Wenn Pfarrer Hannes Langbein, Direktor der Stiftung St. Matthäus, an diesem Sonntag um 18 Uhr seinen Gottesdienst beginnt, dann wird er einen großen historischen Bogen schlagen. Denn vor genau 180 Jahren, am 17. Mai 1846, weihte sein Amtsvorgänger Carl Büchsel die Kirche St. Matthäus nach drei Jahren Bauzeit ein. Im ältesten Bau am heutigen Kulturforum hat man sich gut auf das Jubiläum vorbereitet. Bereits um 15 Uhr wird am Sonntag der Tiergartenviertel-Experte Alexander Darda einen Vortrag über die Geschichte des umgebenden Areals halten. Nach einem Empfang in der „Baumschule Kulturforum“ vor den Kirchenpforten wird zum Festgottesdienst um 18 Uhr Generalsuperintendentin Julia Helmke die Predigt halten. Das Berliner Frauen-Vokalensemble präsentiert Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Egil Hovland und Mayako Kubo.
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Viel ist im Werden rund um die Kirche. Am auffälligsten sind natürlich die Bauarbeiten am benachbarten Museum berlin modern, dessen noch unverklinkerte Fassade die geplante Höhe schon erreicht hat. 2030 soll alles fertig sein. In der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße sind die Sanierungsarbeiten im Gang – dass es in der Philharmonie und in der Gemäldegalerie ebenfalls Bedarf an Erneuerung und Reparatur gibt, ist bekannt.
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Aber auch in der Kirche selbst muss einiges geschehen. Fassade, Dach und Technik sind seit der Rekonstruktion des kriegszerstörten Baus zwischen 1956 und 1960 merklich in die Jahre gekommen. Bereits in den 2010er-Jahren gab es Teilinstandsetzungen, seit 2019 liegt ein umfassendes Sanierungskonzept vor. Pfarrer Langbein hofft, dass 2028 mit den Arbeiten begonnen werden kann, damit die Kirche 2030 zusammen mit dem neuen Museum wiedereröffnet werden kann.

Im Zuge der Sanierung, für die etwas mehr als 10 Millionen Euro eingeplant sind, soll die Kirche auch touristisch ertüchtigt werden. Während im Kirchenschiff und auf der Empore weiterhin wechselnde Kunstausstellungen gezeigt werden, könnte St. Matthäus mit dem Turm dann ein vertikales Museum bieten, das mit neuen Medien einen Gang durch die Geschichte erlaubt. Wer am Ende des Aufstiegs dann vom Turm auf das urbane Panorama blickt, wird sich plastischer vorstellen können, welchen enormen Wandel das Quartier erlebt hat.

Auf der Website utopie-kulturforum.berlin kann man ihn heute schon nachvollziehen – oder man greift zum liebevoll gestalteten Buch „Die verschwundene Stadt. Im Tiergartenviertel“, das Brigitte Landes geschrieben hat (Insel Verlag, 2024). Es ist ein historischer Spaziergang durch eine Nachbarschaft, die mit prächtigen Villen und vielen Galerien im 19. Jahrhundert Glanzzeiten erlebte, bevor die Gegend durch megalomane „Germania“-Pläne, Bombenkrieg und Mauerbau ins Hintertreffen geriet.
Und immer mittendrin: ein Gotteshaus, von Anfang an. „Die Matthäus-Kirche, die bald zum Mittelpunkt des rasch wachsenden Wohnviertels werden sollte“, heißt es bei Brigitte Landes, „wurde 1846 nach dem Entwurf von Friedrich August Stüler fertiggestellt und eingeweiht. Umgeben von Gärten, Feldern und Fliederduft, nannten die Gemeindemitglieder, unter ihnen auch die Gebrüder Grimm, sie zärtlich ,des lieben Gottes Sommervergnügen‘“.

An ein Sommervergnügen denkt man am Kulturforum heute vielleicht nicht zuerst. Aber man kann es sich für die Zukunft wieder ausmalen, wenn der Museumsbiergarten an der alten Platane seinen Betrieb aufgenommen hat und sich zwischen berlin modern, Kammermusiksaal, St. Matthäus und der Piazzetta des Kulturforums eine grüne Erholungsinsel aufspannen könnte. Bis dahin lohnt sich ein Besuch in der Kirche, nicht nur an diesem Wochenende. Derzeit werden dort gefärbte Stoffbahnen der Künstlerin Nadine Schemmann gezeigt, die im Kirchenschiff interessante Berg- und Talfahrten beschreiben.
St. Matthäus am Kulturforum, Matthäikirchplatz, Mitte. Veranstaltungen am 17. Mai: 15 Uhr Vortrag von Alexander Darda, 18 Uhr Gottesdienst.




