Im vorigen Monat erhielt Annekathrin Bürger den Defa-Ehrenpreis fürs Lebenswerk. Eigentlich war der längst überfällig für die 89-Jährige. Aus diesem Grund wurde die Schauspielerin nun auch in der gemeinsamen Filmreihe von Morgenpost und Zoo Palast, „Hauptrolle Berlin“, geehrt. Mit einem der wenigen großen Publikumserfolge der späten Defa-Jahre: „Hostess“ von 1976. Wegen eines Infekts konnte Bürger ihren Preis nicht persönlich entgegennehmen, sie wohnt inzwischen in Dessau und fährt auch nicht mehr Zug. Deshalb haben wir statt ihr Philip Zengel von der Defa-Stiftung als Gast begrüßt. „Und sie lässt Sie auch schon grüßen“, wie er am Dienstag dem Publikum erklärt.

Donnerstag

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Dann erzählt er von der ungewöhnlichen Genese des Films. Denn Regie führte Rolf Röhmer, Bürgers Lebensgefährte, der selbst Schauspieler war, aber am Theater Senftenberg kein Blatt vor den Mund nahm und deshalb bei den DDR-Funktionären nicht wohl gelitten war. Und quasi mit Berufsverbot belegt wurde. Er hat dann umgesattelt und konnte Regie führen, wohl auch, weil er seine Frau, ein echter Star der DDR, besetzen konnte. 1970 in „He, Du“ und 1976 dann in „Hostess“. Der zweite Film gehört zwingend in unsere Filmreihe. Weil sie dort eine Stadtführerin spielt, die Touristen aus dem Ausland durch Ost-Berlin führt. Dabei sind viele Hotspots z sehen, aber, fürs Defa-Kino sehr ungewöhnlich, hinterm Brandenburger Tor auch mal ein Stück Westen.

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Die DDR-Oberen waren nicht erbaut von dem Film, die Kritiker auch nicht. Aber das Publikum schon. Weil hier Alltagsrealitäten offen ausgesprochen wurden. Auch, weil es viel nacktes Fleisch zu sehen gab. Und nicht zuletzt wegen der vielen Musik, von Veronika Fischer und Nina Hagen. „Das war aber bald vorbei“, so Zengel, weil der Filmstart zusammenfiel mit der Ausbürgerung von Wolf Biermann und Nina Hagen als seine Ziehtochter bald aus Protest selbst in den Westen ging. Bei der TV-Premiere des Films ein Jahr später fehlten die Szenen mit ihr. Als 1981 Veronika Fischer ging und 1985 auch Hauptdarsteller Jürgen Heinrich, „war es ganz aus mit dem Film“. Zumindest in der DDR. Im Ausland lief er weiter. Weil er Devisen brachte.

Römer konnte danach noch eine Folge „Polizeiruf 110“ drehen. In der Römer die Tragödie ihrer Haushaltsfrau nachzeichnete: von deren Ehemann, der Alkoholiker war – und Suizid beging. Aber diese Themen und dass der Staat sich nicht darum kümmerte, das war, so Zengel, ein Unding. Danach war es endgültig vorbei mit Römers Karriere. Seine Frau aber war unantastbar, weil sehr beliebt. Sie erhielt Wäschekörbe mit Fanpost. Und nicht wenige benannten ihre Tochter nach ihr. Hübsch auch: Im Publikum sitzt eine Dame, die damals als Statistin beim Nina-Hagen-Konzert dabei war. Und sich nun noch einmal, 60 Jahre später, sehen wollte.    

Nach 80 Jahren Defa feiern wir als nächstes in unserer Filmreihe 80 Jahre CCC. Und zeigen am 1. Dezember einen der großen Klassiker aus den Studios von Haselhorst: Fritz Langs „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ von 1960. Zu Gast ist dann CCC-Direktorin Alice Brauner. Karten gibt es hier.