Dass ein traditionsreiches Haus wie das frühere Brecht-Theater Berliner Ensemble (BE) schließen könnte, war nicht wirklich zu befürchten. Dennoch ist es für Berlins Kultur eine gute Nachricht: Der Senat hat mit der Eigentümerin einen neuen Mietvertrag für das Haus am Schiffbauerdamm abgeschlossen. Damit sei der „Erhalt des Berliner Ensembles an diesem historischen Ort langfristig gesichert“, wie Kulturstaatssekretärin Kerstin Richter-Kotowski jetzt den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses informierte. Noch vor einem Jahr standen die Verhandlungen über einen langfristigen Pachtvertrag vor dem Scheitern und der Spielbetrieb des vom Land Berlin maßgeblich finanzierten BE infrage.

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Das Gebäude gehört der Ilse-Holzapfel-Stiftung des 2020 verstorbenen Dramatikers Rolf Hochhuth, der sie nach seiner Mutter benannte. Der Autor des Stückes „Der Stellvertreter“ über die Verstrickungen des Papstes mit den Nazis und weiterer dokumentarischer Stücke war dem Haus eng verbunden.

Der Mietvertrag für das Theater läuft bis zu 30 Jahre lang

Der bisherige Mietvertrag läuft noch bis Ende 2027. Um dem Ensemble des noch so lange vertraglich gebundenen Intendanten Oliver Reese Planungssicherheit zu verschaffen, ist der Mietvertrag ein wesentlicher Beitrag.

Der Kontrakt gilt für sechs Jahre mit der Option einer Verlängerung um weitere 24 Jahre. Die Kulturverwaltung ist stolz darauf, dass es gelungen sei, den zunächst von der Stiftung geforderten Mietpreis von acht Euro für jeden der 6691 Quadratmeter Fläche auf 6,66 Euro zu drücken. Gleichwohl sei dies das Doppelte der bisher gezahlten Miete. Im ersten Jahr muss das Land für das BE laut Bericht 535.000 Euro an die Stiftung als Miete überweisen. Diese Summe kann wegen des Index-Mietvertrages zunächst über die ersten zehn Jahre um jährlich maximal 2,5 Millionen Euro steigen.

Die Nebenkosten sind deutlich höher als die Miete

Die finanziell größere Last als die Kaltmiete für das 1892 errichtete Theatergebäude stellen die Nebenkosten und Vorauszahlungen fürs Heizen dar. Hierfür sind laut Vertrag pro Jahr schon zu Beginn der Laufzeit 922.000 Euro nötig. Und das Land verpflichtet sich auch zum baulichen Unterhalt der denkmalgeschützten Immobilie. Hierfür werden für die ersten Jahre des Kontraktes 780.000 Euro veranschlagt. Zusammen mit Vergütungen für die landeseigene Immobiliengesellschaft BIM summieren sich die Kosten des Landes für das Gebäude des Berliner Ensembles auf deutlich über zwei Millionen Euro jährlich. Bis 2033 kommen so 13 Millionen Euro zusammen. Hinzuzurechnen sind die Subventionen für den Spielbetrieb des BE von zuletzt rund 20 Millionen Euro im Jahr.

Aus Sicht der Kulturverwaltung haben die Abgeordneten keine Wahl, als der zusätzlichen Ausgabe zuzustimmen. „Die Anmietung ist erforderlich, da der Spielbetrieb des Berliner Ensembles ohne sein Stammhaus am Bertolt-Brecht-Platz nicht aufrechterhalten werden könnte“, schreibt die Staatssekretärin: „Somit könnten die kulturfachlichen Ziele des Zuwendungsempfängers nicht erreicht werden.“ Weil der Mietvertrag Ende 2027 ausläuft, könne man nicht bis zur Aufstellung eines neuen Haushaltes 2028/29 warten.