Tobis war immer schon der etwas andere Filmverleih. Das zeigt sich schon am ikonischen Trickfilm-Hahn, der vor einem jeden Film über den Tobis-Schriftzug stakst, dann an der Leerstelle des „i“ ein Ei legt, das i-Tüpfelchen quasi, und dabei ein triumphierendes Krächzen ausstößt, ironisches Äquivalent zum MGM-Löwengebrüll. Jetzt wird das Berliner Unternehmen mit Sitz am Kurfürstendamm 55 Jahre alt. Und während das 50-Jährige im zweiten Corona-Jahr unterging, holt man das nun mit der Schnapszahl nach.

Das Kant-Kino zeigt an jedem Mittwoch einen Tobis-Erfolgsfilm

Mit vielen Stars aus Tobis-Filmen ließ man bereits am 15. Oktober auf dem Gelände der ehemaligen Bötzow-Brauerei die Korken knallen. Aber auch das Kinopublikum soll was davon haben. Deshalb startet am 28. Oktober die Filmreihe „55 Jahre Tobis“ im Kant-Kino. Fortan werden an jedem Mittwoch um 20 Uhr Klassiker des Hauses gezeigt, quer durch alle Genres.

Kultur
Eröffnet wird die Reihe mit „Brot & Tulpen“ mit Bruno Ganz und Licia Maglietta.© Picture Alliance/United Archives | United Archives/IFTN

Den Auftakt macht „Brot & Tulpen“, der italienische Überraschungserfolg aus dem Jahr 2000, eine romantische Komödie für ältere Semester mit Bruno Ganz, der allein in Deutschland über 1,4 Millionen Zuschauer ins Kino lockte. Da ist auch deutsches Autorenkino wie „Lola“ (11.11.) von Rainer Werner Fassbinder, mit Barbara Sukowa als Edelprostituierte, die reihenweise Unternehmern des „Wir sind wieder wer“-Nachkriegsdeutschlands die Köpfe verdreht. Natürlich darf auch „Ödipussi“ (2.12.) nicht fehlen, mit dem Vicco von Bülow alias Loriot seinen Kultstatus, den er mit seinen Fernsehsendungen erlangt hatte, auf der großen Leinwand erweiterte.

Die Reihe soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden

Ebenfalls ein Evergreen ist „Das fünfte Element“ (25.11.) mit Bruce Willis, mit dem Luc Besson eine knallverrückt-hinreißende Satire aufs Science-Fiction-Kino hinlegte, die noch heute manch jüngeres Sci-Fi-Spektakel in den Schatten stellt. Und dann gibt es gleich zwei Westernkomödien mit Terence Hill: „Mein Name ist Nobody“ (4.11.), wo er es mit Henry Fonda aufnehmen muss, und „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (9.12.), mit seinem Best Buddy Bud Spencer, ein Doppelpack, das der Tobis große Erfolge bescherte.

55 Jahre Tobis
Otto Waalkes bei der Feier zu 55 Jahre Tobis mit den Unternehmens-Chefs Timm Oberwelland (l.) und Magnus Vortmeyer.© Otto Waalkes feiert mit Timm Oberwelland und Magnus Vortmeyer, Rechte bei Tobis, Foto: Oliver Kern | Oliver Kern

Verleihgründer Horst Wendlandt war eigentlich Filmproduzent mit der eigenen Firma Rialto. Er liebte alte Chaplin-Filme und kaufte sich von dessen Erben die deutschen Filmrechte in Paris. Ein Klassegeschäft, dachte er, doch in Deutschland wollte kein Verleih sie zeigen. Und so gründete er einfach seinen eigenen Verleih und benannte ihn nach der alten, längst eingemotteten Tobis, bei der er einst angefangen hatte. Tobis Film hat seither mit über 450 nationalen und internationalen Titeln mehr als 250 Millionen Kinobesucher erreicht. Als Nächstes startet am 5. November die Krimigroteske „Ein Talent fürs Morden“ mit Helen Mirren als Patricia Highsmith.

Und auch die Filmreihe, die erst mal bis Mitte Dezember konzipiert wurde, soll fortgesetzt werden: mit dem Oscar-Gewinner „12 Years A Slave“, Pedro Almodóvars „Volver“ mit Penélope Cruz und „Catweazle“ mit Otto Waalkes. Von Letzterem müsste unbedingt auch „Otto – Der Film“ gezeigt werden. Denn der, und nicht etwa „Der Schuh des Manitu“, ist nach wie vor der erfolgreichste deutsche Film der Nachkriegszeit – damals sogar noch trotz Mauer.

Filmreihe im Kant-Kino, mittwochs, 20 Uhr.