Morgens bei der BVG denkt man oft: Zeit, dass sich was dreht. Aber eigentlich dreht man da nur am Rad. Was sich in Berlin jedoch zu fast jeder Tages- und Nachtzeit dreht: die Dönerspieße. Laut Schätzungen werden rund 400.000 Döner am Tag verkauft. Rechnerisch isst jeder Zehnte einen täglich. Oder jeder Zwanzigste zwei. Rund 250 Spießbetriebe der Hauptstadt sollen 80 Prozent aller Drehspieße Europas drehen.

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Am Mittwochabend lud der Fahrdienst Bolt zum „Kebab Water Rave“. Getanzt wurde im Hinterraum des Imbisses Kebap with Attitude in der Gipsstraße in Mitte. Alkohol gab es nicht. Dafür härteren Stoff: Kebab-Water – Wasser, das nach Döner schmecken sollte. Kein Scherz, auch wenn es so klingt.

Kebab-Water: Bolt Food bringt Döner-Geschmack ins Trinkwasser

Bolt Food zählte nach eigenen Angaben 2025 61 Prozent aller Dönerbestellungen zwischen 22 und 7 Uhr. Getränke orderte kaum jemand dazu. Bolt witterte da eine Marktlücke mit Knoblauchfahne. Also holte der Autoverleiher Kristel Vene ins Boot, Geschmacksforscherin an der Technischen Universität Tallinn. In Estland ist die Heimat von Bolt. Dort dauern die Winter lang – das Nachdenken nicht. Heraus kam nordisches Quellwasser mit Natrium, Kalium, Magnesium und Zink, dazu Noten von Fleisch, Knoblauch und ein Hauch Tomate. Rehydrieren mit Drehspießcharakter.

Döner in Berlin: Dönerwasser und Wachs-Kebab
Das Kebab-Water des estnischen Autovermieters Bolt.© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Unser Test ergibt: Das äußerst skeptisch aus dem Schnapsglas eingenommene Kebab-Water schmeckt nicht nach Döner. Aber vielleicht auch einfach, weil man Döner eben in einem anderen Aggregatzustand erwartet. Nämlich fest. Es wirkt eher wie ein leichter Gemüsesmoothie mit Tomatennote. Die Schärfe kommt wohl vom Knoblauch, erinnert aber irgendwie an Ingwer. Weniger furchtbar als befürchtet. Wer das Wasser im Supermarkt sucht, sucht vergebens: Kebab-Water ist eine limitierte Marketingaktion. Damit ist es die wohl exklusivste Flüssigkeit der Stadt.

Madame Tussauds zeigt ersten Döner aus Wachs in Berlin

Damit war das Dönerspektakel aber noch nicht zu Ende. Unter den Linden zeigt Madame Tussauds den weltweit ersten Döner aus Wachs: den Gemüse-Döner von Mustafa‘s Gemüse Kebap am Mehringdamm in Kreuzberg, detailgetreu nachgebildet. Als Kulisse dient der Nachbau von Mustafas erstem Dönerstand. Rund 20.000 Euro ließ sich das Wachsfigurenkabinett Döner und Bude kosten, jedes ungefähr die Hälfte vom Preis. Enthüllt hat beides Inhaber Tarik Kara. Sehen konnten das viele Gäste kaum: Der Andrang war größer als bei der Enthüllung der Kaulitz-Zwillinge, sagte ein Mitarbeiter des Hauses.

Döner in Berlin: Dönerwasser und Wachs-Kebab
So sah der Blick für die meisten auf den Döner aus aufgrund des Andrangs.© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Kara wirkte, als hätte man ihn mitten in der Mittagsschicht in den Anzug gesteckt und zum Staatsakt gebeten. „Ich möchte eigentlich nur Döner machen. Aber als ich verstanden habe, wie groß diese Sache ist, habe ich gemerkt: Das ist ernst. Es ist wichtig für den Döner insgesamt, aber auch eine Auszeichnung für uns.“ Eine Frage treibt auch ihn um: „Meine Familie und ich fragen uns immer wieder, wie es möglich ist, dass der Döner so populär ist und dass sich die Menschen so sehr für ihn interessieren.“ Die Antwort ist einfach: Es ist halb 2 nachts, man hat Hunger und er hat geöffnet. Dönermänner sind immer für einen da.

Döner-Erfolg: Wie ein Berliner Imbiss international berühmt wurde

Dabei fing alles bescheiden an: 1993 im Umland, zwölf Jahre später in Berlin. „2005 haben wir unseren Imbiss eröffnet, und nach und nach wurden wir beliebter und bekannter.“ So geht Karriere in Berlin: kein Casting, keine Agentur, nur Schlange stehen, bis es sich herumspricht. Dann kam New York. „Es sind zwar keine Zufälle, aber es ist verrückt: Jemand von der ,New York Times‘ isst einen Döner und schreibt darüber einen Artikel, und dann ging es immer weiter. Dafür kann ich nichts.“ So bescheiden ging wohl noch niemand den Weg ins Wachsfigurenkabinett.

Das schönste Zitat des Tages gilt dem Rezept des Erfolgs: „Wir haben den Döner nicht erfunden und vielleicht auch nichts Großartiges geleistet. Wir haben, bewusst oder unbewusst, den Auftrag unserer Kundinnen und Kunden verstanden: Sie wollen einen guten Döner. Genau das haben wir gemacht, mehr nicht. Alles andere ist einfach passiert.“ Und darauf ein Wasser. Mit oder ohne Dönergeschmack.