Am lustigsten ist die Geschichte mit den geleckten Kröten. Michael Born, der später als Fernseh-Fälscher Schlagzeilen machen sollte, verkaufte in den 1990er-Jahren dem von Günther Jauch moderierten TV-Magazin „Stern TV“ einen Beitrag, in dem es um die halluzinogene Wirkung des Hautsekrets bestimmter Krötenarten ging. Im Gewand einer Enthüllungsreportage konnte man einem angeblichen Drogenkonsumenten beim Ablutschen der Amphibie zusehen – nur handelte es sich in Wahrheit um einen Komplizen Borns, der seine Ekelgefühle zuvor mit Whisky betäubt hatte.

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Für seine manipulativen, frei montierten und zum Teil mit erheblichem Aufwand inszenierten Filme wurde Born 1996 vom Landgericht Koblenz wegen Betrugs in 17 Fällen, Verstößen gegen das Waffen- und Tierschutzgesetz, Sachbeschädigung, Vortäuschung von Straftaten und Volksverhetzung zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Das war dann schon weniger lustig. Zumal die damals breit diskutierte Frage, inwiefern die Medien einen Anteil an seinem kriminellen Treiben hatten, ja es vielleicht sogar ermunterten, nie abschließend geklärt werden konnte.

Ein Film, der die Debatte über Wahrheit und Fiktion im Journalismus fortsetzt

Das vermag auch der sehenswerte Dokumentarfilm „Born to Fake“ von Benjamin Rost und Erec Brehmer nicht, aber immerhin leistet er einen Beitrag, die Debatte über Wahrheit und Fiktion im Journalismus fortzusetzen, was in Zeiten von Deepfakes und generativer KI auch dringend nötig ist. Umso bedauerlicher, dass damals unmittelbar in den Fall involvierte Journalisten nicht zu Wort kommen und entsprechende Anfragen den Filmemachern zufolge unbeantwortet blieben.

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Mit dem Grazer Regisseur Roland Berger, Borns Schwester Gabriele Schuster und seiner Ex-Partnerin und ehemaligen Assistentin Claudia Bern erinnern sich stattdessen viele Weggefährten, die auch auf seine sympathischen Seiten hinweisen – auf seinen kindlichen Spaß am Erfinden, der nicht den Eindruck krimineller Energie vermittelte. Für die Ehre der „Stern TV“-Redaktion tritt deren damaliger Mitarbeiter Martin Lettmayer ein (der selbst keinen Beitrag Borns abnahm), Zweifel an dessen Sichtweise gibt es dagegen vom ehemaligen „Stern TV“-Pressesprecher Thomas Pritzl.

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So entsteht ein glaubwürdig komplexes Bild eines Mannes, der in vielem an den 2018 aufgeflogenen „Spiegel“-Geschichtenfälscher Claas Relotius erinnert. Beide Fälle stehen für die Anfälligkeit redaktioneller Kontrollsysteme, sobald Journalisten angesichts einer heißen Story feuchte Augen bekommen. Von dieser menschlichen Schwäche geht auch heute noch größere Gefahr für den seriösen Journalismus aus als von technischen Innovationen.

Dokumentarfilm, D 2026, 92 min., von Benjamin Rost und Erec Brehmer, mit Roland Berger, Gabriele Schuster, Thomas Pritzl u.a. ****