Als Guy Katz ans Mikrofon tritt, um den Margot-Friedländer-Preis entgegenzunehmen, hat er mehrere Sätze mitgebracht, die bei den Besuchern im Saal des Allianz Forums am Pariser Platz lange nachwirken: Für ihn habe sich seine Eigenwahrnehmung seit dem 7. Oktober 2023 geändert. Damals überfiel die Hamas das Supernova Sukkot Gathering in Israel. Katz: „Bis zum 7. Oktober war ich ein Professor, der zufällig Jude war. Seitdem bin ich ein Jude, der zufällig Professor ist.“ Aber er glaube weiterhin an die Menschen. „Die meisten Menschen sind gut“, sagt er. Nur seien die schlechten leider sehr laut. Er trage seine auffällige rosafarbene Brille nicht umsonst, sagt er ironisch.
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Katz, dessen vier Großeltern Holocaust-Überlebende sind, organisierte in München mehr als 100 Schweigemärsche. Er verbinde Forschung, Mobilisierung und politischen Druck, lobt die Stiftung. Katz lehrt Internationales Management an der Hochschule München. Er gründete Bündnisse und startete Kampagnen: „München gegen Antisemitismus“, „DACH gegen Hass“, „Antisemitismus? Ohne mich!“. Der Professor landete vor zwei Mitbewerbern aus Berlin: Derviş Hızarcı von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus und Lehrer Mehmet Can vom Campus Rütli in Neukölln.
Margot Friedländer: Holocaust-Überlebende klärte an Schulen auf
„Jeder Jude, der sich nach 1945 bewusst für ein Leben in Deutschland entschieden hat, ist eine Margot Friedländer“, sagte Katz im Gedenken an die Stiftungsgründerin.
Der Preis erinnert an die Berliner Ehrenbürgerin Margot Friedländer. Die Berlinerin wuchs in einer jüdischen Familie auf. Die Nationalsozialisten deportierten sie ins Ghetto Theresienstadt. Nach der Befreiung 1945 ging sie in die USA. Erst mit 88 Jahren kehrte sie nach Berlin zurück. Seitdem besuchte sie Schulen in ganz Deutschland und erzählte Jugendlichen ihre Geschichte. Sie starb im Mai 2025 mit 103 Jahren.
Preise der Margot-Friedländer-Stiftung ehren Einsatz für Toleranz und Demokratie
Ihre Stiftung gründete sie zwei Jahre zuvor. Seitdem zeichnet die Organisation Menschen, Initiativen und Schulen aus, die sich für Toleranz, Freiheit und Demokratie einsetzen und gegen Antisemitismus kämpfen. Sie vergibt drei Preise: für eine Person, ein Projekt und eine Schule. Zusammen sind sie mit 25.000 Euro dotiert.
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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) würdigte die Stifterin zuvor als „eine kleine und doch so große Frau, so leise und doch so laut“. „Ihr Vermächtnis ist, dass wir ihre Botschaft weiter vermitteln“, sagte er. Er freue sich, dass der Platz vor dem Abgeordnetenhaus seit Kurzem Margot-Friedländer-Platz heiße. Dort kämen alle Abgeordneten vorbei – das bewirke hoffentlich etwas mit ihnen.
Projektpreis für „Zeit ohne Zeugen“: Jugendliche erleben Geschichte per VR
Juryvorsitzende ist die Juristin Elke Büdenbender, die Frau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie lobte Katz‘ Beharrlichkeit und seinen Mut. Er reiße andere Menschen mit. Die Jury wählte aus 310 Einreichungen neun Nominierte aus – aus allen Bundesländern, aus Österreich und der Schweiz. „Sie zeigen, wie vielfältig das Engagement für ein tolerantes und menschliches Miteinander“ sei. „Die Demokratie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, Haltung zeigen und sich für andere einsetzen.“
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Den Projektpreis erhielt „Zeit ohne Zeugen“ vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Paderborn. Dort können sich Jugendliche mithilfe von VR-Brillen ins Anne-Frank-Haus oder ins Warschauer Ghetto versetzen. Mehr als 2600 Jugendliche haben an über 115 von Pädagogen begleiteten Veranstaltungen teilgenommen.

Den Schulpreis gewann die AG Kriegsgräber der Europaschule Rövershagen in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 30 Schülerinnen und Schüler pflegen dort seit mehr als 25 Jahren Kriegsgräber und erinnern an die Opfer des Holocaust.






