Durchschnittlich humorlose Friedhofsordnungen bieten nicht viel Spielraum bei der Gestaltung eines Grabes. Individualität, mit der man schon als Lebender immer wieder aneckt, scheint auf dem Friedhof besonders unerwünscht zu sein. Wer die Grabreihen abgeht, sieht triste Reihenhaussiedlungen des Todes. Aber damit muss sich ja niemand abfinden. Hinterbliebene, Freunde und Verehrer der Verstorbenen bringen oft etwas mit, wenn sie das Grab besuchen. Ein Stück aus dem Leben des Menschen, den sie vermissen. Eine Erinnerung an eine seiner Eigenheiten oder Schrullen. Manchmal auch Hinweise auf große Verdienste. Bei Loriot auf dem Waldfriedhof Heerstraße sind es Badeenten, die in Erinnerung an seinen legendären Wannensketch mit den Herren Müller-Lüdenscheidt und Doktor Klöbner auf dem Grabstein abgestellt werden. Denn: „Die Ente bleibt draußen!“

Die letzte Ruhestätte des Sängers Serge Gainsbourg in Paris kann man gut an den Fahrkarten darauf erkennen. Die Fans verneigen sich damit vor seinem ersten Erfolgslied „Le Poinçonneur des Lilas“ aus dem Jahr 1958. Dieser Song handelt von einem Metro-Angestellten an der Station Porte des Lilas, der den ganzen Tag Löcher in Fahrscheine knipst und dabei verzweifelt. Deshalb bringen Fans dem Sänger Metro-Tickets zum Friedhof Montparnasse, oft gelocht. Mit der Umstellung des Pariser Ticketsystems auf Apps in Mobiltelefonen und wiederverwendbare Plastikkarten wurde inzwischen das Requisit für diesen schönen Brauch seltener.
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Von 1949 an tauchten jedes Jahr zum Geburtstag des Schriftstellers Edgar Allan Poe auf seinem Grab in Baltimore drei Rosen und eine halb geleerte Flasche Cognac auf. Zuletzt passierte das im Jahr 2009. Der ursprüngliche Besucher des Grabes war wohl in den 90er-Jahren verstorben und hatte die Tradition weitergereicht. Nach Jahrzehnten endete sie dann.

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Suppendosen auf dem Grab könnten zunächst auf einen passionierten Camper oder Junggesellen hinweisen. Auf dem Grab des Künstlers Andy Warhol in Bethel Park bei Pittsburgh zitieren die Dosen der Firma Campbell seine Kunst. Warhol hatte sie 1962 zum Motiv seiner Pop-Art gemacht.
Völlig sinnlos müssen dem zufälligen Betrachter des Grabes von Schriftsteller Douglas Adams auf dem Friedhof Highgate in London die Kugelschreiber darauf vorkommen. Wer das Werk von Adams kennt, besonders seinen größten Erfolg „Per Anhalter durch die Galaxis“, der versteht allerdings die Anspielung. Darin schreibt Adams nämlich über die rätselhafte Angewohnheit von Kugelschreibern, spurlos zu verschwinden. Die Verehrer des Schriftstellers sorgen für Nachschub.
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Manchmal werden die Angewohnheiten der Besucher zum Problem. Das Grabmal von Oscar Wilde auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris war mit Kussabdrücken übersät. Als sich „Paris sehen und Oscar Wilde küssen!“ zum touristischen Trend auswuchs, wurde die liebevoll gemeinte Knutscherei zur Gefahr für den Stein, den das Fett der verwendeten Lippenstifte angriff. Seit dem Jahr 2011 wird das Grabmal mit einer Glasbarriere vor mündlichen Zudringlichkeiten geschützt. Geküsst wird trotzdem. Aber vom Glas lassen sich die Spuren leichter entfernen.
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Seit seiner Umbettung im Jahr 1891 lautet die letzte Adresse des Journalisten Victor Noir ebenfalls Père-Lachaise. An dessen Beerdigung hatten 100.000 bis 200.000 Pariser (die Quellen schwanken stark) teilgenommen. Es gab große Empörung über die Umstände seines Todes – er war als Sekundant beim Aushandeln der Bedingungen für ein Duell von einem Neffen Napoleon Bonapartes erschossen worden. Auf Noirs Grab liegt eine vom Bildhauer Jules Dalou geschaffene lebensgroße Statue, die sich wegen der deutlichen Wölbung im Genitalbereich zu einem Symbol für Fruchtbarkeit und einer Pilgerstätte für Menschen mit Kinderwunsch entwickelte. Die grüne Patina der Zeit überzieht die Bronze. Nur nicht an einer oft berührten Stelle …
Den Dramatiker Heiner Müller gab es nur mit Zigarre. Absolut einleuchtend also, dass in seine Grabeinfassung ein Aschenbecher integriert wurde. Die meisten Zigarren, die ihm auf den Dorotheenstädtischen Friedhof gebracht werden, landen aber nicht darin, sondern auf der Stele mit seinem schlicht eingeritzten Namen.
Auf der Terrasse von Schloss Sanssouci, wo Preußenkönig Friedrich II. 205 Jahre nach seinem Tod in später Erfüllung seines Wunsches 1991 beigesetzt wurde, lässt sich Seltsames entdecken: Auf dem Grab des Königs liegen Kartoffeln. Besucher legen diese dort in Dankbarkeit für den königlichen Kartoffelbefehl von 1756 ab, mit dem der Siegeszug der nahrhaften Knolle in Preußen begann. Mancher schreibt frittierte Kartoffelstäbchen deshalb ja auch: Pommes Fritz.







