Wenn er auf der Bühne steht und ihn pure Energie durchströmt, spürt Matthias Reim ein tiefes Glücksgefühl. Aktuell ist der leidenschaftliche Live-Musiker mit seiner Jubiläumstour unterwegs, die seinem Debütalbum „Reim“ und der daraus ausgekoppelten Single „Verdammt, ich lieb‘ dich“ gewidmet ist. Sein Signature-Hit, mit einem Sound, der die Musik von Matthias Reim bis heute ausmacht: Schlagerpop mit starken Rockelementen. Bis heute hat der Track nichts an Ohrwurmqualitäten eingebüßt. Hört man ihn, summt man ihn tagelang vor sich hin – und bei den Konzerten steht das Publikum natürlich Kopf, sobald das Intro erklingt. Wenig verwunderlich also, dass die Stimmung vor und auf der Bühne hervorragend ist. Matthias Reim gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er die Atmosphäre beschreibt: „Die Leute lieben es und ich liebe es auch!“
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Ende Dezember kommt der Star-Musiker auf seiner Tour „35 Jahre – Verdammt, ich lieb‘ dich“ auch in die Berliner Uber Arena. An einem seiner Off-Days erreichen wir ihn für ein Interview telefonisch in seinem Haus nahe des Bodensees. Und zwar an einem Tag, der so heiß ist, dass selbst Matthias Reim froh ist, am Abend nicht auftreten zu müssen. „Im Haus sind es 29,5 Grad und der Swimmingpool draußen ist mit 30 Grad auch nicht erfrischend. Man schläft nachts nicht mehr. Es ist wirklich anstrengend“, stöhnt er nach einer Tropennacht und ist froh, dass es erst zwei Tage später weitergeht, wenn die Hitze nachgelassen hat.
Auf die nächsten Konzerte freut er sich schon mächtig. Das Konzept mit der musikalischen Retro-Reise zum Urknall seiner Karriere, das er sich mit seiner Band und seinem Team ausgedacht hat, überzeugt ihn zu 100 Prozent: „Am Anfang der Show spiele ich mein erstes Album komplett in derselben Reihenfolge durch. Das ist wirklich ein Flashback. Magic!“ Lief auf seinen Gigs sonst alles dramaturgisch auf den Höhepunkt mit dem Song „Verdammt, ich lieb‘ dich“ als Zugabe zu, gibt es den Hit nun als Opener. „Das ist der Hammer. Dabei bekommen die Menschen große Augen und dir fliegen die Herzen. Wir alle feiern und singen. Von Sekunde eins an ist das Eis gebrochen und wir alle sind eine Einheit“, erzählt er begeistert.
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Bis heute wurde der Drei-Platin-Erstling über 1,7 Millionen Mal verkauft. Die intensive Beschäftigung damit vor der Tour hat Matthias Reim dazu inspiriert, nicht nur live, sondern auch im Studio eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen: „Ich habe mir die alten Songs angehört und mich gefragt: Was ist das Faszinierende daran? Dann habe ich versucht, das zu spüren und auf das neue Album ,Flashback‘ zu übertragen, das im September rauskommt. Sich auf diese musikalische Art zu erinnern, hat mir einen ungeheuren Spaß gemacht.“
„Alle fanden den Song gut, weil er keinen Stempel hatte“
Als Songwriter hat er heute natürlich viel mehr Erfahrung. Doch er verlässt sich auch auf sein musikalisches Gespür und landete so viele weitere Hits. Nur den Erfolg von „Verdammt, ich lieb‘ dich“ konnte er nicht wiederholen. Für ihn war und ist der Song ein Segen: „Er ist bis heute mein Türöffner zu den Herzen des Publikums. Auch wenn es ein kleiner Fluch ist, zu wissen, dass man nie wieder einen Hit in einer solchen Dimension haben wird“, sagt er. Für ihn kamen damals viele Faktoren zusammen, die den Song an die Spitze der Charts katapultierten: „Ich war ein komplett unbeschriebenes Blatt und hätte alles machen können: Schlager, Punk, Rock, egal. Ich war ein Nobody. Alle fanden den Song gut, weil er keinen Stempel hatte. Das hat ihn so erfolgreich gemacht. Und weil er eine Geschichte erzählt, die jeder schon mal am eigenen Leib erlebt hat.“
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Der Hit trieb auch in seiner Familie gewisse Blüten. Wenn seine Mutter in der Tür stand und er ihr einen neuen Song vorspielte, sagte sie immer: „Ja, Matthias. Schön. Aber ein ‚Verdammt, ich lieb‘ dich!‘ ist das nicht.“ Woraufhin er antwortete: „Danke Mama. Das habe ich ja auch schon gemacht.“ Mit einem Schmunzeln erinnert sich der 68-Jährige: „Bis sie 2012 starb, war das ihr Standardspruch bei jedem meiner neuen Titel. Aber bei manchen Songs gibt es eben Sternstunden, die du nicht erklären kannst. Es gibt keine Methode und keinen Mechanismus, aus dem folgt: Wenn ich das jetzt erzähle, wird das ein Hit. Wenn jemand wüsste, wie man Hits schreibt, wäre er Milliardär.“

Donnerstag
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Aktuell macht Matthias Reim nicht mit einem Liebeslied, sondern mit einem Trennungssong von sich reden: Im Duett mit Mia Julia singt er „Keine Freunde bleiben“ und beschreibt das Gefühl, wenn man nach dem Beziehungs-Aus lieber auf Abstand geht. Dass man auch mal sagt, das war nichts und wird nichts mehr, findet der Schlagerstar normal: „Ich habe nach Trennungen auch nur ein paar Mal eine Freundschaft hinbekommen. So ist das Leben.“ Geschrieben hat er den Song mit seinem Sohn Julian. Der 29-Jährige ist ebenfalls Musiker und begleitet ihn auf Tour. Der Schlagerstar genießt die gemeinsame Zusammenarbeit sehr.
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Matthias Reim hofft darauf, dass er noch möglichst lange unterwegs sein kann. Er hat allerdings im letzten Jahr beschlossen, das Touren zu reduzieren. So kann er mehr Zeit mit seiner Frau, der Schlagersängerin Christin Stark, und der gemeinsamen kleinen Tochter verbringen, die er nur ungern verlässt: „Die kleine Maus ist einfach mega süß. Mir fällt der Abschied schwer, wenn sie sagt: ‚Papi, bleib doch hier.‘ Das tut richtig weh.“ Andererseits liebt er seinen Beruf, der mit dem Reisen verbunden ist. Die kleinen Pausen zwischendurch sorgen mittlerweile dafür, dass er noch mehr Power für seine Kreativität hat, wie Matthias Reim verrät: „Wenn ich von der Tour komme, kann ich gleich mit einem neuen Album anfangen.“
Uber Arena, Uber Platz 1, Friedrichshain, Tickethotline 01806 57 00 70, 28. Dezember, 20 Uhr.








