Große Überraschung: Sandra Wollners Film „Everytime“ geht als deutscher Kandidat ins Rennen um den Auslands-Oscar. Eine von German Films, der Auslandsvertretung des Deutschen Films, in München einberufene unabhängige Jury hat ihn in einer zweitägigen Klausur unter elf eingereichten Titeln ausgesucht. „Everytime“ feierte seine Uraufführung im Mai auf den Filmfestspielen in Cannes, wo er den Preis als bester Film in der renommierten Nebenreihe „Un Certain Regard“ erhielt, und kam erst vor drei Wochen in unsere Kinos. „Mit ,Everytime‘ gelingt der Regisseurin und Autorin Sandra Wollner das Kunststück, mit rein filmischen Mitteln und einer überraschenden Leichtigkeit Trauer als Zustand einer aus den Fugen geratenen Welt erlebbar zu machen“, so die Begründung der neunköpfigen Jury.

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Sandra Wollner ist Österreicherin, der Film wurde aber größtenteils in Berlin gedreht. Das Drama handelt vom Tod eines Teenagers. Und einer ungewöhnlichen Trauerverarbeitung, weil die Mutter mit dem Freund ihrer verunfallten Tochter weiterhin Kontakt hält, obwohl dieser nicht ganz unschuldig an ihrem Tod ist. Dabei werden sie quasi zu Ersatzmutter und Ersatzkind. So hat man Trauer im Film noch nie gesehen. Und am Ende gehen auch die letzten Sicherheiten verloren, wenn die Sonne quadratisch wird und nicht mehr untergeht. Das ist großes Gefühlskino, mit einer überragenden Birgit Minichmayr in der Hauptrolle. Aber wird es dieser Film wirklich unter die Oscar-Nominierten schaffen?

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„Everytime“ hat unter anderem „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ ausgestochen, mit dem Volker Schlöndorff ein ganzes Säkulum anhand eines einzigen Hauses nacherzählt; das Netflix-Drama „23.000 Leben“ über eine Jugendaktivisten-Gruppe, die wegen Seenotrettung vor Gericht kommt, und den hochaktuellen Politthriller „Staatsschutz“ von Faraz Shirat.

Die American Film Academy in Hollywood wird im nächsten Schritt aus allen weltweit eingereichten Kandidaten in der Sektion Auslands-Oscar – offiziell: Best International Film – am 15. Dezember eine Shortlist mit 15 Titeln und am 21. Januar 2027 dann die fünf Nominierungen bekannt geben.

„Everytime“ muss dabei nicht die einzige deutsche Chance in dieser Kategorie bleiben. Dank neuer Regeln sind, wie bereits berichtet, zwei mehrheitlich deutsch produzierte Filme ebenfalls zu einer Einreichung in der Kategorie „International Feature Film“ berechtigt, weil sie auf internationalen Festivals Preise gewannen: „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak, der auf der Berlinale den Goldenen Bären gewann, und „Von Scham und Geld“ von Visar Morina, der den Großen Preis der Jury beim Sundance Film Festival erhielt. Diese Titel müssen jetzt nur eingereicht werden und sind dann automatisch mit im Rennen. Auf diese Weise könnte es dieses Jahr also gleich drei deutsche Kandidaten in dieser Kategorie geben.

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Vor einem Jahr ging „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski ins Rennen, schaffte es aber nicht in die Finalrunde unter die fünf Nominierten. Zuletzt reüssierte ein deutscher Film in dieser Kategorie 2023, mit Ed Bergers Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“.