Es ist Liebe auf den ersten Dreck. Wie aus dem Nichts taucht zwischen den Bäumen ein Radler auf und kann gerade noch rechtzeitig bremsen, spritzt dabei aber Schlamm auf den hellen Anzug des Großstädters Yascha Krüger (Linus Schütz). Der ist trotzdem hin und weg. Zuvor sah man ihn im Schnelldurchlauf bei vielen Dates in München. Er ist sympathisch und gut aussehend, liebt aber die Natur und wandert lieber, als nachts in der Stadt durch Clubs zu ziehen. Deswegen verdrücken sich die Dating-Partner schnell. Jetzt aber steht da im Wald dieser Fotograf Mats Stein (Aaron Friesz) vor ihm und strahlt ihn an. Was schert einen da ein ruinierter Anzug?
„Baumgeflüster“ heißt der neue Film aus dem ZDF-„Herzkino“. Das wandelt ja häufig am Rande des Kitsches und nicht selten darüber hinaus. Und bedient die Heile-Welt-Kiste auch mit Mitteln des alten Heimatfilms. Wie erfrischend aber, wenn in dieser Reihe auch mal eine schwule Liebesgeschichte erzählt wird. In Heimatgefilden, in freier Natur. Wo es doch immer noch Menschen geben soll, die gleichgeschlechtliche Liebe widernatürlich finden. Nein, da zeigt das ZDF mal Flagge mit dieser bewusst bunten, diversen Produktion. Die das Genre nach Kräften bedient und doch als Appell für mehr Verständnis nutzt. Und wieso sollen nicht auch Schwule mal eine Kitschromanze bekommen!?

Wie bei einer guten Romcom klappt das nicht auf Anhieb. Die erste Begegnung beruht auf einem Missverständnis. Krüger ist Beamter des Forstministeriums, ersetzt aber gerade einen Förster und führt eine Schulklasse durch den Wald. Mats hält ihn daher für einen Lehrer. Yascha will den Irrtum aufdecken. Aber immer kommt was dazwischen. Und dann kommt noch ein Gewissenskonflikt dazu. Yaschas Chefin plant nämlich ein ehrgeiziges Nationalparkprojekt und möchte dafür die letzten Hektar Privatwald aufkaufen. Die gehören aber – Mats. Und der will keineswegs verkaufen. Um ihn nicht gleich wieder zu verlieren, spielt Yascha deshalb ein Rollenspiel, das jederzeit aufzufliegen droht. Denn die Chefin will auch rüde Methoden anwenden.
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Schwule im Heimatfilm, die gibt es mittlerweile schon, aber meist nur als Alibi-Nebenfiguren. Hier wird Vielfalt mal ernst genommen. Und es gibt nicht nur das schwule Paar, das sich noch finden muss, sondern ein zweites, älteres, das sich zu verlieren droht. Regie führte Dirk Kummer, der 1989 in „Coming Out“ spielte, noch immer einer der schönsten deutschen Schwulenfilme. Matthias Freihof, sein damaliger Filmpartner, hat einen Gastauftritt.

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Und auch sonst ist der Film sinnig gecastet: Das ältere Paar spielen der offen schwule Jochen Schropp und Robert Stadlober, der 2002 in „Sommersturm“ sein Herz an einen Jungen verlor. Und als Yaschas Mutter ist Inka Friedrich zu sehen, die in „Die Mitte der Welt“, auch ein toller Schwulenfilm, die lesbische Tante gab. Die darf sich hier auch verlieben, in einen Mann, damit die Hetero-Zuschauer nicht gar zu verschreckt werden. Die Hauptrollen spielen aber zwei Theatermimen, die bislang nur in Nebenrollen vor der Kamera standen. Fazit: Eine Liebeskomödie, so konventionell und vorhersehbar wie viele. Und doch charmant und erfrischend anders.
„Baumgeflüster“: ZDF, Sonntag, 29. März, 20.15 Uhr.






