Schlosspark Theater seine Uraufführung erlebt. Die Stars des Abends sind die Stars. Die Kombination ist ausgesprochen reizvoll: RTL-Dschungel- Königin Ingrid van Bergen und Goldene-Kamera-Preisträgerin Cosma Shiva Hagen.

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Die Kleinanzeige ist eines der effektivsten Mittel, um gleichzeitig das Leben von mindestens zwei Menschen zu ändern. Manchmal geht es dabei nur um einen neuen Job, manchmal um eine große Liebe, manchmal um ein großes Geheimnis, manchmal um alles zusammen.

Das weiß Sophie natürlich noch nicht, als sie sich bei der blinden Witwe Charlotte Bergmann vorstellt, die per Inserat "ein junges, sprachgewandtes Fräulein als Vorleserin" sucht. Sophie weiß nur, dass sie dringend Geld braucht, weil sie als Schauspielerin erfolglos ist und zuhause auch noch einen Nichtsnutz von Freund namens Marc sitzen hat, der das Geld, was sowieso nicht da ist, auf Pump auch noch mit vollen Händen ausgibt und krumme Dinger mit seinem Kumpel Jeff dreht.

So viel zum Stück. Vielleicht noch, dass es "Die Nadel der Kleopatra" heißt, von Philipp Moog und Frank Röth geschrieben wurde und jetzt unter der Regie von Cordula Trantow im Schlosspark Theater seine Uraufführung erlebte. Doch seien wir ehrlich, das Stück ist an diesem Abend nicht der Star.

Ein echter Besetzungscoup

Die Stars des Abends sind, nun ja: die Stars. Die Kombination ist ausgesprochen reizvoll: Mit Ingrid van Bergen platziert sich in der Rolle der Charlotte Bergmann im gediegenen, holzvertäfelten Wohnzimmer neben der wandhohen Bibliothek nicht nur eine altgediente Film- und Theaterschauspielerin, sondern auch die RTL-Dschungel- Königin. Sie lässt sich vorlesen von Goldene-Kamera-Preisträgerin Cosma Shiva Hagen in der Rolle der Sophie. Ein echter Besetzungscoup.

Beide finden ausgezeichnet zu ihren Figuren: Cosma Shiva Hagen gibt eine mädchenhaft zerzauste Sophie, die eigentlich durchaus bodenständig ist, aber irgendwie in ein ziemlich chaotisches Leben hineingeraten ist. Ein toller Kontrast dagegen Ingrid van Bergen, Klunker behangen und in Seide gehüllt, die Charlotte Bergmann mit großer, mondäner Ruhe ausstattet, zurückgenommen in den Gesten, mit fast weiser Grandezza.

Sophie also soll Charlotte vorlesen, und zwar aus dem geheimnisvollen Tagebuch ihres ehemaligen Liebhabers, das er ihr an dem Tag gab, an dem er bei einer Explosion starb und sie ihr Augenlicht verlor, so dass sie es bis heute nicht lesen konnte. Es ist eine zarte Annäherung der beiden Frauen aneinander und an die Vergangenheit.

Dummerweise hatte Sophie ihrem Freund Marc (Philipp Ungeheuer) erzählt, dass Charlotte einen Monet im Wohnzimmer hängen hat. Marc und Kumpel Jeff (Marco Hofschneider) finden, das sei Verschwendung bei einer Blinden und klauen das Bild, was zu allerlei Verwicklungen führt, die sich allerdings jenseits des Bergmannschen Wohnzimmers abspielen.

Ein leichter, aber nicht seichter Abend

Dazu hat Bühnenbildner Matthias Schaller den Raum mit Vorhang und einer Stufe in zwei hintereinander liegende Spielebenen geteilt, die je nach Beleuchtung abwechselnd die Kulisse abgeben. Und nur vorne, in der spärlich eingerichteten Butze von Marc und Sophie, ist Platz für Holterdiepolter und Gestolper, für Komödiantisches, das den Slapstick zum Glück nur schrammt.

Cordula Trantow ist da eine durchaus charmante Mischung aus unterhaltenden und hintergründigen Partien gelungen, ein leichter, aber nicht seichter Abend mit zwei wilden Kerlen und zwei überzeugenden Großschauspielerinnen, deren Figuren sich zusammen die Erkenntnis erarbeiten, dass es manchmal mehr als nur eine Wahrheit gibt.

" Die Nadel der Kleopatra" im Schlosspark Theater , Schloßstraße 48, Berlin-Steglitz. Tel.: (030) 789.56.67.100. Termine: Bis 21. Januar und vom 13. bis 17. Februar, jeweils 20 Uhr

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