Helmut Newtons Fotos von Sigourney Weaver sind schlicht atemberaubend. Die meist schwarz-weißen Porträts zeigen die Schauspielerin 1991 während der Dreharbeiten zu „Alien 3“ in ihrer Rolle als Ellen Ripley und in einem hautengen, schwarzen PVC-Anzug. Newton betrachtete Weaver nicht nur als Ikone der Science-Fiction-Kultur, sondern auch als Muse. Daher war es nicht das einzige Shooting der beiden. Dass die eindringlichen Fotos jetzt rundum auf gleich vier XXL-Leinwänden zu sehen sind, verleiht ihnen und ihrer ungeheuren Strahlkraft eine ganz neue Wucht. Und doch ist es nur der Auftakt zu einem wahren Bilderrausch, der auf die Bucket List eines jeden Helmut-Newton-Fans gehört.

Nach über 20 Jahren hat die Dauerausstellung in der Helmut Newton Foundation ein neues Konzept plus Look bekommen. Ganz nebenher heißt die Helmut Newton Foundation jetzt Newton Foundation. Denn das Haus feiert die Arbeiten von Helmut und June Newton ab sofort gleichermaßen. Wie der Titel schon verrät, ist die neue Schau „Intermezzo. Revisiting Helmut Newton“, die mindestens ein Jahr zu sehen ist, nur ein Zwischenschritt zu einer weiteren Transformation der Ausstellung. Allerdings ein spektakulärer. Kern ist ein Filmraum. Dort projizieren acht Videobeamer rasant geschnittene Fotos – Mode, Porträts, Akte, Werbung – und Interviews mit rund einem Dutzend Zeitzeugen aus teils bislang unveröffentlichtem Material auf vier Screens. Mit einer überwältigenden Wirkung.
Auch interessant
Ein Eindruck, den Direktor Matthias Harder durchaus beabsichtigt hat. Und der viel über Helmut Newton erzählt. Neben zahlreichen Fotos aus seinem schier unerschöpflichen Œuvre von etwa einer Million Aufnahmen, erfährt man viel über Newtons Persönlichkeit und seine Arbeitsweise. Aber auch einiges über June, die unter dem Künstlernamen Alice Springs ebenfalls als Fotografin und Porträtistin berühmt war. Ihr Werk umfasst circa 200.000 Fotos. Als sie 2021 mit 97 Jahren in ihrer Wahlheimat Monte Carlo starb, hinterließ sie der Stiftung ihr gesamtes Archiv, unter anderem mit Kontaktabzügen, Negativen, Polaroids, die aufgearbeitet und digitalisiert wurden. Daher war es naheliegend, die Dauerausstellung neu zu gestalten und zu bewerten.


Flankiert wird die filmische Opulenz von den Biografien der Newtons. Und zwar nicht nur mit Wandtexten, sondern auch mit Fotos, die sie voneinander gemacht haben. June Newton ist auf einem Bild aus der Fotoserie ihres Mannes von 1976 mit dem Geparden Cheetah auf dem Boden liegend zu sehen. Und Helmut Newton auf Junes ikonischem Porträt von 1987 mit Pumps.
Neu ist auch die Reihe „Spotlight: Behind the Frame“, die jeweils ein Foto von June und Helmut Newton im Entstehungskontext beleuchtet. Die Bilder werden einmal im Quartal ausgewechselt. Den Auftakt machen zwei legendäre Fotos: Helmuts Newtons Modebild in der „Rue Aubriot“ von 1975 für die französische „Vogue“, das mit der Androgynität des Models spielt und gleichzeitig einen frivolen Touch hat, sowie Alice Springs Fotos für eine Werbekampagne der Zigarettenmarke Gitanes im Jahr 1970. Weil Helmut Newton damals mit Grippe im Bett lag, übernahm June kurz entschlossen seinen Auftrag. Damit begann ihre Karriere als Fotografin.

Gegenüber hängen knapp 100 Ausstellungsplakate. Darunter einige von Alice Springs. Das Gros stammt aber von Helmut Newton. Beginnend mit seiner ersten Ausstellung 1975 und endend mit seiner ersten Ausstellung in der Newton Foundation. Ein Haus, das er sich gewünscht hat, obwohl er als Jude 1938 aus seiner Heimatstadt Berlin vom gegenüberliegenden Bahnhof Zoo fliehen musste. Die neue Präsentation ist eine großartige Hommage an Helmut und June Newton.
Newton Foundation, Jebensstr. 2, Charlottenburg, Tel. 31 86 48 25, Di., Mi., Fr.–So. 11–19 Uhr, Do. 11–20 Uhr.



